Außerirdisches Baby auf dem Mount Everest gefunden“ – so lautet die Schlagzeile eines obskuren Magazins, die der amerikanischen Filmzeitschrift Premiere zufolge bei Lawrence Kasdan im Büro an der Wand hängt. Das sollte man im Kopf behalten, wenn man sich die Geschichte vom Pizzabäcker Joey Boca (Kevin Kline), der fünf Mordanschläge seiner Frau überlebte, anschaut. Das Allerunwahrscheinlichste ist bei Kasdan der Horizont, dem seine Filme traumverloren entgegengehen, immer wieder findet man darin dieses Faible für Ironie des Schicksals, für den Stoff also, aus dem die vermischten Nachrichten gemacht sind.

„Ich liebe Dich zu Tode“ beruht auf einer wahren Begebenheit. Zum Beweis hat man den originalen Pizzabäcker und seine Frau auf Promotion-Tour geschickt. Doch dadurch wird die Geschichte auch nicht wahrer.

Mit Autobombe, Gift und Pistole versucht die von ihrer Mutter (Joan Plowright) und ihrem jugendlichen Verehrer (River Phoenix) schlecht beratene Rosalie Boca (Tracey Ullman) ihren Mann beseitigen zu lassen. Doch erst erweisen sich die beiden Cousins (William Hurt und Keanu Reeves), die sie als Killer anheuert, als komplette Ausfälle, und dann weigert sich Joey trotz Vergiftung und Kugel im Kopf, endlich abzutreten. Und am Ende ist Joey noch nicht einmal böse, sondern beginnt nachzudenken: Er nimmt die Mordversuche als Liebesbeweis, verzichtet auf eine Anklage und schließt statt dessen seine mörderisch erfolglose Frau in die Arme. Eine schwarze Komödie, die sich als Farce gefällt. Wo die Geschichte mit ihrem Personal durchgeht, bremst Kasdan nicht, sondern gibt ihr noch einen zusätzlichen Dreh. Das ist mehr, als die Figuren vertragen, auch wenn Kevin Kline dabei oft noch den billigsten Gags einen Witz abgewinnt. Für einen subtilen Regisseur wie Lawrence Kasdan ist dieser Stoff einfach zu exzentrisch. Bei seinem enzyklopädischen Zugriff aufs Kino spielen immer die kleinen Verschiebungen die großen Rollen, das, was sich innerhalb seiner eher literarischen Erzihlweise nicht in Worte fassen ließ: die kleinen Absonderlichkeiten statt der großen Merkwürdigkeiten. Im Chaos von „Ich liebe Dich zu Tode“ gibt es für den Minimalisten Kasdan nichts, worauf er zurückgreifen könnte. Auf dem fremden Terrain findet er nichts Vertrautes. Diese Erfahrung hat schon seinen Mr. Leary gehörig aus der Bahn geworfen.

Michael Althen