In der Golfkrise offenbart sich Amerikas gefährliche Abhängigkeit vom Öl

Von Helmut Juran

Als der irakische Machthaber Saddam Hussein das kleine Scheichtum Kuwait besetzte, mußte er einkalkulieren, daß die Vereinigten Staaten darauf reagieren würden. Womit der Diktator offenbar nicht rechnete, war die Härte des amerikanischen Engagements. Doch die Golfkrise und die steigenden Ölpreise haben ein tiefes Dilemma der amerikanischen Wirtschaft offenbart. Die Golfkrise ist auch eine Konsumkrise, entstanden durch den Energiehunger einer zu freien Marktwirtschaft. Nur das erklärt die Härte der amerikanischen Antwort.

Mit etwa drei Milliarden Tonnen Öleinheiten verbrauchen die Vereinigten Staaten mit einem Weltbevölkerungsanteil von nur fünf Prozent genausoviel Primärenergie wie die Entwicklungsländer mit einem Bevölkerungsanteil von 75 Prozent. Obwohl die Vereinigten Staaten seit 1970 ihren Pro-Kopf-Verbrauch nahezu konstant halten konnten, während er in Japan und der Bundesrepublik Deutschland in dieser Zeit um etwa 15 Prozent stieg, ist er noch immer doppelt so hoch wie in Europa, zweieinhalbmal so hoch wie in Japan und etwa sechsmal so hoch wie im Durchschnitt aller übrigen Länder.

Keine Wende in Sicht

Die Risiken des Überkonsums sind zwar bereits lange bekannt, wurden aber weitgehend verdrängt oder völlig unterschätzt. Dies gilt auch für Präsident Bush. Nichts belegt dies deutlicher als der Führungsanspruch, den der Mann im Weißen Haus zur Lösung des klimabedrohenden Treibhausproblems proklamierte. Inzwischen mußte Bush seinen engen energiewirtschaftlichen Handlungsspielraum einsehen. Seine Ankündigung wurde mittlerweile zum umweltpolitischen Bumerang, denn die Vereinigten Staaten sehen sich noch immer außerstande, den Verbrauch fossiler Brennstoffe einschneidend zu reduzieren.

Fast alle wesentlichen Konflikte, Krisen und Probleme innerhalb der jungen Präsidentschaft George Bushs erwiesen sich direkt oder indirekt als energiebedingt. Den Reigen eröffnete der Exxon-Tankerunfall und rief die Umweltschützer auf den Plan. Hierdurch erstarkt, erzwangen sie ein Clean Air Program zur Entschwefelung und Entstickung der Industrie- und Kraftwerksabgase. In der Bundesrepublik kostete die entsprechende Kraftwerksreinigung für rund 70 000 Megawatt (MW) etwa vierzig bis fünfzig Milliarden Mark. In den Vereinigten Staaten steht aber ein Kraftwerkspark von 550 000 MW zur Sanierung an. Wie soll nun ein Energiesparprogramm zum Stopp des Treibhauseffekts durch eine Minderung des Kohlendioxidausstoßes von mindestens zwanzig Prozent finanziert werden, steckt doch die US-Exportindustrie in einer Krise, die großteils ebenfalls energiebedingt ist?