Das „Deutsche Historische Museum“ erhält das Museum für Deutsche Geschichte in Ost-Berlin. Was will es mehr?

Welch eine Wendung durch Gottes Führung! Das Museum für Deutsche Geschichte im ehemaligen Zeughaus Unter den Linden macht dicht. Und gleich drauf wieder auf: jetzt, nach dem Beschluß des DDR-Ministerrats, dem „Deutschen Historischen Museum“ West-Berlins zur Nutzung überlassen. Na bitte. „Der gegen das West-Berliner Museum so oft vorgebrachte Vorwurf, es habe nichts auszustellen, dürfte so bald gegenstandslos werden“, jubilierte in vertraut konjunktivischem Stimmbruch die Frankfurter Allgemeine. Und recht hat sie. Denn nun wird hoffentlich Ruhe sein: Berlin bekommt damit sein Historisches Museum – ein Geschenk Helmut Kohls zum 750. Stadt-Geburtstag, wir erinnern uns.

Also: Fundus ist da, bleibt vielleicht auch da. Und Platz, viel Platz: Zusammen mit diversen Magazingebäuden, zusammen mit dem Gropius-Bau, wo gerade eine vielgelobte Bismarck-Ausstellung läuft, ergibt das summa summarum sicherlich bald so viele Quadratmeter wie der ursprünglich geplante Bau, Aldo Rossis Geschichtsdom im Spreebogen.

Ursprünglich – denn damit muß es natürlich nun ein Ende haben. „Kassensturz“, wie der Kanzler just felsenfest versprochen hat. Ein, zwei rauschhafte historische Stündchen gönnen wir uns noch, aber nach dem 2. Dezember spätestens wird Geschichte endlich wieder ganz normal gemacht. Das heißt: gerechnet. Und waren eine halbe bis ganze Milliarde Mark für ein „Deutsches Historisches Museum“, wie geplant, von Anfang an blanke Verschwendung, so wird dieser Scheck aus Bonn jetzt auch zur frivolen Instinktlosigkeit.

Denn drüben, und wir sagen noch „drüben“, ist die Geschichte am Ende. Kein Tag ohne Hilferuf. Vom Historischen Museum in Schwerin bis zu den Franckeschen Stiftungen in Halle, vom „Kapitulationsmuseum“ in Karlshorst bis zum Novalis-Schlößchen in Wiederstedt: Überall bröckelt der Putz, pfeift der Wind durch leere Kassen. Gerade erst baten Mitarbeiter der technikhistorischen Sammlungen dort den bundesdeutschen Museumsbund um Rettung. Und wenn es schon für so manches karg vor sich hin kalkulierende BRD-Museum eine böse Zumutung ist, was die Bundesregierung (die SPD im Schlepptau) da pompös neben dem Berliner Reichstag verbauen will – angesichts des Elends der DDR-Museen ist das Protz-Projekt „Deutsches Historisches Museum“ schlicht ein Skandal. Ein Skandal: daß da ein Ankaufs-Team munter kreuz und quer durch Europa Shopping fährt, von Auktion zu Auktion, um mit einem Jahresetat von sechs oder gar zehn Millionen Mark Ritterrüstungen und alte Holländer zu kaufen!

Schluß damit. Jetzt gibt es erstens das Zeughaus Unter den Linden, eines der schönsten Gebäude der Stadt, und zweitens den Gropius-Bau. Platz genug für große Ausstellungen und Platz genug auch – mal sehen, was das Zeughaus-Erbe hergibt – für eine konzentrierte Sammlung zur deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, wenn eine Sammlung denn unbedingt sein muß. (Dabei aber bitte nicht vergessen: Die Hinterlassenschaften der Bundesrepublik werden ja im neuen „Haus der Geschichte“ zu Bonn am Rhein vitriniert!)

Das alles kostet was. Aber eben nicht die halbe oder ganze Milliarde, die das Rossi-Monstrum samt anzukaufendem Fundus kosten würde. Das so gesparte Geld (und es wird nicht wenig sein) stecken wir, und zwar möglichst bald, in eine Stiftung: die „Stiftung deutsche historische Museen“. Und diese Stiftung unterstützt in Verbindung mit der bereits exzellent funktionierenden Kulturstiftung der Länder wichtige historische Stätten und Museen im ganzen teutschen Land, vorerst natürlich vor allem in dessen östlichem Teil: bei Instandsetzungen, Erweiterungen, besonderen Ausstellungen und Ankäufen.

Womit allen geholfen ist. Oder, wie man in Frankfurt sagt: wäre. Benedikt Erenz