Ein Geständnis vorweg: Ich gehöre nun wirklich nicht zu der überwiegenden Mehrheit, die gerne ihrer Steuerpflicht nachkommt, vielmehr zu der kleinen Minderheit, bei der es Säumnisbescheide hagelt. Auch ist es eines meiner Hobbys, dem Finanzamt ein Schnippchen zu schlagen.

Das hat sich, seit das Glück der Vereinigung auf der Türschwelle steht, schlagartig geändert. Mit jeder neuen Hiobsbotschaft von drüben wächst meine Opferbereitschaft, und ich lechze geradezu danach, durch höhere Steuerbeiträge unseren zukünftigen Landsleuten aus dem Elend zu helfen.

Leider steht einer sofortigen Steuererhöhung ein Hindernis entgegen: Es heißt Helmut Kohl! Um auf unsere Vereinigung keinen Schatten fallen zu lassen, ließ er sich, erst kürzlich, dazu hinreißen, hoch und heilig zu schwören, es werde wegen der DDR garantiert keine Steuererhöhung geben.

Wenn dann postwendend, nach seiner Wahl zum Großkanzler, die Steuern doch erhöht werden, dürften sich sehe Gegner nicht zu schäbig sein, ihn auf sein Versprechen festzunageln. Es handelt sich um die gleichen Gesellen, die ihm schon verleumderisch vorwarfen, er habe den Wahltermincoup nur geplant, dem t die Wähler ihn wählen, bevor die Katastrophen-Prophezeiungen über die DDR sich bewahrheiten.

Nun gehört Kohl zu den Politikern, die wenigstens ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie ihre Wähler an der Nase herumführen. Wie können wir Kohl dabei helfen, sein Gewissen zu beschwichtigen? Indem wir uns der „D.e.i.u.“-Bewegung („Denn er ist unser“) anschließen.

Diese hat nur ein Ziel: ihm jede öffentliche oder private Erinnerung an sein Steuerversprechen zu ersparen. Sollten Sie, zum Beispiel, als D.e.i.u.-Mitglied dem Kanzler ganz zufällig begegnen, darf auch nicht die vageste Anspielung auf seine fatale Irreführung der Wähler über Ihre Lippen kommen. Ein inniger, dankbarer Blick aus seinen Augen dürfte es Ihnen lohnen.

Wenn er aber mutwillig selber den Stier bei den Hörnern packt und das heikle Thema anschneidet – vielleicht, weil er den Gewissensdruck nicht länger ertragen kann, und Sie nun demütigst um Verzeihung dafür bittet, daß er sein Steuerversprechen wohl nicht werde halten können, dann werden Sie nur großmütig abwinken: „Solange Sie, mein Kanzler, das Steuer unseres Staatsschiffes fest in der Hand halten, sind Ihren Wählern Steuern Hekuba.“

Für diesen eleganten Spruch winkt Ihnen die D.e.i.u.-Ehrennadel – und selbstverständlich sind die Mitgliedsbeiträge bevorzugt steuerbegünstigt!