Da hat sich der Papst wieder einmal hämische Schlagzeilen gesichert. Nicht etwa durch seine Predigt gegen politischen „und moralischen“ Mißbrauch von Religion macht er auf seiner siebten Afrikareise von sich reden, sondern weil er – so formulierten Agenturberichte – im aidsverseuchten Kontinent den „Gebrauch von Kondomen“ verurteilt habe.

Als ob er je das Ding direkt beim Namen nennen würde! In Wirklichkeit warnte er in seiner Ansprache (an das diplomatische Korps von Tansania, nicht etwa an die Betroffenen) vor „Vorbeugungs-Programmen, die nur auf Information beruhen“ und nannte „noch schädlicher Kampagnen, die – mangels moralischen Inhalts und durch die falsche Sicherheit, die sie anbieten – implizit gerade jene Verhaltensmodelle fördern, die so sehr zur Ausbreitung der Krankheit beigetragen haben“.

Hinter dem Argument verbirgt sich fast schamhaft jene Sexualmoral, die selbst bei Todesgefahr Lust nur erlaubt, wenn Zeugung möglich ist, und irdische, nämlich relative Sicherheit als „falsche“ abtut. Freilich, der Satz: „Wir müssen gegenseitig treue, lebenslang dauernde Ehen als Norm einführen“ stammt nicht vom Papst, sondern vom Gesundheitsminister von Simbabwe, der 1990 in diesem afrikanischen Land – 26 Millionen Kondome verteilen läßt. Seit dem Mittelalter, als Pest und Syphilis das christliche Europa verheerten, hat sich nun einmal die Erkenntnis durchgesetzt: Moral kann Medizin nicht ersetzen. Hj. Ste.