Von Otto Köhler

Es sieht alt aus, ziemlich alt, das kleine Ausstellungstück VII.5.3 im letzten Raum vor dem Ausgang, messinggeprägt und emailliert. Aber die Zeitangabe läßt keinen Zweifel: „letztes Viertel 20. Jh.“. Das ist heute, das sind wir, das ist unsere schimmernde Wehr. Der Katalog verrät es: „Die ersten Uniformen der deutschen Bundeswehr waren so schmucklos und unattraktiv, daß sehr bald Bestrebungen ihrer Träger einsetzten, eine etwas gefälligere Dienstkleidung zu erhalten.“ In Bad Mergentheim, bei der 36. Panzerbrigade der 12. Panzerdivision gelang es. Während andere Bundeswehreinheiten bei der „einsetzenden Welle“ von „Wappen“-Schöpfungen zu „teilweise recht eigenartigen Ergebnissen“ kamen, unterscheidet sich davon das Abzeichen der Panzerbrigade „wohltuend“. Es entspricht dem alten Hochmeisterwappen, dem Kreuz und den Schwertern des Deutschen Ordens, der sich einst im Osten „im Heidenkampf“ – wie es immer wieder im Katalog heißt – bewährte.

Was machen sie, wenn sie denn Frieden wollen, mit den Schwertern des Deutschen Ordens, warum heißt ihre Kaserne, wenn sie keinen Drang nach Osten spüren, seit 1964 „Deutschordenskaserne“? Keine Katalog-Zeile erläutert es.

Das muß nichts Böses sein, wenn diejenigen recht haben, die im Nürnberger Germanischen Nationalmuseum die Ausstellung „800 Jahre Deutscher Orden“ veranstalten. Diese „christlichkaritative Ordensgemeinschaft“, so sagen sie, „gestaltete“ – und auch das kann ja nicht schlimm sein – „europäische Geschichte mit, besonders intensiv im Ostseeraum“. Leider – und das hat dem Orden offensichtlich geschadet – wurde „seine Vergangenheit in einer verfeindeten Gegenwart zu politischen Argumentation benutzt“.

Wenigstens unter Historikern sollte man dieser – endlosen Beschäftigung mit der Vergangenheit ein Ende setzen.

In einem Aufsatz zu dem Ausstellungsteil, in dem das 800jährige Deutschordenswappen der Bundeswehr als „wohltuend“ empfunden wird, fühlt sich der Göttinger Historiker Hartmut Boockmann dazu aufgerufen, „gegen falsche Vergegenwärtigungen“ anzutreten: Unzulässig ist es, den Zweiten Thorner Frieden vor 500 Jahren „etwa zur Rechtfertigung heutiger Grenzen“ zu mißbrauchen. Im Zweiten Thorner Frieden von 1466 wurde der Deutsche Orden gezwungen, auf große Teile des Polen geraubten Gebietes, darunter die Pommerellen und Danzig, zu verzichten.

Weiter vorn in einer Vitrine ausgestellt sind die „Preußischen Jahrbücher“ von 1863 mit dem Aufsatz „Das deutsche Ordensland Preußen“ von Heinrich von Treitschke. Boockmann, der maßgebend an der Nürnberger Ausstellung mitwirkte, würdigt im Katalog die „Qualitäten dieses bedeutenden Historikers“ und findet den „schwungvoll geschriebenen“ Essay „höchst eindrucksvoll“, wenn er auch „angesichts des damaligen Kenntnisstandes einigermaßen fehlerhaft“ sei. Da ist es schade, daß die Besucher nicht selbst in dem fest in der Vitrine verschlossenen Band blättern und die eindrucksvollsten Stellen lesen können. Die Stelle etwa, wo Treitschke den Deutschen Orden als Vorkämpfer deutschen Expansionsdranges würdigt, den er als das „reißende Hinausströmen deutschen Geistes über den Norden und Osten, das gewaltige Schaffen unseres Volkes als Bezwinger, Lehrer, Zuchtmeister unserer Nachbarn“ begriff. Treitschke verschwieg nicht, daß bei diesem „Siegeszug deutscher Gesittung“ auch „unmenschliche Grausamkeit“ erforderlich war. Aber diese Grausamkeit, mit der der Deutsche Orden gegen die „barbarischen“ oder „halbbarbarischen“ Pruzzen, Litauer und Polen kämpfte, diente gutem Zweck: Der Ordensstaat war „ein fester Hafendamm“, der „vom deutschen Ufer in die wilde See der östlichen Völker“ hinausgebaut wurde.