Geld rentabel und einigermaßen sicher anzulegen ist schwer. Wie gefährlich etwa der Kauf von Aktien ist, haben nicht zuletzt die wilden Kursausschläge nach dem Ausbruch der Irak-Krise gezeigt. Aber auch festverzinsliche Wertpapiere bergen Risiken. Wer Anleihen vor einigen Jahren gekauft hat, als die Zinssätze noch niedrig waren, muß heute oft erhebliche Kurs- und Zinsverluste verbuchen. Um solche Reinfälle zu vermeiden, vertrauen vermögende Anleger ihr Geld den Vermögensverwaltern der Banken oder gar privaten Vermögensverwaltungsgesellschaften an. Sie hoffen, daß die Profis die Risiken des Kapitalmarktes besser beherrschen und die Chancen effektiver nutzen.

Doch häufig halten weder Banken noch kleine Vermögensverwaltungen, was ihre Werbung oder ihre guten Ergebnisse in Börsenspielen versprechen. Da ist zum Beispiel der schwer enttäuschte Kunde einer großen Bank, die im Wertpapiergeschäft zu den ersten Adressen zählt. Aus zwei Millionen Schweizer Franken hat die Bank im Jahre 1989 keinen Pfennig Gewinn erwirtschaften können. Tatsächlich mußte der Kunde sogar einen kleinen Verlust hinnehmen. Ein Einzelfall?

Auf Vermögensverwaltungen weichen viele Kunden aus, weil die Beratung am Schalter der Hausbank oft zu wünschen übrig läßt. Auch die Stiftung Warentest bestätigt dies in einer Untersuchung. Und hartgesottene Kritiker wie zum Beispiel Bolko Hoffmann, Herausgeber des Effekten-Spiegel, behaupten sogar, daß in den Kundendepots diejenigen Wertpapiere zu finden sind, die die Banken selbst nicht haben wollen. Tatsächlich spricht vieles dafür, daß die Geldhäuser bei der Anlageberatung gar nicht so kundenorientiert und unabhängig sein können, weil die Interessen von Bank und Anleger beileibe nicht immer identisch sind. Bei jedem Kauf und Verkauf von Wertpapieren sind die Geldinstitute nämlich mit Provisionen dabei. Was liegt also näher, als die Kundendepots häufiger umzuschlagen und damit die Provisionserträge, die in den Bankbilanzen eine immer wichtigere Rolle spielen, zu steigern? Und die Mitarbeiter der Banken werden immer häufiger nach den Umsätzen honoriert und gefördert, die sie mit ihren Kunden erzielen, was nicht gerade ihren Blick fürdie Wünsche der Kunden schärft. Überdies sind die großen Banken auf vielfältige Weise mit den Aktiengesellschaften verknüpft, deren Aktien sie zum Kauf oder Verkauf empfehlen; etwa über Kreditengagements, Aufsichtsratsposten oder über ein Beteiligungsverhältnis. Daß dadurch Interessenkollisionen zwischen Bank und Anleger programmiert sind, liegt auf der Hand.

Hier setzen die privaten Vermögensverwaltungen an. Sie berufen sich auf den Privatbankier alter Schule, der bei der Geldanlage ausschließlich die Interessen seiner Kunden berücksichtigt hatte. Um mögliche Interessenkonflikte erst gar nicht aufkommen zu lassen, verdienen sie weder beim Kauf- und Verkauf von Aktien und Anleihen, noch bringen sie selbst Wertpapiere heraus. Die Vermögensverwalter managen die Kundendepots. Die Transaktionen werden jedoch über die Bank des Kunden abgewickelt. Das Honorar wird in der Regel am Ende des Jahres berechnet und hängt vom aktuellen Depotwert ab.

Freilich muß der Sparer, der solche Managementdienste in Anspruch nimmt, einiges auf der hohen Kante haben. Drei Beispiele: Die Kölner Ender & Partner Vermögensverwaltung betreut gut 400 Millionen Mark für 400 Kunden. Wer sein Vermögen vermehren lassen will, muß mindestens 250 000 Mark einbringen. Neben den klassischen Instrumenten der Wertpapieranlage bietet das Unternehmen auch Stillhaltegeschäfte am Terminmarkt an. Und die Kundschaft hat zudem die Möglichkeit, sich an Paketgeschäften zu beteiligen. So verkaufte jüngst Ender zusammen mit seinem Hamburger Kollegen Günther zehn Prozent der AVA-Aktien an den hungrigen Asko-Konzern.

Ebenfalls 250 000 Mark beträgt die Mindesteinlage bei der Düsseldorfer Boing AG. Im Gegensatz zu den vielen Wertpapierverwaltern, die in ihrer Anlagepolitik nur auf Aktien und Anleihen setzen, fahren die Düsseldorfer auf Wunsch des Kunden auch spekulativere Depots mit Optionsscheinen auf Aktien und Währungen. Dahinter steht die Philosophie, daß höhere Gewinne nur dann erzielt werden können, wenn auch ein größeres Risiko eingegangen wird. Neben der Verwaltungsgebühr von einem Prozent kassiert die Boing AG auch eine Gewinnbeteiligung.

Ein paar Häuser weiter, an der Luxusmeile Königsallee, residiert Grossbötzl, Schmitz & Partner. Die fünf Partner der Vermögensverwaltungssozietät kommen alle von Banken und kennen die Schwachstellen. Ihr Statement: „Da wir unabhängig sind, können wir bei der Verwaltung der Depots ausschließlich die Interessen der Kunden berücksichtigen.“ Die Düsseldorfer sind in ihrem Anlagemix konservativ ausgerichtet. Das Eintrittsgeld beträgt eine halbe Million Mark, das Honorar ein Prozent vom Wert des Depots am Jahresende.