Von Peter Reichel

Die hohen Erwartungen an die bevorstehende Vereinigung der beiden deutschen Staaten und das nationale Stimmungshoch verdecken vorübergehend, wie groß unsere Unsicherheit im Umgang mit der eigenen Geschichte bis auf den heutigen Tag geblieben ist. Zuletzt haben das gerade jene demonstriert, die sich professionell mit ihr beschäftigen: die Historiker. Diese Unsicherheit geht so weit, daß noch nicht einmal Einigkeit darüber besteht, welche Welt mit dem deutschen Faschismus untergegangen ist, die vormoderne, vorindustrielle Gesellschaft oder das bürgerliche Zeitalter des 19. Jahrhunderts.

Diese Frage ist ohne eine gründliche Kenntnis der bildungs- und kulturgeschichtlichen Zusammenhänge nicht zu diskutieren, geschweige denn plausibel zu beantworten. Dank des großen und anhaltenden Interesses an dieser Problematik hat es in den vergangenen Jahren beachtliche Forschungsertrage gegeben. Sie sind nun zum ersten Mal in einem Handbuch zusammengefaßt, übersichtlich präsentiert und bemerkenswert gut lesbar aufbereitet:

  • Dieter Langewiesche

und Heinz-Elmar Tenorth (Hrsg.):

Handbuch der deutschen Bildungsgeschichte

Bd. V: 1918-45. Die Weimarer Republik und die nationalsozialistische Diktatur, Verlag C. H. Beck, München 1989; 471 S., 158,– DM