Listiges Arrangement des Verlegers: Klassische Texte werden aufmüpfig illustriert. Nikolaus Heidelbach, sicher das interessanteste Talent unter deutschen Bilderbuchmachern der letzten Jahre, hat mit seinen Illustrationen den versierten Guggenmos vor einem populären Mißverständnis bewahrt: daß es sich bloß um einen Idylliker und routinierten Versemacher für nette Lesebücher handeln könnte.

In sämtlichen seiner Bilderbücher hat Heidelbach das Klischee vom pflegeleichten Normkind witzig – manchmal unheimlich – konterkariert. Zu Texten des inzwischen zum modernen Klassiker avancierten Kinderbuchautors Guggenmos sind Bilder entstanden, die auf künstliche Harmonie pfeifen. Keine Illustrationen aus dem pädagogischen Niemandsland. Komik, Schrecken, Lächerlichkeit, Wunder – Heidelbach rückt der Wirklichkeit mit Farben zu Leibe, spießt auf, stellt Dinge auf den Kopf – hoppla –, damit man gründlicher draufschauen kann. Illustration als hintersinniger Kommentar zu Gedichten, Geschichten, Rätseln, poetischen Nachrichten des amüsanten Allgäuer Kinderbuchdichters. Ein Buch – aufregend wie versteckte Kramschachteln auf dem Dachboden. Wer aus Wunderfitz drin herumwühlt, macht allerschönste Funde: alte Schätze und taufrisch Fabuliertes. U.B.