-
Ausgabe 04/1991

Artikelübersicht
Im Inhaltsverzeichnis dieser ZEIT-Ausgabe finden Sie ab dem Erscheinungstag die Artikel der ZEIT und des ZEITmagazins aufgelistet, die bereits online sind und von Ihnen abgerufen werden können.
- Politik
-
Wie die Briten denken
Auf Krieg gestimmt
Englands Massenblätter, allen voran die Sun, das rechtspopulistische Flaggschiff des Imperiums von Robert Murdoch, hatten seit dem Beginn der Golfkrise versucht, an den Falklandkonflikt anzuknüpfen und eine nationalistische Grundstimmung zu erzeugen.
Von Jürgen Krönig
-
Machtlos gegen Moskaus Panzer
Den ersten Gottesdienst für die Opfer des Militär-Massakers zelebrieren an diesem Montag abend zwei Priester im Sportpalast.
Von Maria Huber
-
Vakuum an der PLO-Spitze
Der zweite Mann in der PLO-Führung, Salah Khalef, besser bekannt unter seinem Kriegsnamen Abu Ijad, und der Sicherheitschef der Organisation, Abu Haul, diskutierten in der Nacht auf Dienstag Auswege aus der Golfkrise.
Von Fredy Gsteiger
-
„Wir sind Gefangene!“
Am Sonntag, dem 13. Januar, riß mich ein Anruf von Verwandten um drei Uhr morgens aus dem Schlaf: Angeblich hätten sowjetische Armee-Einheiten im Namen eines mysteriösen Nationalen Rettungskomitees die Rundfunkstationen und das Parlamentsgebäude gestürmt.
-
Falls die Ölfelder brennen
Politik mit der Apokalypse?
Die Umweltfolgen eines militärischen Konflikts lassen sich schwer kalkulieren
Von Hans Schuh-Tschan
-
Bonner Bühne
Am Ende der Ära Späth
Daß Lothar Späth nun ein Buch über „Heuchler und Pharisäer“ schreiben möchte, wäre der interessanteste Nebenaspekt der Traumschiff- und Luxushotel-Affäre.
Von Werner A. Perger
-
Nachlese: Präsidentschaftswahl in Portugal
Sieg für „König Mario“
Ein Urnengang ohne Überraschung: Wie erwartet haben sich die Portugiesen am vorigen Sonntag für die Wiederwahl ihres bisherigen Staatsoberhaupts Mario Soäres entschieden.
-
Wolfgang Ebert
Ehrensache
Das Rätselraten darüber, wem die Ehre zukommt, die größten finanziellen Opfer der Einheit zu tragen, ist seit Theo Waigels Entscheidung beendet.
-
Weltbühne
Seifenoper ohne Ende
Seit Carlos Menem als erster Staatsschauspieler Argentiniens im Juli 1989 die politische Bühne betrat, öffnete sich am Rio de la Plata der Vorhang zu einer nicht enden wollenden Burleske.
Von Carl D. Goerdeler
-
Chronik der Golfkrise
Wie sich der Knoten schürzte
Seit fünfeinhalb Monaten hält Saddam Hussein die Welt in Atem. Seinem Raubzug auf Kuwait folgten weitere Gewaltakte im Scheichtum, Geiselnahmen und -freilassungen, diplomatische Bemühungen um einen Frieden, Phasen der Hoffnung und der Entmutigung.
-
Der Haß bricht sich Bahn
Im Rhythmus der fanatischen Massendemonstrationen schwingt die Frau links neben mir ihre Faust: „Vors Gericht mit ihm!“ Die Frau zur Rechten schreit: „Hängt ihn auf!“ Gemeint ist der Ministerpräsident der Republik Lettland, Ivar Godmanis.
Von Christian Schmidt-Häuer
-
Historie in Serie
Ort und Ereignis waren historisch. Dort, wo im Jahre 1809 die Mitglieder der ersten Berliner Stadtverordnetenversammlung vereidigt worden waren, konstituierte sich am vorigen Freitag das Gesamtberliner Parlament.
-
Worte der Woche
„Die Führung des Landes hat unter dem Einfluß bestimmten Kräfte beschlossen, daß unsere Probleme sehr schwer auf demokratischem Wege zu lösen sind und daß man in der Tat zur ‚eisernen Hand‘ zurückkehren muß.
-
Die verlorene Ehre des Michail Gorbatschow
Mit „Panzertrojka“ gegen das Baltikum – die sowjetische Zentralmacht dreht das Rad brutal zurück
Von Christian Schmidt-Häuer
-
Im Angesicht des Krieges
In den letzten Tagen vor Ablauf des Uno-Ultimatums scheiterten alle diplomatischen Versuche, eine friedliche Lösung zu finden
Von Joachim Fritz-Vannahme
-
Amerika – einig und doch gespalten
Wie eine Weltmacht erlebt, daß der Despot von Bagdad sich der Vernunft verweigert
-
Saddam Husseins vierte Kolonne
Auf dem Fuß der Terroristen
Spätestens seit Ende November vorigen Jahres, als der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sein Ultimatum an Saddam Hussein richtete, gelten die Fragen der inneren Sicherheit in Deutschland und bei der Mehrzahl ihrer westlichen Partnerländer als Staatsgeheimnis.
Von Hans Schueler
-
Zeitspiegel
Ausgerechnet ein Lenin-Bild prangt seit Wochenbeginn im Amtszimmer des brandenburgischen Finanzministers Klaus-Dieter Kühbacher.
-
DIE ZEFT-Nr. 4 – 18. Januar 1991
„Mit Würde kämpfen und sterben“
Die Stimmung im Festsaal des Hotels „Rasheed“ war ausgelassen, fast überschwenglich. Fünfhundert irakische Soldaten feierten hier mit ihren Familien und Freunden den „Tag der irakischen Armee“ – im Irak ein nationaler Feiertag.
Von Georg Stein
-
Die FDP-Minister in Bonn
Peinliches Geplänkel
Auch wenn die Freien Demokraten am Ende aus ihrem selbstfabrizierten Personallabyrinth herausgefunden haben, ihren Start in die Fortsetzung des Bonner Bündnisses haben sie ziemlich verpatzt.
-
Wie die Deutschen denken
Gefühl der Ohnmacht
Worin besteht die neue weltpolitische Rolle des größer gewordenen Deutschland: in mehr Mitverantwortung, Handlungsspielraum und Partnerschaft? Wer sich Illusionen gemacht haben sollte, wird durch die Golfkrise rasch in die alten Grenzen einer europäischen Mittelmacht zurückverwiesen.
Von Werner A. Perger
-
„So tun, als sei nichts“
In Jerusalem und Tel Aviv üben sich die Israelis in hysterischer Gelassenheit
Von Henryk M. Broder
-
Kandidaten ohne Kanten
Politik in Hessen war immer ein bißchen komplizierter, die Luft oft konfliktträchtiger, die Politiker waren meist markanter, die Verhältnisse ungeordneter als anderswo.
- Wirtschaft
-
Großbritannien
Die Lust am feinen Unterschied
Premierminister Major hat die Debatte über die klassenlose Gesellschaft neu entfacht
Von Wilfried Kratz
-
Rudolf Engen
Video-Reisen
Immer wenn die Europäische Management- und Marketing-Agentur (EMMA) einen Verlag beim Marketing neuer Reiseführer zu beraten hat, entwickelt sich unter den Kollegen eine heftige Diskussion über Zweck und Zielgruppen von Reiseführern.
-
Die Zähne gezeigt
Seit die Bundesregierung mit ihrem Gesundheitsreformgesetz versucht, die ausufernden Kosten zu drosseln, sind die Klagen der Betroffenen nicht mehr verstummt.
Von Wolfgang Hoffmann
-
Börsenspiel
Profis proben vor ernstem Hintergrund
Das ZEIT-Börsenspiel geht in das fünfte Jahr. Der Start in die neue Runde steht unter dem Eindruck höchster Nervosität an den Finanzmärkten.
Von Reinhold Rombach
-
Klaus-Peter Schmid:
Die Vernunft blieb auf der Strecke
Jeder ist für Solidarität, solange er sie von anderen fordern kann. Wird das hehre Prinzip aber in die Tat umgesetzt, wissen sich die Betroffenen zu wehren.
-
Bonner Kulisse
Nun hat der Bonner FDP-Abgeordnete Dieter Thomae doch noch erleben können, daß die Schulmediziner nicht ganz so mächtig sind, wie er noch vor anderthalb Jahren glaubte.
-
Vor hundert Jahren wurde Walter Eucken geboren
Gegen die Macht der Monopole
Die Realität der Marktwirtschaft hat mit dem Modell des großen Ökonomen nichts gemein
Von Walter Oswalt
-
Die Vereinigung Deutschlands weckt bei seinen Nachbarn Ängste. Sie erinnern sich an die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.
Mit den Waffen der Wirtschaft
Das Deutsche Reich wollte schon vor der Zeit des Hitler-Regimes Europa unterjochen
Von Wolfgang Zank
-
Für die Peruaner begann das neue Jahr mit einem traurigen Weltrekord – die Inflationsrate betrug 7650 Prozent. Jetzt wurden von der alten Währung Inti sechs Stellen gestrichen, das neue Geld Nuevo Sol soll die Wende bringen.
Bettelarm und besenrein
Die Peruaner kämpfen um das nackte Überleben. Natürlich nicht in San Isidro, wo die Hamburger-Restaurants in der Mittagspause genauso überfüllt sind wie auf der Fifth Avenue in New York.
Von Carl D. Goerdeler
-
Klimaschutz
Vertagt
So weit ist es schon gekommen: In der Umweltpolitik lassen sich auch alte Hüte als Neuigkeiten verkaufen. Wie oft schon hat der Bundeskanzler, wie oft haben sein Umweltminister und sogar sein Wirtschaftsminister versprochen, Maßnahmen gegen die Gefährdung des Weltklimas durch den hemmungslosen Verbrauch von Kohle, Erdöl und Erdgas zu ergreifen? Um mehr als 25 Prozent soll der Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid (CO2) bis zum Jahre 2005 gesenkt werden.
-
Lähmende Kriegsangst
Zu Beginn dieser Woche hat der Deutsche Aktien-Index (Dax) den Tiefstand des Vorjahres vorübergehend unterschritten. Dies geschah bei schleppenden Umsätzen und war keinesfalls das Ergebnis von Panikverkäufen.
- Wissen
-
Schmarotzer im Erbgut
Auch Gene kämpfen um ihr Dasein. Sie haben Mechanismen entwickelt, um andere Kandidaten für ihren Platz im Erbgut auf recht direkte Weise auszuschalten.
Von Lutz Dröscher
-
Psychiatrie / Pädagogik
Zappelphilipps schwache Bremse
Das „Zappelphilipp-Syndrom“ scheint mehr zu sein als ein vorübergehendes Problem besonders temperamentvoller Kinder. Mittlerweile mehren sich die Hinweise, daß Hyperaktivität in Verbindung mit Aufmerksamkeitsstörungen und unkontrolliertem Verhalten keineswegs, wie oft behauptet, nur das Ergebnis mangelhafter Erziehung ist.
Von Jutta Hartmann
-
Erforscht und erfunden
Dioxinbelastete Äcker und pestizidhaltige Lebensmittel in der ehemaligen DDR haben in der Vergangenheit mehrfach für Schlagzeilen gesorgt.
-
Öko-Wächter im All
Im Oberpfaffenhofener Forschungszentrum der Deutschen Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR) geht täglich eine riesige Zahl von Satellitendaten ein.
-
Der Alptraum des Krieges
Wenn der Krieg zur Realität wird, dann wird das Grübeln über vertane Friedenschancen notwendigerweise platonisch. Dennoch muß jetzt, da die Krise ihrem Höhepunkt zutreibt, zweierlei festgehalten werden.
Von Christoph Bertram
-
Die Schatten der Diktatur
Vor einem Vierteljahr ist Michail Gorbatschow der Friedensnobelpreis zugesprochen worden; heute werden in der westlichen Welt Überlegungen angestellt, ob er dem Kreml-Herrscher nicht wieder aberkannt werden müßte.
Von Theo Sommer
-
Ein kläglicher Neubeginn
Wie gewonnen, so zerronnen: Der Kanzler und seine Koalition haben ihren politischen Kredit noch schneller verspielt, als sie ihn angesammelt hatten.
Von Robert Leicht
- DIE ZEIT
-
Wo die Stille zu Hause ist
Jeden Morgen, kurz nach halb, das gleiche Ritual, jeden Morgen dieser kleine, triumphale Auftritt: Piep. „Die Verkehrsdurchsage .
Von Claus Spahn
-
Kenia
Safari im Lehnstuhl
Wenn der ehemalige Großwildjäger Dave Williams Treppen steigt, zieht er mühsam ein steifes Bein nach. „Ein paar Male bin ich selbst gejagt worden“, sagt der Kenianer britischer Abstammung lakonisch.
Von llka Piepgras
-
Moskau
Dem Leben des Dichters nahe
Ein überdimensionaler Kopf auf einer grauen Natursteinstele, gegen die rote Metallplatten in Form von Büchern branden, lockt uns in den unscheinbaren Hof eines Mietshauses.
Von Peter Bukowski
- Gesellschaft
-
Ballett-Premiere des Musiktheaters im Revier in Gelsenkirchen
Jesus und die Frau von heute
Ein Anfang wie im Paradies: Alle Menschen sind gleich. Ob Mann, ob Frau, noch ist es gleich, noch ist es kaum zu unterscheiden.
Von Eckhard Roelcke
-
Vom Tourismus vergessen
Alexander verließ das Tal als junger Mann und wurde Polizist. Sein Freund ging zum Zoll. Und wenn der Schnee fällt, macht sich auch Franziska davon.
-
Manager und Märkte
Sat 1: Gefahr für Frequenzen Treuhandanstalt: Ärger mit Bonn adidas: Auf Schrumpfkurs gebracht
Von Fritz Vorholz
-
Ende einer Dienstreise
Bis zuletzt mag Lothar Späth nicht so recht verstehen, was mit ihm geschehen ist. Zustimmung erheischend, blickt er am vergangenen Sonntag am ovalen Kabinettstisch der Stuttgarter Villa Reitzenstein entlang.
-
Fernseh-Kritik
Kopfschüttelnd glotzen
Es soll Churchill gewesen sein, der auf die Frage, wieviel Vorbereitungszeit er üblicherweise für seine Reden brauche, geantwortet hat: Das kommt darauf an.
Von Barbara Sichtermann
-
Umdenken notwendig
Die Krise am Golf, die blutigen Auseinandersetzungen in der UdSSR, die Unsicherheiten über die Entwicklung in anderen Staaten des Ostens angesichts wachsender ökonomischer Probleme – kein Wirtschaftsexperte kann derzeit zuverlässig sagen, welche Auswirkungen dies für die Weltwirtschaft haben wird.
-
Ein Mann wie das Land – kraftstrotzend, betriebsam, clever, gesund. So hat Lothar Späth Baden-Württemberg und sich selbst vermarktet Nach der Traumschiff-Affäre und dem Sturz des Ministerpräsidenten ist eine beschädigte Landschaft zu besichtigen. Politik, Justiz und Industrie sind in eine böse Allianz verstrickt.
Alles zu Späth
Der Mann, der Baden-Württemberg seit zwölf Jahren gleichsam absolutistisch regiert hatte, spürte zwar schon, daß seine Macht wankte, hatte aber offenkundig Mühe, den Inhalt der Vorwürfe zu begreifen, gegen die er sich in einstündiger Rede verteidigte.
Von Rainer Frenkel
-
USA-Touristen müssen mehr bezahlen
Höhere Treibstoffkosten haben in letzter Zeit dazu geführt, daß die Preise der inneramerikanischen Flüge beständig nach oben gingen.
Von Rosemarie Baumann-Bourla
-
Verschlußsache
Wir haben Globetrotter oft dafür bewundert, daß sie so mir nichts, dir nichts in die Welt hineingehen, und das mit weniger Gepäck, als wir für eine einzige Hotelübernachtung brauchen.
Von Rosemarie Noack
-
Briefmarken und Badeurlaub
Mit dem Verkauf von Flugpauschalreisen in Postämtern auf dem Lande will die Post ins Reisegeschäft einsteigen. Das Staatsunternehmen beabsichtigt, mit dem Modellversuch seine Einnahmen zu erhöhen, die Reisebüros meutern.
Von Bernd Loppow
-
Ausstellung in Frankfurt: Jean Dubuffet
Rohmasse Mensch
Jean Dubuffet litt unter dem Bürgersohn Jean Dubuffet. Im Elternhaus in Le Havre türmten sich Werke klassischer Literatur, Pariser Intellektuelle wurden bevorzugt empfangen.
Von Verena Auffermann
-
Fernseh-Vorschau
Der mit dem Goldkettchen
Jemand kommt und behauptet, die Zeit sei stehengeblieben seit zwanzig Jahren. Der macht sich lächerlich. Und er wird gefährlich, weil er versucht, zwanzig Jahre auszuradieren mit seinem speckigen Radiergummi, mit dem, was um seinen Bauchnabel herum wuchert an zottigen Fransen und an Erinnerungen.
Von Martin Ahrends
-
Was kann Björn Engholms Partei von Antonio Gramsci lernen?
Was wird nicht alles entwertet in diesen Jahren: Geld natürlich, aber auch ein Stück Geschichte, viele Legenden und ein riesiger Haufen Wissen.
-
DAS LETZTE
Das Leben ist kurz, es gibt viel zu tun, Zeit zum Lesen ist alleweil knapp, und selbst diese schmale Spalte kommt uns immer zu breit vor.
-
Zürich: Ein Laden voller Reisebücher
Regale vom Fußboden bis zur Decke sind vollgepackt mit Reisebüchern aus aller Welt. Außer Reiseführern, Ratgebern und Fahrplänen sowie einer unerschöpflichen Auswahl an Karten reihen sich in den Fächern Sachbücher und zeitgenössische Literatur zu und aus allen Ländern und Gebieten der Welt.
Von Heide Ilka Weber
-
Karneval: Hin und weg
Das Bettelmännle und die Kohlwaldhexen sind die Symbolfiguren der Narrenzunft Alpirsbach: Ein Umzug mit diesen wilden Gestalten steht am Sonntag auf dem närrischen Festplan des Schwarzwälder Luftkurorts, und für den Montag ist ein Zunftabend angesetzt worden.
-
Theater in Düsseldorf: Schroeters „Emilia Galotti“
Gipfel der Ekstase
Immer sind alle da und stehen vor Spiegeln, sitzen auf einer Rampe im Publikum oder in einem Glaskasten über den Zuschauern.
Von Robin Detje
- Kultur
-
Zeitmosaik
Was sind Schauspieler? Schauspieler sind jene Leute auf dem Theater, welche die lange, öde Wartezeit zwischen zwei Fechtszenen oder zwei Schlägereien mit ihrem munteren Treiben ausfüllen müssen.
-
BUCH IM GESPRÄCH
Moralist ohne Charisma
Wer immer nur in der Hoffnung lebt, braucht ein Scheitern weniger zu fürchten und übersteht es auch besser, als wenn er immer seiner Sache ganz sicher gewesen wäre.
-
Hintergründe des Konflikts am Golf
Kampf ums Öl
Warum die Amerikaner die Briten aus ihrer beherrschenden Position in Nahost verdrängten
-
Schöne Tage in Caputh
Träumt man? Ist das von 1930? Nicht wenige der Briefe, die Albert Einstein damals verschickt hat, lesen sich, als wären sie heute geschrieben.
Von Manfred Sack
-
Iris Radisch
Die Hölle ist der Himmel
Alles brennt. Die Buchpakete, die Briefe, die Kleiderbündel. In der Küche brennt der Gasherd. Davor steht die Frau, die Schriftstellerin, die Schauspielerin, und beugt sich über die Herdflamme.
-
Das erstaunliche Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu Pornographie und Kunst
Lex mihi ars
Daß unsere Justiz noch immer nicht entjungfert sei, ist eine alte Beschwerde, die ihre Berechtigung in den 83 Jahren, seit ihr Karl Kraus in der Fackel diese einleuchtende Formel gab, hinlänglich unter Beweis gestellt hat.
Von Reinhard Merkel
-
Harry Rowohlt: Pooh’s Corner
Die heutige „Corner“ ist dem sátori gewidmet. Sdtori ist ein Begriff aus dem Zen-Buddhismus und bedeutet „eine kleine Erleuchtung, die meist von einem kurzen Gelächter begleitet wird“, also sozusagen ein Ahaha-Erlebnis.
-
In hoffnungsloser Lust
Erwin Chargaff, Jahrgang 1905, gebürtiger Wiener, Jude, Emigrant, Biochemiker, in den Vereinigten Staaten zu höchstem wissenschaftlichen Ansehen gelangt, hat in seinem autobiographischen Buch „Das Feuer des Heraklit“ (1979) eindringlich beschrieben, welches Erlebnis dem Schüler und Studenten die Lektüre der Fackel und Karl Kraus’ öffentliche Lesungen waren.
Von Hans-Martin Lohmann
-
Die deutsche Einheit – auch auf dem Bildschirm?
Im Tal der Ahnungslosen
Wie ARD und ZDF die Nachrichten aus Ostdeutschland „abwickeln“ – ein Programmvergleich
Von Otto Köhler
-
Die Hölle ist die Hölle
Am Anfang der Seepromenade des Wörthersees, nicht weit von der Dampferstation, bin ich zum erstenmal geküßt worden, aber ich sehe kein Gesicht mehr, das sich meinem nähert, auch der Name von dem Fremden muß im See verschlammt sein.
-
Liebe zum Leben
Sie starben einsam, verfemt und geächtet in Waldschluchten und Kiesgruben, auf Schießplätzen und Kasernenhöfen, in Zuchthäusern und Straflagern.
-
Das nationalsozialistische Lagersystem
Adreßbuch des Terrors
Am untauglichen Objekt scheitern manchmal auch die besten Bemühungen. So ist es dem Verlag Zweitausendeins ergangen, der den „Catalogue of Camps and Prisons in Germany and German-occupied Territories 1939-1945“ (CCP) hat herausgeben lassen – ein Verzeichnis aller Haftstätten und Lager im deutschen Machtbereich während des Zweiten Weltkriegs.
-
Kunst und Werbung – Wer verführt hier wen?
Das Lied von Begehr und Verzehr
Ausstellungen in New York, Paris und Hannover untersuchen ein kontroverses Alltagsthema
Von Hans-Joachim Müller
- Länderspiegel
-
Kirchenbesetzung
Kein Kartenspiel vor dem Altar
Als Dekan Heiner Küenzlen am späten Nachmittag des Heiligen Abends zur Predigt auf die Kanzel stieg, konnte er nicht ahnen, in welch unmittelbarer Nähe sich der Anfang der Weihnachtsgeschichte, über die er zu sprechen hatte, erneut ereignen sollte.
Von Stefan Scheytt und Oliver Schröm
-
Altlasten
Leichtsinn und Co.
Jahrelang haben die Schrebergärtner im schwäbischen Senden in ihren Gartenhäusern mit eigenem Brunnenwasser Kaffee gekocht, Essen zubereitet, Blumen und Gemüse gegossen.
-
Gerichtsurteil
Tod nicht ungünstig
Es ging um ungefähr sechzig Quadratmeter Wohnfläche, drei kleine Zimmer, Küche und Bad in der Wilhelmshavener Böttcherstraße 5 a, und um die Frage, wer dort leben darf: das alte Paar, das da seit 55 Jahren zur Miete wohnte, oder der junge Arbeitslose, der ihre winzige Haushälfte gekauft hatte, um dort mit seiner Frau und seiner Tochter einzuziehen.
Von Frank Drieschner
- Lebensart
-
Ben Witter: Geschichten ohne Menschen
Auch ein Himmel
Durch das vergitterte Kellerfenster mit seiner gesprungenen Scheibe quälte sich ein Bündel Frühlicht; die Kellerdecke kriegte wieder, was sie längst gewohnt war.
-
Immer Kopf hoch
Der erste, den ich beim Erwachen aus der Narkose erblickte, war Eustratius Karakoulakis, der mir in mehrstündiger Feinarbeit die Halswirbelsäule operiert hatte.
Von Esther Knorr-Anders
-
Strom, Benzin, Abgase
Mehr ist weniger
Johann Wolfgang von Goethes (letzter?) Wunsch scheint endlich in Erfüllung zu gehen. „Mehr Licht“ versprechen die seit einigen Jahren angebotenen Energiesparlampen, so viel mehr Licht, daß ihnen in wenigstens einem Bundesland ministerielle Verkaufsförderung zuteil wird.
Von Gustav Winkler
-
Der neue Datenschutzbericht von Ruth Leuze zeigt, wo wir leben:
Im Speicherstaat
Die Polizeidirektion von Heilbronn speicherte die Daten einer Mutter von zwei Kindern nach dem Abbruch einer Schwangerschaft für zehn Jahre, bis 1993, in ihre Personenauskunftscomputer.
Von Hanno Kühnert
-
Offenbar unaufhaltsam breitet sich Aids auf dem afrikanischen Kontinent aus. Lange Zeit schien es, als bliebe Westafrika verschont. Nun zeigt sich: Die Elfenbeinküste ist ein neuer Kreuzungspunkt, von dem aus die Epidemie weiter um sich greift.
„Sie wollen nichts mehr von mir wissen“
Aids zerstört auch das stärkste Band der afrikanischen Gesellschaft, die Familie
Von Bettina Kaps
-
Warenwelt 2000
Falls es wahr ist, daß Reinlichkeit Frömmigkeit gleichkommt, dann hätte Frances Gabe aus Newberg im Bundesstaat Oregon es verdient, demnächst heiliggesprochen zu werden.
-
Hard and Soft
Halben war in acht verschiedenen Schulen. Das war wohl nichts für ihn? „Nein, ich wollte Geld verdienen und unabhängig sein.
-
Brief aus Rio
Pardon, ein Überfall
Wir sitzen in einem nicht ganz billigen Restaurant im vornehmen Stadtteil Leblon. Die Tür geht auf, und fünf, sechs maskierte Männer kommen herein.
-
Sara Paretsky
Die schmutzigen weißen Kragen
Da drüben steht eins von Chicagos bekanntesten Häusern, unser Nobelpreisträgersilo“, spottet die 43jährige Sara Paretsky, Amerikas „queen of crime“.
Von Peter Münder
-
Wes Brot ich ess’...
Gehören Pfarrer in die Kaserne? Sollen sie im Krieg Soldaten an die Front begleiten? Die Entwicklung im Nahen Osten, die Frage, ob deutsche Soldaten auch außerhalb des Nato-Gebietes eingesetzt werden sollten, gibt dem Thema Militärseelsorge besondere Aktualität.
Von Marlies Menge
-
Zeitlese
Frauen kommen ganz gewaltig, und zwar nach oben. Dieses jüngst häufiger vernommene Gerücht untermauert die Frauenzeitschrift Marie Claire in jeder Ausgabe mit drei Beispielen.
-
Französische Presse
Der Neue - ein Manager
Endlich stieg weißer Rauch aus der Redakteurskonferenz von Le Monde auf. Habemus patronum! Der Jubel aber hielt sich in Grenzen, der Brandgeruch stach wohl noch zu sehr in aller Nasen.
Von ihren Chef aus ihrer Mitte selbst su¬
- Tribüne
-
VOR VIERZIG JAHREN
Bewundert und gescholten
Vor 250 Jahren, am 18. Januar 1701, setzte sich Friedrich I. von Preußen in Königsberg die Königskrone auf. Er verlieh damit dem preußischen Anspruch auf die Vormachtstellung im deutschen Norden sichtbaren Ausdruck; seit dem Tode Gustav Adolfs war der Gedanke an ein protestantisches Kaisertum nicht wieder untergegangen.
-
Die Menschen machen Geschichte
PARIS. – Nach den alten Vorstellungen handelte Geschichte von Königen und Päpsten und Kriegen. Die Schwächen der Großen, ihre List und ihre Entschlossenheit schienen die entscheidenden Faktoren zu sein; anderes spielte keine Rolle.
Von Flora Lewis
-
Es gibt keine Afrika-Politik
KÖLN. – Die deutsche Politik in Afrika leidet immer noch unter dem Geburtsfehler der Hallsteindoktrin. Paul Frank – in den sechziger Jahren Planungschef, dann Staatssekretär im Auswärtigen Amt – hat diese Doktrin am heftigsten erlitten.
Von Rupert Neudeck
-
Wir wollen Würde und Gerechtigkeit
AMMAN. – Amerika verkennt, was die meisten Menschen in der arabischen Welt wirklich bewegt. Mit ihrer Forderung nach Iraks Rückzug aus Kuwait ohne Berücksichtigung all der anderen Konflikte in der Golfregion verhält sich die amerikanische Führung wie jemand, der fieberhaft seinen Ausguß repariert, während um ihn herum das Haus abbrennt.
Von Rami G. Khouri
- unzugeordnet
-
Der Finanzier der deutschen Einheit hat den schwierigsten Part in der neuen Regierung
Zu sparsam beim Sparen
Vier Wochen nach seinem Amtsantritt stellte Bundesfinanzminister Theo Waigel zu seiner eigenen Überraschung fest, daß er zufrieden sei.
Von Wilfried Herz
-
Der Krieg als Fortsetzung der Wirtschaftspolitik mit anderen Mitteln?
Sieg der Unvernunft
Kein Blut für Öl, lautet die Parole der Menschen, die in Europa wie in Amerika auf die Straße gehen und verzweifelt gegen einen Krieg am Golf demonstrieren.
-
Opec am Ende
Mit dem Ablauf des Ultimatums vom 15. Januar hat Saddam Hussein seine Option verwirkt, Kuwait rechtzeitig zu räumen und die Gefahr eines Krieges gegen sein Land abzuwenden.
-
Schlechte Gewohnheit
Wenn in einem großen Unternehmen Führungspositionen zu besetzen sind, dann ist Sachkompetenz aus gutem Grund eines der zentralen Kriterien bei der Entscheidung für oder gegen einen Kandidaten oder eine Kandidatin.
- Zeitläufe
-
Die Welle trug
Zum Reichsgründungstag: Morose Emotionen in Versailles – Die deutsche Einheit war lange vor der Kaiserproklamation praktisch fertig
Von Wolfgang Zank