Wirklich ein gerechter Krieg?
Der Golfkonflikt – auch ein Konflikt zwischen Moral und Interesse
Von Marion Gräfin Dönhoff
Krieg ist für die Deutschen ein Trauma. Selbst für die Jungen, auch wenn sie die Bilder, die uns Ältere jahrelang heimgesucht haben, nie vor Augen hatten: zerbombte Städte, Straßen, die sich wie schmale Fußpfade zwischen Gebirgen von Trümmern hindurchwanden, zerstörte Brücken, Kirchen, Bahnhöfe. Mitte 1946 lag das Durchschnittsgewicht der männlichen Erwachsenen in Hamburg bei 51 Kilogramm.
Zorn, Angst und Trauer ergreifen Besitz von jedermann bei der Vorstellung, daß dies alles sich jetzt im Golfkrieg noch einmal wiederholt. Auch weiß man doch, daß am Feuer eines solchen Krieges jeder sein spezielles Süppchen kochen möchte, die Ausweitung also gar nicht aufzuhalten ist. Wer den Krieg im eigenen Land nicht erlebt hat, der wird die Angst und die untergründigen Gefühle der Menschen angesichts des orientalischen Konflikts nie verstehen, zumal die Ratlosigkeit unserer Regierung die Unsicherheit aller noch vergrößert.
Die Verwirrung ist groß. Den Friedensmarschierern wird Antiamerikanismus vorgeworfen, weil sie Plakate mitführen, die sich zum Teil gegen jene Macht richten, deren Militärmaschine sie allabendlich auf dem Fernsehschirm das Fürchten lehrt. Das Widerstreben der deutschen Politiker wird als Feigheit gedeutet, als Mangel an Solidarität, weil sie sich bei der Weigerung, am Golf zu kämpfen, auf die Verfassung berufen, die dies verbietet.
Alle haben mitgewirkt
Der Papst hat den Krieg im Irak menschenunwürdig genannt. Auch viele amerikanische Bischöfe – protestantische und katholische – mißbilligen ihn, finden ihn unmoralisch, meinen, die Alternative – diplomatische Bemühungen und Sanktionen, mit Geduld über lange Zeit durchgehalten – hätte doch zum Ziel führen können.






