An die Front
Bitte, wie ist es an der Front? Die Journalisten, die darüber berichten sollen, wissen es nicht. Viele hundert Medienvertreter warten im ostsaudischen Dhahran ungeduldig darauf, endlich einmal den Aufmarsch der alliierten Truppen an der Grenze zu Kuwait aus der Nähe beobachten zu können. Der Augenschein war bisher nur wenigen vergönnt – und wenn, dann hauptsächlich Amerikanern.
Der Protest der Eingeschlossenen vom „Dhahran International Hotel“ hat bisher nicht gefruchtet. Die Presseoffiziere der Koalitions-Streitkräfte beharren darauf, den Nachrichtenfluß vollständig zu kontrollieren: Jedes Bild, jedes Wort, jeder Ton muß sich in ihr Konzept fügen. Nachrichten gibt es bloß mit Filter, und wem das nicht paßt, dem bleibt nur die journalistische Abstinenz.
Die Zensoren haben ihre Rechnung jedoch ohne Saddam Hussein gemacht. Seitdem er ausländischen Korrespondenten Kameraeinstellungen auf die zivilen Bombenopfer gestattet, besitzt er quasi das Monopol bei der Darstellung der grausamen Realität des Krieges. Die Leidensszenen und Trümmersequenzen verfehlen ihre Wirkung auf das westliche Publikum nicht. Wenn die Medienkontrolleure den Vorwurf der Manipulation entkräften wollen, müssen sie deshalb Konsequenzen ziehen. Trotz aller damit verbundenen Risiken bleibt ihnen dann nur, die Presse an die Front zu lassen. D.B.





