Ausgegrapscht

Einst haben die Grünen auch dieses Thema politikfähig gemacht: sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Drei Frauen der Bonner Fraktion hatten Krach geschlagen: „Ein männliches Mitglied hat seine vermeintlichen Direktorenansprüche bei mehreren Mitarbeiterinnen der Fraktion geltend gemacht. Er grapscht plötzlich nach den Brüsten der Frauen.“ Der Abgeordnete mußte gehen. Ein Spiegel- Titel („Die belästigte Frau“), Bild-Schlagzeilen und erstaunliche Kommentare von Mitarbeiterinnen altgedienter Parlamentarier („Hier sind ganz andere Sachen bekannt, und die passieren dauernd“) – das war 1983, und das war’s dann erst mal.

Wir kennen es alle, aus eigener Erfahrung oder von Freundinnen: Schlüpfrigkeiten, blöd-sexistische Witze, Kneifen, Klapsen, Grapschen, Erpressung. Die Dumme ist meist die Frau, die sich wehrt, wütend, verletzt, gedemütigt: Sie ist eine „prüde Zicke“ (womit sich ja noch locker leben läßt), wird versetzt, muß kündigen.

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Nun, acht Jahre später, ist der erbärmliche Männeralltag auch im Bonner CDU-Frauenministerium angekommen – in Form einer Untersuchung: 72 Prozent der rund 2000 befragten Frauen haben „unerwünschte Annäherung, die als männlicher Machtmißbrauch empfunden wird“, erlebt. Bonn verspricht Remedur. Schön wäre es, wenn es gelänge, die Mißbilligung der sexuellen Belästigung als gesellschaftliche Norm zu etablieren. Wer die Sache öffentlich ausficht, genießt Sympathie. mg

 
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