Ein Pfand auf Verpackungen ist nur die zweitbeste Lösung

Von Eberhard Feess-Dörr und Ulrich Steger

Nach der vom Bundesrat erzwungenen „Denkpause“ bei der Verpackungsverordnung sind zentrale Fragen der deutschen Abfallpolitik wieder offen. Und dies ist gut so. Die zahlreichen Probleme der Verpackungsverordnung sind keineswegs zufällig, sondern betreffen grundsätzliche Schwächen des Pfand-Ansatzes. Besonders im Getränkemarkt ist die Pfandlösung einer Verpackungsabgabe eindeutig unterlegen.

Unstrittig ist, daß der Staat bei Abfall generell wie im Verpackungsbereich speziell eingreifen sollte, weil unregulierte Märkte allein keine optimalen Ergebnisse ermöglichen. Da die Entsorgungskosten erst nach Gebrauch anfallen, spiegeln die Preise beim Kauf nicht die gesamten Aufwendungen wider. Die Internalisierung dieser externen Effekte ist Aufgabe des Staates – die Frage ist nur, welche Instrumente er dafür einsetzt.

Zunächst muß darauf hingewiesen werden, daß in der Mehrzahl wieder verwendete Verpackungen ökologisch erheblich günstiger sind als wiederverwertete. Bei engen Substituten wie Glas-Einweg- oder Mehrwegflaschen sind Mehrwegsysteme immer besser. Bei unterschiedlichen Materialien aber gibt es neben eindeutigen Situationen (etwa Aludosen im Vergleich zu Mehrwegflaschen) auch schwierige Fälle. Zum Beispiel schneiden Kartonverpackungen in einigen Komponenten der „Öko-Bilanzen“ recht gut ab. Insgesamt jedoch gilt, daß die primäre Zielsetzung der Umweltpolitik nicht die Wiederverwertung, sondern die Stabilisierung der Mehrwegsysteme sein muß.

Ferner zeigt eine Betrachtung des Gesamtsystems (also von der Verpackungsherstellung über die Getränkeabfüllung bis zum Konsumenten und zurück), daß Mehrwegsysteme auch ökonomisch meistens überlegen sind. An einzelnen Punkten kann sich dies allerdings ganz anders darstellen. So erklärt sich das geringe Interesse des Handels an Mehrwegsystemen dadurch, daß bei ihm höhere Handlingkosten anfallen und in vielen Marktsegmenten zudem mit der gebrauchsfreundlichen Einwegverpackung bei gleichen Produkten höhere Deckungsbeiträge erzielt werden als mit der Mehrwegverpackung. Gerade streng kalkulierende Handelsketten wie Aldi sind deshalb um die Aufrechterhaltung des Einwegverkaufs bemüht. Jedenfalls muß für den Vergleich von Abgabe und Pfand ökonomisch und ökologisch der gesamte Kreislauf betrachtet werden.

Unrealistische Vermutung