Die zentrale sachliche These des Films ist falsch. Sie ist in der Form, in welcher der Film sie dem uninformierten Zuschauer suggeriert, sogar für den Sachkenner offenkundig, massiv falsch. Es ist die These, die Deutschen hätten, wenn sie gewisse technische Fehlentscheidungen vermieden hätten, die Atombombe während des Krieges und schon früher als die Amerikaner bauen können.

Der entscheidende wirkliche Unterschied zwischen der amerikanischen und der deutschen Arbeit am Uranproblem war, daß Amerika während des Krieges für seine Uranarbeiten zwei Milliarden Dollar ausgegeben hat, Deutschland aber acht Millionen Mark, das heißt nach damaligem Wechselkurs zwei Millionen Dollar, also ziemlich genau ein Tausendstel des amerikanischen Aufwandes. Auch mit diesem Aufwand aber gelang den Amerikanern die Fertigstellung der Bombe erst nach der militärischen Niederlage Deutschlands. Als wir Deutschen, etwa 1941, die Mindestgröße des erforderlichen Aufwandes erkannten, kam, meiner Erinnerung nach, niemand in der deutschen Arbeitsgruppe auch nur auf die Idee, wir könnten während des Krieges eine so große technische Leistung für dieses Unternehmen zu Wege bringen. Ich gestehe offen, daß wir auch nicht auf die Idee kamen, in Amerika würde man, neben der Anstrengung, den Krieg zu gewinnen, auch noch diesen Aufwand für das Projekt der Atombombe treiben. Deshalb hat die Nachricht von Hiroshima uns zutiefst überrascht. Im übrigen wäre eine deutsche Produktionsanstrengung dieser Größenordnung praktisch chancenlos geblieben. Amerika hat, ungefährdet von Luftangriffen, riesige Produktionsanlagen gebaut (in Oak Ridge für Isotopentrennung, in Hanford für Plutoniumerzeugung), ähnliche Anlagen in Deutschland, hätten wir sie überhaupt errichten können, wären mit Sicherheit in der zweiten Kriegshälfte vom Gegner erkannt und aus der Luft zerstört worden.

Der Film suggeriert statt dessen, eine technische Streitfrage beim Bau eines Reaktormodells (also eines Vorhabens, das in Amerika zweieinhalb Jahre vor der Bombe fertig wurde) hätte darüber entschieden, ob Deutschland die Bombe früher als Amerika bekäme. Werner Heisenberg ließ das Reaktormodell mit Anordnung des Urans in flachen Schichten bauen, weil es am leichtesten durchzurechnen und daher für die Gewinnung der experimentellen Zahlen am einfachsten war. Kurt Diebner plädierte für eine Anordnung des Urans in Würfeln, weil dies höhere Effizienz versprach.

Das letzte Reaktormodell unter Heisenbergs Aufsicht, in Haigerloch im Februar 1945, zwei Monate vor Kriegsende, wäre vermutlich „kritisch“ geworden, das heißt hätte begonnen, Energie zu liefern, wenn alles in Deutschland verfügbare metallische Uran und schwere Wasser hätte dafür verwendet werden können; dieses Modell war mit Uranwürfeln gebaut. Danach wäre Deutschland dann soweit gewesen wie Amerika Ende 1942. Die deutschen Arbeiten liefen de facto (ohne daß eine Seite das von der anderen Seite gewußt hätte) parallel zu den amerikanischen Arbeiten maximal bis Ende 1941. Etwa damals entschloß sich die amerikanische Gruppe definitiv zur Bombe, die deutsche Gruppe definitiv, nicht an der Bombe zu arbeiten, sondern nur an Reaktoren.

Das moralische Problem, das der Film darstellen will, bestand also in Deutschland in den ersten ein bis zwei Jahren des Krieges, aber auch nur in ihnen. Ich bin bereit, dieses Problem, über das ich mich auch schon mehrfach öffentlich geäußert habe, wenn es nötig wäre, noch einmal zu diskutieren. Ich würde dann freilich auch sagen, daß der Film das Verhalten des wichtigsten deutschen Teilnehmers, von Heisenberg, in einer Weise darstellt, die dem Zuschauer suggeriert, Heisenberg habe in seinen Äußerungen zu diesem Problem gelogen. Dies ist aber manifest falsch.

Ich gehe in der jetzigen Aufzeichnung nicht auf alle Einzelheiten in der Darstellung der Personen ein. Im ganzen läßt sich sagen: Was durch genaues Aktenstudium ermittelt werden kann, ist in dem Film meist relativ korrekt dargestellt. Äußerungen, die dokumentarisch belegbar sind, werden den betreffenden Personen in der Tat in den Mund gelegt. Hingegen fehlt es in vielen Fällen am Verständnis für die jeweiligen Motive. Ferner ist eine Anzahl von Gesprächen zwischen den Teilnehmern frei erfunden, und vielen dieser Gespräche sieht jeder an, der die Beteiligten kannte, daß sie sich nie so geäußert hätten. Ich nenne jetzt nur einige Beispiele.

Glaubwürdig dargestellt sind Otto Hahn und Lise Meitner, auch ungefähr Max v. Laue, Heisenberg ist nicht wiederzuerkennen. Bei Szilard wird völlig zutreffend dargestellt, daß er die Probleme immer ein paar Wochen, Monate oder Jahre früher richtig gesehen hat als alle anderen; seine Äußerungsweise im Film aber läßt die ihm eigene Selbstbeherrschung und vor allem Selbstironie vermissen. Ein Detail, das der Drehbuchautor vielleicht wirklich nicht wissen konnte, ist, daß gerade Edward Teller, der die Uranbombe und die Wasserstoffbombe als dringend nötig zur Verhütung einer sowjetischen Welteroberung ansah, gemeinsam mit Szilard den Abwurf der Bombe auf eine bewohnte Stadt für einen „tödlichen Fehler“ hielt, und daß er nachträglich tief bedauerte, die Unterschrift unter Szilards Papier hierüber, die er zu leisten wünschte, unterlassen zu haben, weil Oppenheimer als sein Chef ihm erklärte, dies sei eine Entscheidung der Regierung und gehe die Wissenschaftler nichts an. Wäre der Film in diese Art von Gewissensproblemen wirklichkeitsgemäß eingedrungen, so wäre er eine nützliche Produktion gewesen.