Seit dem Anschluß der Ex-DDR hat sich die außenwirtschaftliche Lage der Bundesrepublik dramatisch verändert. Erstmals seit der Rezession vor zehn Jahren droht wieder ein Defizit in der Leistungsbilanz. Bereits 1990 ist der Überschuß von über 100 auf knapp 72 Milliarden Mark geschrumpft. Und in den beiden ersten Monaten des neuen Jahres lag die Leistungsbilanz schon mit 3,8 Milliarden Mark im Minus.

Bonns neuer Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann kann jetzt ohne Schuldgefühl ins Ausland reisen. Seine Vorgänger mußten sich von ihren europäischen Kollegen noch bei jeder Gelegenheit den hohen deutschen Überschuß vorhalten lassen. Diese Kritik war berechtigt, denn die deutsche Wirtschaft boomte auf Kosten anderer. Sie führte mehr Waren aus als ein und exportierte auf diese Weise nicht nur Autos, Maschinen und Kapital, sondern auch Arbeitslosigkeit.

Solche Vorwürfe haben sich nun erledigt. Der Hunger nach Westwaren in den neuen Bundesländern ist so riesig, daß auch das Ausland davon profitiert. Die Importe schnellten in den beiden ersten Monaten des Jahres um neunzehn Prozent in die Höhe. Die Verringerung der Defizite und des Finanzbedarfs unserer Handelspartner sind das Spiegelbild der Verringerung des deutschen Kapitalexports.

Doch bleibt die Furcht vor einem Finanzmangel auf den internationalen Kreditmärkten. Die Leidtragenden wären nicht nur Superschuldner wie die Vereinigten Staaten. Auch die Dritte Welt und Osteuropa brauchen dringend das Geld der Deutschen. per