Lesen und noch mal lesen muß, wer über das heilige Köln informiert sein will. Die Stadt im Rhein blickt auf rund 6000 Jahre Siedlungsgeschichte zurück, von denen immerhin die letzten 2000 nicht nur durch Fundstücke, sondern auch schriftlich dokumentiert sind. „CCAA“ haben die Römer ihre „Colonia Claudia Ära Agrippinensium“ nach der von dort gebürtigen Gattin des Kaisers Claudius, Julia Agrippina, seit dem Jahre 50 nach Christus abgekürzt.

Selbst die Fußgängerzone, eine später bundesdeutsch weiterwirkende Erfindung der Nachkriegskölner, folgt dem Verlauf der Römerstraßen. Das Wahrzeichen der Stadt, der Dom, ist allerdings in der heutigen Gestalt erst seit gut hundert Jahren zu besichtigen: Bei dem Versuch, alle gotischen Kathedralen Frankreichs an Größe zu übertrumpfen, hatten sich die reichen Kölner übernommen. Als die Bauarbeiten 1560 eingestellt wurden, war nur ein Turm – zur Hälfte – fertiggestellt, das Wahrzeichen der Stadt war der Kran, der über der Baustelle aufragte.

Erst die Erhebung zum nationalen Symbol 1841 in Zusammenarbeit mit dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. mobilisierte die Gelder zur Fertigstellung der beiden imposanten Türme. „In diesem Riesenkerker wird / die deutsche Vernunft verschmachten!“ höhnte Heine in seinem Wintermärchen und verspottete den Dombauverein als Hort antirepublikanischer Mittelalterschwärmerei. Seine Hoffnung, der Dom möge als Denkmal „deutscher Kraft und protestantischer Sendung“ unvollendet bleiben, erfüllte sich nicht, Köln ist katholisch bis zum Karneval. Vom Geist des klerikalen Teils der Stadt durchtränkt, ist der Führer

  • Willehad Paul Eckert:

Kölner Stadtführer

Wienand-Verlag, 1990; 490 S., 39,80 DM

Der Dominikaner und Kunsthistoriker Eckert wandert auf seinen elf Spaziergängen durch die heilige Stadt von Kirche zu Kirche, kenntnis- und andachtsvoll an jedem Glaubenszeichen verweilend. Selbst zur einzigen aus dem Mittelalter überkommenen Zunftvereinigung, der der Kölsch-Brauer, weiß er die Geschichte vom Martyrium ihres Namenspatrons so zu erzählen, als sei es gestern geschehen.