Wer möchte auf einer Kanarischen Insel im Atlantik „auf das Dach der Welt“ klettern und gleichzeitig etwas über die Geheimnisse Gomeras lesen? „Aber Achtung: Zwar sieht es in La Laguna Grande tagsüber friedlich aus, doch in manchen Nächten kann es ziemlich gefährlich sein, schließlich ist dort in Vollmondnächten der Treffpunkt aller Hexen“ – so wird der nichtsahnende Urlauber glücklicherweise gewarnt, ehe er gefährliche Gebiete erreicht, wenn er den landeskundlichen Reiseführer „Gomera“ von Thomas Burghold, Sonja Igel und Heiko Zeutschner (Michael Müller Verlag, Erlangen 1991; 248 S., 19,80 DM) dabei hat. Die zu entdeckenden Eigentümlichkeiten der Orte und die Lebensgewohnheiten der Bewohner sind im alternativen Stil detailliert in den Texten aufgeführt. Die übersichtlichen Stadtpläne erleichtern dem Suchenden, alles zu finden – vom Sitz der Inselregierung in San Sebastian bis zum Bazar und Friseur in Vallehermoso, „dem schläfrigen Städtchen am Fuße eines titanischen Felsbrockens“. Wir lesen über den aktuellen Krieg um das geringe Wasser, la guerra del agua, der jedes Jahr neu ausbricht, und über das spärlich überlieferte Wissen aus der historischen Zeit von La Gomera. Wichtige Persönlichkeiten des Eilandes wie el fotógrafo Thomas K. Müller oder Bernardo, der seine Pensionsgäste schon an der Plaza einfängt, und natürlich Señora Lola, die energischste Vermieterin in Playa de Santiago, werden auch vorgestellt. Nur die Druckqualität der Schwarzweißbilder ist nicht brillant geraten. Die praktischen Tips von A-Z wird jeder Individual- oder Pauschalbesucher gut nutzen können. Auch diejenigen, die Gomera schon mehrmals besuchten, aber noch nie im legendären „Bermudadreieck“ ihren nächtlichen Absturz erlebten, werden von diesem humorvollen Reiseführer begeistert sein.

Bärbel M. Blöcker