Nun ist es also heraus: In den neuen Bundesländern wird es nie wieder so viele Arbeitsplätze geben wie in der alten DDR – auch nicht „nach einem erfolgreichen Strukturwandel“, wie der von den Ostdeutschen inständig ersehnte Aufschwung in der Sprache der Ökonomen heißt. Fast beiläufig erfahren wir diese brisante Neuigkeit aus dem Sondergutachten des Sachverständigenrates.

Sicher war absehbar, daß der Öffentliche Dienst und die Kombinate in der DDR zu viele Leute beschäftigten. Eine große Zahl von DDR-Bürgern hatte einen Arbeitsplatz, aber keine Arbeit. Dies ist – neben anderen Ursachen – einer der Gründe für die explodierende Massenarbeitslosigkeit.

Als selbstverständlich erschien aber, daß es später einmal, wenn der Aufschwung sich einstellt, wieder genauso viele Arbeitsplätze geben würde wie zuvor. Doch die Massenarbeitslosigkeit wird auch noch nach vielen Jahren ihre Spuren in Ostdeutschland hinterlassen. Gerade die mobileren Menschen suchen eine neue Arbeit im Westen und kehren nicht wieder zurück: Auf absehbare Zeit werden weniger Menschen im Osten wohnen.

Außerdem wird sich die ostdeutsche Erwerbsstruktur jener im Westen anpassen, auf Dauer wird in den neuen Ländern ein kleinerer Teil der Gesamtbevölkerung als früher einen Beruf ausüben. Denn in der Ex-DDR gingen – insbesondere wegen der weitverbreiteten Berufstätigkeit der Frauen – zuletzt 53,5 Prozent aller Bürger einem Broterwerb nach, in der alten Bundesrepublik beträgt die Erwerbsquote nur knapp 42 Prozent. In der Praxis heißt das: Es wird in den östlichen Ländern weniger Doppelverdiener geben, und der Altersruhestand wird früher beginnen. Insgesamt kommt die Wirtschaft mit weniger Arbeitsplätzen aus.

Selbst nach Uberwindung der Erwerbslosigkeit bleibt die langfristige Aussicht beunruhigend. Denn die neuen Arbeitsplätze entstehen, wenn sie einmal geschaffen werden, keineswegs automatisch an der alten Stelle. Vielmehr ist zu befürchten, daß die Gegensätze zwischen den Regionen der neuen Länder schärfer ausfallen als im Westen. So gilt es, nicht nur neue Beschäftigung zu schaffen, sondern gleichzeitig durch eine kluge Strukturpolitik für ihre ausgewogene Verteilung zu sorgen. Der Aufschwung im Osten wird schwieriger, als wir je geahnt haben. whz