Muß i denn, muß i denn, zum Städtele hinaus ...“ Meist führt der Weg gleich in die nächste Stadt wieder hinein, und dann heißt es: sich zurechtfinden. Ob Geschäftsreise, Dreitagetrip, Verwandtenbesuch oder Anreise zu einem Kulturereignis – für die Stadtreise braucht’s Stadtführer.

Baedeker also. Insgesamt 42 Stück zu je hundert Seiten „mit allen Sehenswürdigkeiten, vielen praktischen Hinweisen und mehrfarbigem Stadtplan“ gibt es als handliche Jackentaschen-Exemplare – westdeutsche und Schweizer Städte zwischen A wie Augsburg und W wie Würzburg. Zwar ist der Vater des Reisehandbuchs, Karl Baedeker, 1859 verschieden, aber die von ihm aufgestellten Gestaltungsprinzipien werden noch von seinen Nachfahren befolgt. Das Sternchen (*) zum Beispiel hebt seit 1844 Beachtenswertes hervor und ziert im Doppel (**) einzigartige Sehenswürdigkeiten. Geben wir’s zu: Ohne Baedekers Sternchen würden wir uns gar nicht aus unserem eigenen in ein anderes Städtele trauen.

Nach Konstanz etwa, das Baedeker selbst noch 1842 in seinem „Handbuch für Deutschland und Österreich“ auf zwei Druckseiten erfaßte. Die Stadt am Bodensee ist seit mindestens 4000 Jahren bewohnt, so erfährt man, und beherbergte neben vielen anderen auch diese zwei Himmelsmenschen: den Mystiker Suso (13. Jahrhundert) und den Grafen Zeppelin (19./20. Jahrhundert).

Im*Bodensee-Naturmuseum sind Keramiken keltischer Siedler, allerlei Fische und Getier sowie ein an der Bodenseeoberfläche erbrachter Beweis für die Kugelgestalt unserer Erde zu bewundern. Das dort aufbewahrte Skelett eines Riesensalamanders hielt man 1720 bei seiner Entdeckung für das eines Menschen, der in der Sintflut ertrunken war.

Alle 27 Sehenswürdigkeiten des *romanischen Münsters sind penibel auf einer Grundrißskizze verzeichnet, und nicht nur im Rathaus erinnern Fresken an jene Zeit, als die badischen Revolutionäre unter Friedrich Hecker 1848 hier die erste deutsche Republik ausriefen, bevor sie in die Schweiz und nach Amerika emigrierten.

Es ist unglaublich, wie viele Informationen (über die PS-Zahl der Polizeiboote, den Nahrungsverbrauch der Konzilsgäste, die Konstanzer Industriebetriebe) der kleine Baedeker enthält. Der über Konstanz ist wie der über Kiel, Basel, Trier, Kassel oder andere Städte als Grundausstattung unentbehrlich. Wer eine Stadtreise tut, sollte als erstes nach einem Baedeker fragen, wenn er einen historisch versierten Führer braucht, der übersichtlich informiert und in die Tasche paßt, ohne aufzutragen.

Baedeker Stadtführer kosten bei einem Umfang von 96 Seiten 10,80 Mark, bei 126 Seiten 12,80 Mark.