Reisen in Dritte-Welt-Länder werden bei den Deutschen zusehends beliebter. Da aber immer mehr Besucher tropischer Regionen an Infektionen erkranken, forschen Mediziner nach den Zusammenhängen von Reisen und Krankheiten.

Rund 400 Millionen Fernreisen finden voraussichtlich in diesem Jahr statt. Nach Angaben des renommierten Center for Desease Control in Atlanta leidet ein Drittel aller Besucher tropischer Regionen während ihres Aufenthaltes an einer leichten bis schweren Darminfektion.

Angesichts dieser Dimensionen mit steigender Tendenz hat sich eine eigene Fachdisziplin herausgebildet, die Tourismusmedizin. So trafen sich Infektiologen, Epidemiologen und Präventivmediziner kürzlich bereits zum dritten Mal zu einem internationalen Symposium in Venedig über Tourismus und Gesundheit. Dabei wurde von einigen Experten die These vertreten, daß der Tourismus in seiner heutigen Form häufig erst die Voraussetzung für eine Gesundheitsgefährdung des Reisenden schafft.

Nach Ansicht dieser Wissenschaftler hat der Wunsch, möglichst preisgünstig immer exotischere Urlaubsziele zu erreichen, dazu geführt, daß Ferien- und Freizeitanlagen zunehmend in Regionen errichtet werden, die für eine adäquate Versorgung Tausender zusätzlicher „Bewohner“ schlecht geeignet sind. Besonders in Entwicklungsländern fehlt häufig eine öffentliche Trinkwasserversorgung, mangelt es an hygienischer Abwasserbeseitigung und wird Müll auf mehr oder minder wilden Deponien „entsorgt“. Dies führt für die Betreiber großer Hotels zu erheblichen Problemen bei der Beschaffung von sauberem Wasser, der ordnungsgemäßen Entsorgung von Abwasser und Müll sowie der Schulung und arbeitsmedizinischen Überwachung des Personals. Um die Kosten nicht ins Uferlose wachsen zu lassen, müssen deshalb in diesen Bereichen zum Teil Abstriche an Standards gemach werden, wie sie für Hotelanlagen in städtischen Zentren oder in industrialisierten Ländern vorgegeben sind.

Drei Beispiele sollen dies verdeutlichen. Eine große Zahl ständig wechselnder Besucher, denen vorab lukullische Freuden verheißen wurden, zwingt zur Bevorratung großer Mengen sehr unterschiedlicher Lebensmittel. Deren Transport, Lagerung und Aufbereitung verlangt wiederum die Beschäftigung zahlreicher Hilfskräfte. Mit zunehmender Länge der Nahrungskette und der Zahl der Personen, die damit in Berührung kommen, steigt im tropischen Milieu jedoch das Risiko einer Lebensmittelverunreinigung nahezu zwangsläufig an – sei es durch Bakterien, Viren oder andere Krankheitserreger.

Um einen ausreichenden Wasserdruck zu gewähren, sind die Wasserreservoirs der Hotels oft auf dem Dach installiert. Bei intensiver Sonneneinstrahlung erhitzt sich aber das Wasser häufig genau auf jene Temperatur, die zu optimalen Vermehrungsbedingungen für bestimmte Bakterien führt, beispielsweise die Legionellen, die eine schwer zu behandelnde Lungenentzündung verursachen können.

Fehlt eine öffentliche Kanalisation und liegt das Ferienzentrum am Meer, wird das Abwasser häufig einfach einige hundert Meter von der Küste entfernt einfach ins Meer geleitet. Da zahlreiche Mikroorganismen aus dem Abwasser, darunter virale und bakterielle Krankheitserreger, beispielsweise von Muscheln aufgenommen und angereichert werden, die ihrerseits Teil der Nahrungskette sind, ist der Genuß von Meeresfrüchten aus einem Gebiet mit Abwassereinleitung immer ein Gesundheitsrisiko. Neue wissenschaftliche Untersuchungen belegen, daß besonders in tropischen und subtropischen Gewässern Meeresfrüchte häufig sogenannte Nicht-Cholera-Vibrionen beherbergen, die schwerwiegende Magen-Darm-Infektionen hervorrufen können.