Der Roman ist ein Bericht, ein Protokoll. Er berichtet von der Liebe: „Nachdem sie zehn Jahre in vollkommener Harmonie gelebt und kein Anzeichen von Meinungsverschiedenheit gegeben hatten ..., brachten sie sich schließlich um.“ Mitten in ihrem Ringkampf lehnen die beiden Frauen sich gegen ein brüchiges Balkongeländer. „Ihre Schädel knallten auf den Zement und barsten wie Eier.“

Eine komplizierte Geschichte. Die Gründe eines Menschen, etwas zu tun, können verblüffend verwickelt sein. Der Protokollführer legt sie offen: „Serafina wollte eine große Waffe-... und wäre der Knall ohrenbetäubend, und risse die Kugel beim Eindringen in die Brust dem Opfer die ganze Schulter entzwei. Nach Serafinas Meinung wurden all diese Mängel durch die von einer derartigen Waffe gegebene Gewißheit ausgeglichen, daß der ,Hingerichtete‘, bereits verwundet, nicht mit dem Blick eines Irren und mit offenen Armen auf sie zukäme, als wollte er ihr um den Hals fallen.“

Der Roman ist ein Lesebuch, das den Menschen erklärt. Vom Schicksal ist die Rede, von Bestimmung und von dummen, falschen Entscheidungen, mit denen Menschen ihr Leben zerstören.

Weil diese Menschen sich bald in einer extremen Situation befinden, auf engstem Raum aufeinander angewiesen, ist der Roman nebenbei auch ein Lesebuch über die Entstehung eines Konzentrationslagers: Als alle ihre Betriebe geschlossen werden, sperren zwei Puffmütter ihre Prostituierten in ein abgelegenes Bordell, um sie nicht verkaufen zu müssen. Sechs von ihnen sterben – die „toten Frauen“.

Eine Mischung aus Trägheit und Leidenschaft bestimmt die Figuren dieses Romans, Habgier und Korruption tun das Ihre dazu. Jorge Ibargüengoitia läßt seine Geschichte ganz für sich selber sprechen. Wahrscheinlich spricht sie ganz von selbst auch vom Zustand seines Landes – was der Autor erzählt, soll in den sechziger Jahren in Mexiko wirklich passiert sein.

Ibargüengoitia, berichtet der Verlag, starb 1984 bei einem Flugzeugabsturz in Spanien. Manchmal ist das Leben ein Roman. Robin Detje

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