In der Steiermark führt eine Route von Schloß zu Schloß

Von Esther Knorr-Anders

Es bleibt sich gleich, ob man die Steirische Schlösserstraße im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter bereist. Sie verlockt zu allen Jahreszeiten. Die Straße schlängelt sich mitten durch die Oststeiermark, vom Städtchen Anger im Norden bis nach Bad Gleichenberg im Süden; oft schlägt sie Haken. Zahlreiche Burgen, Schlösser, Ruinen stellen sich blickfangheischend zur Schau. Weitere Attraktionen tragen zur Verwirrung bei. Zum Beispiel das „Stutenmilchgestüt Töchterlehof“ bei Oberfeistritz. „Stutenmilch von biologisch gehaltenen Stuten, das Geheimnis natürlicher Gesundheit und Schönheit.“ Wer könnte solche Werbung vergessen? Ebensowenig vergißt man „Gsellmanns mystische Weltmaschine“ unweit von Edelsbach. Von ihr ist später noch zu berichten.

Die kultur-soziologische Ergänzung zur Schlösserstraße bildet die Steirische Apfelstraße, die ebenfalls bei Anger beginnt und nahe der Stadt Gleisdorf endet. Wer also den Schlössern entfliehen will, kurvt flugs in die uralten Apfelbauern dörfer hinein.

Folgen wir vorerst der Schlösserroute zu ihren markantesten baulichen Edelsteinen. Das barocke Schloß Külml in Oberfeistritz wächst dem Ankommenden weiß und gelb entgegen. Im Innenhof umgibt den Fremden vollkommene Stille. Ein seltsam grüner Rasen, ohne jeden Blumenschmuck, bedeckt den Boden. Um so mehr fällt der weißblühende Rosenbaum ins Auge, der sich an der Mittelfassade bis zu den Arkadenbögen hochrankt. Es sind immer nur wenige Dinge, die sich beim ersten Besuch der Erinnerung einprägen. Für mich werden es der Rosenbaum und der froschgrüne Rasen – ja, froschgrün – zu Külml sein.

Im Schloß können Ferienwohnungen gemietet werden. Übrigens: Die meisten Schlösser an dieser steirischen Route sind mit Ferienwohnungen oder als Komforthotels ausgestattet. Ihre Eigentümer und die umliegenden Gemeinden verbanden sich zu einer Interessengemeinschaft. Ausstellungen, Theaterabende, Konzerte, Feste werden arrangiert.

Auf einem Felsen in einer Flußschleife der Feistritz erstreckt sich Schloß Herberstein. Es könnte Aschenputtels oder König Drosselbarts Wohnsitz sein. Bauelemente aus Gotik, Renaissance und Barock sind eine märchenhaft anmutende Verbindung eingegangen. Blendend hellgrau umspannen die Arkaden den sogenannten Florentinerhof. Nichts weiter als ein Brunnen mit Fontäne ziert den weiten Platz. Einlullend rieselt das Wasser, verleitet zum träumerischen Nichtstun. Weder das Familienmuseum der Grafen Herberstein, noch die Taverne vermögen mich vom Fleck zu locken. Selbst die Geparde und allerlei exotische Piepmätze im Schloßtierpark reizen mich nicht, meinen Standort zu verlassen. Dies jedoch gelingt den Schmetterlingen.