Es klang wie ein Stoßseufzer: „Bleiben Sie mir weg mit dem Runden Tisch. Dort waren ja alle gleich!“ So antwortete kürzlich ein Gesprächspartner, der inzwischen in der CDU Karriere gemacht hat, auf die Frage danach, ob Bonn von dieser Erfahrung aus den Zeiten der untergehenden DDR nicht doch etwas lernen könne.

Jeder war gleich! Unabhängig davon, welche Partei oder Bürgerbewegung er hinter sich hatte. Kompetenz, persönliche Autorität und politisches Geschick zählten. Dieser Runde Tisch, der einen respektablen Verfassungsentwurf in kürzester Zeit formulierte, ist von den Regierenden in Bonn stets mit besonderem Mißtrauen beäugt worden.

Es wird keinen Runden Tisch, dafür aber „Arbeitsgruppen“ geben. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs zwischen Helmut Kohl und Hans-Jochen Vogel. Kaum vereinbart, kündigt die SPD an, sie werde sich zurückziehen, wenn ihre Vorschläge nicht gehört würden. Hermann Otto Solms, Fraktionschef der FDP, wiegelt ab, es gehe nur darum, „der Opposition die Politik der Regierung nochmals zu erläutern“. Die CSU schweigt pikiert. Friedrich Bohl (CDU) giftet, angstvoll und aggressiv zugleich, die SPD wolle nur als Trittbrettfahrer vom Erfolg des Aufbaus im Osten profitieren.

Nur Konrad Weiß (Bündnis 90) bekennt offen, angesichts des sich entwickelnden Notstands im Osten schließe er nicht einmal eine Große Koalition aus. Aber er ist eben noch kein richtiger Bonner. Es geht ihm nicht darum, den schönen Schein der Disharmonie zu wahren. Er will auch nicht Verantwortlichkeiten verwischen oder Konflikte verkleistern. Nein, er sagt nur, was er denkt.

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Eine gute Idee hat der junge Abgeordnete Friedbert Pflüger (CDU), der kürzlich zum Vorsitzenden der deutsch-polnischen Gesellschaft gewählt worden ist. Er möchte eine kleine Konferenz vorbereiten, an der neben Vertretern der deutschen Minderheit Polens auch Vertreter der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein und der Deutschen in Nordschleswig teilnehmen.

Dabei soll gezeigt werden, wie Minderheitenrechte gewahrt werden können, ohne daß Grenzen geändert werden müßten. Die Idee hinter der Idee ist: In der CDU, aber auch bei SPD und Grünen sollen endlich diejenigen aufwachen oder mitmachen, die den deutsch-polnischen Beziehungen einen besonderen Stellenwert geben. Das Feld, meint Pflüger, dürfe nicht nur den Berufsvertriebenen überlassen bleiben. Zum Beispiel also dem Generalsekretär des Bundes der Vertriebenen, seinem Abgeordnetenkollegen Hartmut Koschyk. Friedbert Pflüger stammt aus Richard von Weizsäckers Schule, im Präsidialamt hat er einiges gelernt.