Von Gunter Hofmann

Bonn, im April

Möglichst viele Ohrenzeugen wollte Helmut Kohl, Jahrgang 1930, haben, um die Nachricht noch vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz zu pflanzen, er denke über Wolfgang Schäuble, Jahrgang 1942, als Nachfolger nach. Nein, nicht im Amt des Fraktionsvorsitzenden anstelle Alfred Dreggers, sondern auch „in dem anderen Amt“, in dem des Kanzlers.

Ähnlich laut verkündete Otto Graf Lambsdorff, Jahrgang 1926, schon vor einiger Zeit, im Jahr 1993 solle Jürgen Möllemann, Jahrgang 1945, ihn an der Spitze der FDP ablösen. Das allerdings hat bei den Freien Demokraten zu einer lebhaften Debatte darüber geführt, ob der Generationswechsel nicht bereits im November beim Parteitag in Suhl vollzogen werden müsse.

Hans-Jochen Vogel, Jahrgang 1926, stellt ohnehin sein Amt als SPD-Vorsitzender Ende Mai zugunsten von Björn Engholm, Jahrgang 1939, zur Verfügung. Die Väter halten nach Söhnen Ausschau, die Großväter nach Enkeln, um die Nachfolgefragen zu regeln oder zumindest um darüber zu reden, weil es an der Zeit ist.

Nun ist die Karriere von Jürgen Möllemann oder, ersatzweise, Irmgard Adam-Schwaetzer, Jahrgang 1942, und Klaus Kinkel, 1936, relativ uninteressant. Aber wichtig ist das Thema Nachfolge insofern, als es einiges über die Krise oder das Versagen der politischen Eliten verrät.

Vom „Generationenkrieg“ hatte Antje Vollmer, Jahrgang 1943, schon vor einiger Zeit gesprochen und damit der „Gerontokratie“ der politischen Klasse, den Weizsäckers und Genschers, Kohls und Brandts, den Sechzig- und Siebzigjährigen in Parteien, Medien und Bürokratie lakonisch zugerufen: Geht uns aus der Sonne! Endlich!