An der Spitze der Treuhandanstalt folgt die Politikerin Birgit Breuel auf den Unternehmer Detlev Rohwedder

Von Peter Christ

Am 3. November 1990 sagte Birgit Breuel in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen: „Es wäre ein falsches Signal, wenn ein Politiker die Treuhand führen würde.“ Und sie erklärte auch, warum: „Benötigt wird ein Manager, der unternehmerische Erfahrung hat und sich dennoch auf der politischen Spielwiese auskennt.“

Schon damals im Herbst war Birgit Breuel als mögliche Nachfolgerin des damaligen Treuhand-Präsidenten Detlev Karsten Rohwedder im Gespräch gewesen, weil dieser eigentlich auf seinen Posten als Vorstandsvorsitzender der Hoesch AG nach Düsseldorf zurückkehren sollte. Doch dann entschied er sich, in Berlin zu bleiben. Nach der Ermordung Rohwedders am Ostermontag war Birgit Breuel wieder Kandidatin. Und am vergangenen Samstag berief sie der Verwaltungsrat der Treuhandanstalt einstimmig zur neuen Präsidentin. Jens Odewald, Vorsitzender des Verwaltungsrates, begründete die Wahl so: „Wir haben viele Kandidaten im Auge gehabt. Wir haben die Pros und Kontras aller Kandidaten abgewogen, und wir sind zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen. Frau Breuel ist die beste Kandidatin als Präsidentin der Treuhandanstalt.“

Leichtes Zähneknirschen

Was im November laut Birgit Breuel noch ein falsches Signal gewesen wäre, wird heute als kontinuierliche Fortsetzung der Arbeit Rohwedders betrachtet. Daß die Präsidentin nicht dem von ihr selbst beschriebenen Bild eines idealen Treuhandchefs entspricht, weil bei ihr die Gewichte exakt umgekehrt verteilt sind – sie ist eine erfahrene Politikerin, die sich auf der unternehmerischen Spielwiese auskennt –, hat Frau Breuel offenbar wenig gestört und den Verwaltungsrat nicht von seiner Wahl abgehalten.

In Bonn war beim Kanzler leichtes Zähneknirschen zu vernehmen. Kohls Elefantengedächtnis war nicht entfallen, daß die streitbare Parteifreundin die Bundesregierung gelegentlich sehr deutlich kritisiert hatte. Das mag Helmut Kohl nicht, das trägt er nach.