Die goldenen Zeiten sind vorbei. Viele junge Ärzte müssen nach der Weiterbildung zum Facharzt das Krankenhaus verlassen. Die meisten von ihnen wollen sich dann niederlassen, doch das wird immer schwieriger. Mittlerweile praktiziert im Westen der Bundesrepublik fast schon an jeder Straßenecke ein Kollege. Außerdem kostet die technische Ausstattung einer Praxis immer mehr Geld. Das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung hat ausgerechnet, daß alleine die Medizintechnik, die für eine interne Facharztpraxis notwendig ist, rund 500 000 Mark verschlingt. Banken und Sparkassen aber geben nicht mehr so schnell Kredit. Mittlerweile hat sich herumgesprochen, daß das Geschäft mit der Arztpraxis weniger lukrativ ist als noch vor einigen Jahren. Außerdem sind Kredite teuer und belasten den Anfänger für lange Zeit mit hohen Zins- und Tilgungszahlungen.

Einen verlockenden Weg, wie junge Ärzte die drückende Schuldenlast umgehen können, bietet jetzt die Dienstleistungsgesellschaft für Mediziner GmbH in Göttingen an. Mit sogenannten Medical Centers will der Unternehmensberater Helmut Kö-

Mit Medical Centers soll der Einstieg in die Selbständigkeit leichter werden

nig niederlassungswilligen Fachärzten helfen, den Kosten zu Leibe zu rücken. Dem ersten Medical Center in Hamburg-Bergedorf werden weitere im gesamten Bundesgebiet folgen. Königs Vorschlag klingt einleuchtend: Alle fixen Kosten für Einrichtung und Ausstattung der Praxis sollen im Medical Center in variable Kosten umgewandelt werden.

Vor allem die aufwendige Medizintechnik sorgt bislang für hohe Fixkosten. In der Einzelpraxis eines Frauenarztes beispielsweise werden Ultraschallgeräte für geburtshilfliche Diagnostik aber nicht ausgelastet. Die teuren Geräte stehen dann nutzlos herum. Erst wenn, wie im Medical Center vorgesehen, Urologen, Internisten und Chirurgen diese Geräte mitbenutzen, lohnt sich die Investition. Das gleiche gilt für den Operationssaal bei der ambulanten „kleinen Chirurgie“. Zur gemeinsamen Benutzung aller Geräte, die das Medical Center bereitstellt, organisieren sich die Ärzte, abhängig von ihrer Fachrichtung, in sogenannten operativen oder konservativen Arbeitsgemeinschaften. Diese teilen die anfallenden Kosten untereinander auf und zahlen an das Medical Center den entsprechenden Anteil aus ihrem Honorar.

Der Kölner Wirtschaftsprüfer Jörg Kruse hat die Kostenvorteile für einen Internisten ermittelt. Unter der Annahme gleicher Betriebseinnahmen (jährlich rund 430 000 Mark) könne der im Medical Center praktizierende Internist jedes Jahr fast 80 000 Mark mehr nach Hause bringen als der ärztliche „Einzelkämpfer“. Sollte allerdings der Umsatz des Internisten später auf knapp eine Million ansteigen, dann sieht die Rechnung für den Arzt im Medical Center nicht so günstig aus. Die umsatzabhängigen variablen Kosten überflügeln dann die fixen Kosten.

Die im Medical Center tätigen Ärzte werden für ihre bereits praktizierenden Kollegen in der Nachbarschaft vermutlich zu einer ernsthaften Konkurrenz. Der vom Betreiber klug gewählte Name suggeriert den Patienten eine besondere Leistungskompetenz der unter einem Dach tätigen Fachärzte, die ohne lange Wege erreichbar sind.