Die Fahrt war problemlos, das Geschäftsgespräch schneller beendet als erwartet, das Hotelzimmer reserviert. Nun steht der Wagen in der Garage, und das „Don’t disturb“-Schild hängt an der Tür. Ach ja, man sollte zu Hause Bescheid sagen, daß alles in Ordnung ist.

Gemütlich rekelt sich nun der Hotelgast auf dem Kingsize-Bett, schaltet den Fernseher ein, greift zum Mineralwasser aus der Minibar – es läßt sich doch aushalten hier. Schon leicht müde und gedankenverloren, langt er nach dem Büchlein, in dem die weiteren Annehmlichkeiten des Hotels aufgelistet sind. Da plötzlich wird er wieder hellwach. Sein Blick ist auf die Preise gefallen, zwanzig Mark, damit das Auto eine Nacht in der Garage bleiben kann. Für das Buffet am Morgen, wo man sich doch als Frühstücksmuffel nur ein paar Winzigkeiten herauspickt, achtzehn Mark. Das gibt zu denken. Nervös geworden, fahndet er nach dem Preisverzeichnis für die Minibar. Vier Mark für ein klitzekleines Mineralwasser. Was, um Himmels willen, was wird das Telephonat kosten? Schließlich die beklemmende Gewißheit. 75 Pfennig pro Einheit.

Nun gut, tröstet sich der Hotelgast: Das Streichholzheftchen im Aschenbecher und das kleine Kosmetikarrangement im Badezimmer sind gratis. Am Service läßt sich nichts aussetzen. Frische Handtücher liegen bereit, das Bett ist gemacht – dank der hilfreichen, nicht sichtbaren Geister.

Aber flucht man gelegentlich nicht leise vor sich hin, wenn die Zimmermädchen schon in aller Herrgottsfrühe an der Tür rütteln, und könnte man nicht aus der Haut fahren, wenn sie sich laut schreiend auf dem Flur unterhalten, um den Staubsauger zu übertönen, oder wenn sie im Nachbarzimmer mit dem Nachfüllwagen für die Minibar geräuschvoll anstoßen?

Je länger man darüber nachdenkt, um so stärker verblassen die guten Dienste des Servicepersonals gegenüber dem, was Zimmermädchen einem Sensiblen gelegentlich so antun.

Und natürlich fallen diese kleinen Verfehlungen gerade dann ein, wenn es darum geht, ein Trinkgeld zu hinterlassen. Also verzichtet der Gast – wenngleich ein wenig beschämt – am Ende ganz darauf, einen Zehnmarkschein unter den Aschenbecher zu schieben.

Denn längst hat er durchkalkuliert, was ihn an der Kasse erwartet, und für einen kurzen Augenblick will ihm scheinen, als sei er unter die Raubritter gefallen.