Eigentlich hätte die Regierungskrise in Rom zu Anfang der Woche beendet sein sollen. Das Kunststück allerdings, die neue und doch überwiegend alte Regierung gleich mit neuen Krisenbakterien zu impfen, schien sogar Ministerpräsident Giulio Andreottis taktische Fähigkeiten zu überfordern; er löste damit nach bloß 48 Stunden Regierungszeit gleich die nächste Krise aus – eine „Premiere“ im üblichen Spiel.

Dabei war von der großen Staats- und Verfassungsreform, für die sich das Staatsoberhaupt Francesco Cossiga stark gemacht hatte, kaum noch die Rede in Andreottis Programm. Er hatte für die alte Fünf-Parteien-Koalition sogar seinen ewigen Konkurrenten, den Sozialisten Craxi, fürs vorläufige Weiterwursteln gewonnen. „Niemand ist so alt, um nicht zu denken, noch ein Jahr leben zu können“, so berief sich Andreotti auf den antiken Römer Cicero. Freilich ohne zu bedenken, daß auch weise Wahrheiten zuweilen kurze Beine haben.

Ausgerechnet die sonst treuen linksliberalen Republikaner (PRI), eine 3,7-Prozent-Partei, rebellierten – zuerst gegen ihren eigenen Parteichef, der den bisherigen (republikanischen) Postminister Mammi, einen Bankfachmann, durch einen Professor für mittelalterliche Geschichte ersetzt sehen wollte; dann gegen Andreotti, der den vorgesehenen Ersatzmann durch wieder einen anderen ersetzte, einen Sozialdemokraten in christdemokratischer Gunst. Denn nicht um die Post geht es (die sich in Italien soviel Zeit wie im Mittelalter läßt), sondern – modern, wie man ist – um private Fernsehsender: fünfzehn landesweite und 540 lokale. Welche Partei wünscht sich für ihre Vetternwirtschaft nicht einen Minister, der darüber verfügen kann?

Kein Wunder also, daß Ex-Minister Mammi vor Zorn bebte und sich behandelt fühlte wie „Rommel von Hitler“ – der den Marschall zwang, eine Giftampulle zu schlucken. Doch nicht der wenig schmeichelhafte Vergleich brachte Andreotti ins Wanken; auch als die Republikaner die Vereidigungszeremonie des siebten Andreotti-Kabinetts schwänzten, ließ sich der Regierungschef noch nicht irremachen. Erst als sie ankündigten, auch im Parlament gegen die Regierung zu stimmen, verschob Andreotti die Debatte und eilte zu Staatsoberhaupt Cossiga.

Bevor aber die politische Commedia dell’arte zur Tragödie wurde, an der auch Wähler keinen Spaß mehr finden, besannen sich die Parteien noch einmal: Warum nicht zu vieren statt zu fünfen vorläufig weitermachen? Die wirklichen Probleme Italiens, über die man sich allemal zerstreiten kann, können ja weiterhin warten. Auch sie sind nicht so alt, um nicht noch ein Jahr zu überleben. Hj. Ste.