Das afrikanische Land hat das Reformprogramm der Weltbank penibel umgesetzt – bislang ohne großen Erfolg für die Menschen

Von Oliver Schumacher

Die Enge im Fahrstuhl ist drangvoll. „Hier paßt keine Maus mehr rein“, klagt einer der Bergarbeiter und versucht mühsam, den schweren Batteriekasten der Helmlampe an seiner Hüfte festzuzurren. Seit zehn Minuten klappert der eiserne Käfig nun den Schacht hinunter. Erst als quietschende Bremsklötze das Ende der Dienstfahrt signalisieren, erwachen die Männer aus ihrer inneren Versunkenheit, Leben kehrt in die zusammengepferchten Körper zurück. Das Gitter des Käfigs springt auf, und die Kumpels verschwinden in der Dunkelheit eines Stollens.

Doch der Weg zur Arbeit ist noch lang. Eine halbe Stunde stapft der Hauer James Akoto Debrah schon durch das Labyrinth der Schächte und Gänge. Die Luft ist heiß und stickig, der verschwitzte Overall klebt längst am Körper, als er seinen Arbeitsplatz, einen Höhleneingang, erreicht. Weißliches Quarzgestein wirft in fünf Meter Höhe den Schein der Taschenlampe zurück. Aber erst vom Standpunkt eines Holzgerüsts sind dort gelblich schimmernde Äderchen zu erkennen. Gold ist zum Greifen nahe, muß aber noch aus den Gesteinsmassen gebrochen werden. „Das Gold ist wieder Ghanas Hoffnung“, sagt Debrah und wuchtet sein Stemmeisen gegen den Stein.

James Akoto Debrah schuftet seit zwanzig Jahren in den Goldminen der Ashanti Goldfields Corporation Ltd. (AGC), einem Joint-venture zwischen dem ghanaischen Staat und dem britischen Mischkonzern Lonrho. Nach stetigem Niedergang in den siebziger Jahren erlebt der Goldbergbau des westafrikanischen Landes in den letzten Jahren einen stürmischen Aufschwung. AGC, einer der zehn größten Goldproduzenten der Welt, investiert wieder kräftig. „Bis 1995 wollen wir unsere Jahresproduktion auf eine Million Unzen verdoppeln“, sagt AGC-Vorstandsmitglied M. Kusi-Mensah, der in Aachen sein Ingenieurdiplom gemacht hat.

Die Republik Ghana, von den britischen Kolonialherren noch Goldküste genannt, hat erneut das Goldfieber gepackt. Nach dem dramatischen Preisverfall für Kakao, dem wichtigsten Exportprodukt des Landes, setzt das Militärregime unter Fliegerleutnant Jerry John Rawlings jetzt auf das glänzende Metall. Die bisherige Bilanz läßt sich vorzeigen: Ghana erzielt fast ein Viertel seiner Deviseneinnahmen mit dem Goldexport.

In den Augen der Regierung ist der Aufschwung im Goldbergbau ein weiteres Indiz für den wirtschaftlichen Fortschritt des Landes. Seit dem Frühjahr 1983 verfolgt Rawlings unter der Regie von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank ein radikales und beispielloses Sanierungsprogramm; kein Entwicklungsland der Welt hat in den vergangenen Jahren derart rigoros auf die Kräfte des freien Marktes gesetzt.