Die Katastrophe war überfällig: Trotz des starken Seeverkehrs und der Überalterung der Tankerflotten war das Mittelmeer bisher von großen Ölunfällen verschont geblieben. Das Glück verließ die Anrainerstaaten in der vergangenen Woche. Vor dem Ölhafen Genuas explodierte der zypriotische Tanker Haven. Von den 140 000 Tonnen Rohöl, die er an Bord hatte, ergoß sich eine noch unbekannte Menge in die See; der Rest bedroht, nachdem das Schiff gesunken ist, vom Meeresgrund aus die Riviera.

Im Drehbuch der alltäglichen Meeresverschmutzung war das nicht vorgesehen. Danach darf das Mittelmeer zwar als Müllkippe benutzt werden, aber – bitte schön! – geplant und mit staatlicher Genehmigung: Durch Bilgen- und Ballastwässer aus Schiffsrümpfen, durch Einleitungen aus Abwasserrohren von Fabriken und Kommunen fließen jährlich 650 000 Tonnen Öl in das Mare nostrum, in unser aller Meer. Zusammen mit anderen Chemikalien, Schwermetallen und Nährstoffen hat dieser Müll das Mittelmeer längst in eine Kloake verwandelt.

Gleichwohl muß alles unternommen werden, um einem alten Übel nicht ein neues hinzuzufügen. Wenn schon riesige Mengen Erdöl über die Weltmeere transportiert werden, darf an der Qualität der Schiffe nicht gespart werden. Die Reeder müssen zu den höchsten Sicherheitsstandards gezwungen werden – eine Aufgabe auch für die Vereinten Nationen.

Doch bleibt der Risikofaktor Mensch: Selbst bei verbesserter Ausbildung der Schiffsführer können Tankerkatastrophen nicht ausgeschlossen werden. Jenseits allen technischen Umweltschutzes ist deshalb eine Verringerung des Ölverbrauchs die beste Vorsorge gegen maritime Umweltdesaster. Und Energie zu sparen ist ohnehin ein Gebot der Vernunft. Denn jede Schiffsladung Öl, auch wenn sie an Land verbrannt wird, treibt die Menschheit der Klimakatastrophe entgegen. vo