Von Richard Joseph

ATLANTA. – Für die schwarzen Amerikaner war der Golfkrieg eine besonders unangenehme Erfahrung, obwohl sie doch mit General Colin L. Powell einen so glanzvollen Hauptdarsteller in ihren Reihen hatten. Die Meinungsumfragen aus den ersten Kriegswochen belegten ihre Skepsis gegenüber der amerikanischen Politik: Während achtzig Prozent der weißen Bevölkerung das US-Engagement unterstützten, waren nur fünfzig Prozent der Schwarzen damit einverstanden. Auch das Abstimmungsverhalten im Kongreß bei der Kriegsermächtigungsresolution beweist erhebliche Reserven: Mit Ausnahme des republikanischen Außenseiters Gary Franks stimmten alle schwarzen Volksvertreter dagegen.

Was ist der Grund für diese Opposition? Die meisten der aus Afrika stammenden Amerikaner können eben nicht so tun, als sei für sie die Welt in Ordnung. Sie sehen nicht ein, daß Saddam Husseins Greueltaten einen Krieg rechtfertigen, doch ähnliche Entwicklungen in Südafrika von Washington nur mit einer „konstruktiven Einmischung“ beantwortet werden. Ein anderes Beispiel: General Noriega, einst Amerikas Verbündeter, wurde über Nacht zum Feind erklärt, während der syrische Staatschef Assad ebensoschnell vom Kriminellen zum Alliierten avancierte. Das Mißtrauen der schwarzen Amerikaner ist leicht zu verstehen, wenn man beobachtet, wie George Bush in der inländischen Menschen- und Bürgerrechtsdebatte auf der Seite von Rassisten steht und gleichzeitig den Krieg gegen den Irak zu einer Frage „Gut gegen Böse“ stilisiert hat.

Der Krieg in der Ferne konnte die Sorgen zu Hause nicht verdecken. Das amerikanische Bildungswesen befindet sich in einem jämmerlichen Zustand, mit dem Gesundheitssystem steht es auch nicht besser, und die Städte versinken in Kriminalität und Drogenproblemen.

Zudem ist mit den ungeheuren Kosten für den Golfkrieg auch die berühmte „Friedens-Dividende“ nach dem Ende des Ost-West-Konflikts verdampft. Der internationale Aufbruch zu Demokratie und die großen Reformprogramme zur Liberalisierung der Wirtschaft in Osteuropa sind in Gefahr. Die politische Rechte in Israel will die Schrauben ihrer Herrschaft in den besetzten palästinensischen Gebieten anziehen und fordert zugleich massive finanzielle Hilfe von Amerika für die jüdischen Einwanderer aus der Sowjetunion. Gleichzeitig müssen Tausende südafrikanischer Gefangener und Exilanten, die nicht für sich selbst sorgen können, in ihrer Heimat neu angesiedelt werden.

Bush hat die US-Streitkräfte als einen Hort der Chancengleichheit gepriesen. Doch in den Ohren der Afroamerikaner klingt das zynisch. Sie wissen, daß sie allenfalls durch Erfolge im Sport oder Militärdienst ihrer bedrückenden Umwelt entfliehen können.

Wäre der Krieg nicht so glimpflich ausgegangen, hätte es bestimmt erheblichen Protest der politischen Führer der Schwarzen gegeben. Im Geiste Martin Luther Kings hätten sie die Opfer auf allen Seiten beklagt. Wenn nun die schwarzen Soldaten aus dem Krieg zurückkehren, warten auf sie viel Lob und viele Orden. Und was sonst? Durch den Sieg politisch gestärkt, sollte Bush sich jetzt mit aller Kraft den inneren Problemen Amerikas zuwenden. Amerika muß sich endlich auch der schlimmen Lage der Palästinenser annehmen und helfen, eine dauerhafte Entspannung im israelisch-arabischen Konflikt herbeizuführen. Schließlich sollten wir alle unsere Euphorie etwas zügeln und unser Mißfallen über die Rückkehr zur Kanonenboot-Diplomatie in der Dritten Welt im High-Tech-Zeitalter deutlich ausdrücken.

  • Richard Joseph ist Professor für Politische Wissenschaft an der Emory Universität in Atlanta.