Die Lufthansa sucht nach Wegen, die immense Müllflut an Bord ihrer Flugzeuge einzudämmen.

Die Arbeitsgruppe „Borddienst und Umwelt“ hat es sich zum Ziel gemacht, unnötige Müllproduktion zu vermeiden. Erster Erfolg ihrer Bemühungen: Durch die Einführung der „Gate Buffets“, bei denen sich jeder Passagier selbst bedienen und seine Brotzeit für den Flug zusammenstellen kann, ging der Abfall bereits um 1700 Tonnen zurück. Das entspricht 140 Güterwaggons voll Müll. Sechzig Prozent der Fluggäste nehmen die Plastiktüte, in der früher der Snack verpackt war, erst gar nicht mit. Weil sich die Passagiere nur herauspicken, was sie auch wirklich essen wollen, bleiben lange nicht mehr so viele halbleere Tüten liegen. Die Anwesenheit einer Hosteß, die das Buffet im Auge hat, verbesserte obendrein die Wegwerfmoral der Fluggäste.

Als nächstes sollen die Plastiktrinkbecher, von denen im letzten Jahr 47 Millionen benutzt wurden, verschwinden. Bald wird es auch keine Einweg-Kaffeebecher mehr geben, statt dessen sollen die Lufthansa-Passagiere ihren Kaffee aus Luran-Tassen schlürfen, die mehrmals benutzt werden können.

Eines der Hauptabfallprodukte sind die kleinen Glasflaschen mit Wein. Nun wird überlegt, aus Literflaschen aus- und nachzuschenken. Auch Milch wäre, zumindest an den Gate Buffets, aus einer Kanne zu reichen anstatt aus müllproduzierenden Sets. Unnötige Mehrfachverpackungen seien schon aussortiert und somit dreißig Tonnen Plastikabfall eingespart worden, heißt es bei der Lufthansa.

Auf Langstreckenflügen wurde bereits eine getrennte Müllsammlung getestet. Da über die Hälfte des Abfalls aus Glas und Aluminium besteht, wurde dieser probeweise getrennt zurücktransportiert. Wobei sich als weiterer Vorteil ergibt, daß mit dem Recycling dieser Produkte sogar noch Geld gemacht werden kann. Die Mülleindämmung kommt nicht nur der Umwelt zugute, sondern ebenso der Kasse. Auch wenn sich die Passagiere am Selbstbedienungsbuffet kräftig bedienen, spart das neue System nach Auskunft eines Lufthansasprechers einen Millionenbetrag.

Soweit allerdings, daß sich jeder sein Brötchen selbst schmiert, wird es nicht kommen. Strenge Bestimmungen regeln die Verpflegung. Und auch die Enge an Bord sowie das Gewichtsproblem setzen dem Plastikverzicht Grenzen. Gläser sind schlechter zu stapeln als Einwegbecher und Porzellanteller in großen Mengen zu schwer. Jedes zusätzliche Gewicht erfordert mehr Treibstoff, und dessen Ausstoß ist wiederum auch umweltschädlich.

Wie die Lufthansa befaßt sich die Deutsche Service-Gesellschaft, DSG, die fürs Essen in der Bundesbahn sorgt, ebenfalls mit der Abfall- und Plastiklawine. Im letzten Herbst wurde getestet, was die Bahnreisenden von Geschirr halten, das nicht mehr aus Plastik besteht, sondern auch eßbar wäre. Dabei ist allerdings weniger daran gedacht, daß die Kunden die Teller verzehren, sondern daran, das organische Material als Viehfutter zu nutzen. Annähernd neunzig Prozent der Reisenden konnten sich mit dem neuen Geschirr anfreunden.

Immerhin siebzehn Millionen Teile Kunststoff pro Jahr werden in den Zügen verbraucht, obwohl auch hier bereits eingespart wurde. Sobald die endgültige Geschirrform feststeht und auch für die Abnahme des genießbaren Mülls gesorgt ist, soll, vielleicht noch in diesem Jahr, eine nächste Testreihe laufen. put