• Ausgabe 18/1991

    Ausgabe 18/1991

    Artikelübersicht

    Im Inhaltsverzeichnis dieser ZEIT-Ausgabe finden Sie ab dem Erscheinungstag die Artikel der ZEIT und des ZEITmagazins aufgelistet, die bereits online sind und von Ihnen abgerufen werden können.

  • Politik
  • Zwang zum Konsens

    Die absolute Mehrheit ist relativ. Zwar steht es im Bundesrat 37:31 für die A-Länder. Doch diese sogenannten A-Länder – die Bundesländer mit einer SPDgeführten Regierung – bilden in der Ländervertretung keineswegs eine geschlossene „Fraktion“.

    Von Werner A. Perger

  • Sich selber treu geblieben

    Nun ist Karl Klasen kurz vor seinem 82. Geburtstag von uns gegangen. Wer ihn in den letzten Tagen noch besucht hat, der ist froh zu wissen, daß er bis zuletzt mit klarem Geist und liebevollem Interesse am Geschehen, vor allem am Ergehen der Menschen des alten Freundeskreises, teilnahm.

    Von Marion Gräfin Dönhoff

  • GAU – der Größte Anzunehmende Unfall

    Kerntechnik im Kommandosystem

    Block vier des Kernkraftwerks Lenin bei Tschernobyl bereitete sich am 25. April 1986 auf die jährliche Abschaltung zur Revision vor.

  • Wolfgang Ebert

    Kohl und ich

    In diesen Stunden des Schmerzes über den Verlust seines Stammlandes Rheinland-Pfalz fühle ich mich Helmut Kohl besonders verbunden.

  • Nachlese: Sowjettruppen in Deutschland

    Schüsse auf den Major

    Nach dem deutsch-sowjetischen Vertrag über die „Bedingungen des befristeten Aufenthalts und der Modalitäten des planmäßigen Abzugs der sowjetischen Truppen aus dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland“ sollte der Rückzug der Roten Armee aus der ehemaligen DDR eine „vertrauensbildende Maßnahme“ werden.

  • Krisenherde der Welt

    Morden in aller Stille

    Die Kurden erhalten Schutz und Hilfe, andere bedrohte Völker aber werden vergessen

  • Zorn am East River

    Der Krieg am Golf hat bei den Vereinten Nationen zwiespältige Gefühle hinterlassen. Da ist der berechtigte Stolz auf die Vertreibung der irakischen Besatzer aus Kuwait: Nie zuvor ist die internationale Rechtsgemeinschaft einem Bruch des Friedens entschiedener und geschlossener entgegengetreten.

    Von Matthias Naß

  • Worte der Woche

    „Ein Ausnahmezustand oder eine besondere Ordnung bedeuten nicht, daß die Leute zur Rückkehr an die Arbeit gezwungen werden. Aber es ist möglich, die Leute unter Einsatz von Ordnungskräften arbeiten zu lassen.

    Von thüringische Spd-Bundestagsabgeordnete

  • Nach dem Japan-Besuch

    Heimkehr in den Überlebenskampf

    Der Druck auf Michail Gorbatschow wächst – aber die Opposition weist keinen Ausweg

  • Kein Veto

    Die Beschwerdeführer hatten wohl geahnt, daß sie mit ihrer Sache nicht siegen würden. Nur sechs von dreizehn waren nach der mündlichen Verhandlung im Januar noch einmal zum Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe gereist, um das Verdikt aus erster Hand zu empfangen.

    Von Hans Schueler

  • Mehr Verantwortung tragen?

    Der Riese, der ein Zwerg sein möchte

    Ob die Deutschen es wollen oder nicht: Die Bundesrepublik ist zur entscheidenden Macht in Europa geworden

    Von Christoph Bertram

  • Wider alle Vorsätze

    Trotz vieler Bedenken startet George Bush eine Hilfsoperation für die Kurden im Irak

    Von Dieter Buhl

  • KOLUMNE

    Geben und Nehmen

    Die Vereinigung hat falsch angefangen – mit der Einheit. Es gab keine vertragsförmigen Etappen der Annäherung, die einen Seitenblick auf die ungeheure Dimension des Vorhabens erlaubt hätten.

    Von Klaus Härtung

  • Erdrutsch in Rheinland-Pfalz: Zum ersten Mal wurden die Christdemokraten von der Macht verdrängt

    Ein Enkel, der es schaffte

    Der Erfolg ist so groß, daß er begrenzt werden muß. Also reagiert Rudolf Scharping auf nichts so vorsichtig wie auf die Frage, ob der Erdrutsch, den nicht zuletzt er in Rheinland-Pfalz bewirkt hat, womöglich ein Vorbote wäre auf einen Triumph der Sozialdemokraten auch im Bund.

    Von Carl-Christian Kaiser

  • Selbst nach der schweren Niederlage von Mainz gibt es in der CDU weder einen Führungsstreit noch eine Strategiedebatte

    Ein Kanzler ohne Unterbau

    Helmut Kohl verliert in seiner Partei an Autorität, aber eine Alternative zu ihm gibt es nicht

    Von Gunter Hofmann

  • Zeitspiegel

    Welche Person, tot oder lebendig, bewundern die Indonesier am meisten? Diese harmlos erscheinende Frage stellte das lokale Revolverblatt Monitor im vergangenen Jahr seinen – vorwiegend christlichen – Lesern.

  • „Willkommen im Lager des Grauens“

    Wie deutsche Soldaten den kurdischen Flüchtlingen an der türkischen Grenze helfen

    Von Hans Harald Bräutigam

  • Rückblick: Prozeß gegen Walter Janka

    Was geschah wirklich?

    Wolfgang Harich hat nun denProzeß gehabt, den er so lange schon anstrebte: gegen Walter Janka, von dem er sich verleumdet fühlt durch das Rowohlt-Taschenbuch „Schwierigkeiten mit der Wahrheit“ und durch ein Janka-Interview des DDR-Fernsehens am 24.

  • Bonner Bühne

    Neues über Bitburg

    Bald sind es auf den Tag genau sechs Jahre, daß Ronald Reagan den Soldatenfriedhof in Bitburg besuchte, kritisiert von vielen, die – vor allem wegen der Gräber von Angehörigen der Waffen-SS – dieses Symbol für das falsche hielten.

    Von Werner A. Perger

  • Der Kanzler hat sich für Berlin als Regierungssitz ausgesprochen. Die Debatte geht weiter.

    Alle lieben Berlin...

    Sage niemand, es gebe in Deutschland keinen Fortschritt der politischen Kultur. Wer würde heute seine Abneigung gegen Berlin als Hauptstadt noch so unverblümt ausdrücken wie der Schriftsteller Ludwig Thoma im Miesbacher Anzeiger vom 28.

    Von Heinrich-August Winkler

  • Weltbühne

    Waldheim und kein Ende

    Kaum zu glauben: Kurt Waldheim und seine mehr oder weniger verschwiegene Kriegsvergangenheit bewegen Österreich weiter. Mit Fred Sinowatz wurde eben in diesem Zusammenhang sogar der ehemalige Bundeskanzler wegen falscher Zeugenaussage zu einer Geldstrafe von 360 000 Schilling verurteilt.

    Von Peter Pelinka

  • Wo selbst die Hoffnung stirbt

    Der Irak unter Saddam Hussein – kein zweiter Libanon, sondern ein neues Kambodscha

    Von Samir al-Khalil

  • Deutsche Entwicklungshilfe

    Die Karawane zieht weiter

    Die Zeiten ändern, die Zitate ähneln sich. Natürlich fahren wir nicht mehr nach Tanganjika wie weiland die Ausbeutungsbeauftragten der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft.

    Von Bartholomäus Grill

  • Der Protest der treuen Wähler

    Zum zweiten Mal in diesem Jahr löst ein SPD-Herausforderer einen amtierenden CDU-Ministerpräsidenten ab. Nach dem großen Erfolg für die Bonner Koalition bei der Bundestagswahl 1990 verliert die Koalition aus CDU und FDP nach Hessen nun auch die Mehrheit in einem Land, dessen Strukturen für sie eher günstig sind.

  • Wirtschaft
  • Rudolf Engen

    Das neue Grünkohlland

    Immer wenn es um die neuen Bundesländer geht, möchten die Menschen wissen, wie man sich die „blühenden Länder“ vorstellen soll, die Bundeskanzler Kohl angekündigt hat.

  • Klotzen statt kleckern

    Streng geheim beraten Bonner Politiker über das Zehn-Milliarden-Sparprogramm

    Von Wilfried Herz

  • Brasilien

    Zurück in die Slums

    Mit vielen Millionen will Bonn den Regenwald retten – doch es fehlt an geeigneten Projekten

    Von Carl D. Goerdeler

  • „Abwicklung“

    Das „Lexikon des Kaufmanns“ beschreibt das Wort Abwicklung als die Beendigung der aufenden Geschäfte „nach freiwilliger Auflösung des Unternehmens“.

  • Indien

    Talfahrt ins Chaos

    Nur massive Hilfe von außen kann den Subkontinent vor der Katastrophe retten

  • Triumpf des Rebellen

    Ärger, Betroffenheit und aufkeimender Optimismus – diese Gefühle durchläuft man als Akteur der nachrichtentechnischen Industrie bei der Lektüre eines neuen Buches zu diesem Thema.

  • Vermögensteuer

    Komplex

    Die Sozialdemokraten ließen keine Zeit verstreichen, um ihre neu gewonnene Macht zu demonstrieren. Schon am Morgen nach dem Wahlsieg in Rheinland-Pfalz, der die Unionsparteien um ihre Mehrheit im Bundesrat brachte, zeigte der künftige SPD-Vorsitzende Björn Engholm der Bundesregierung die „rote Karte“ für ihren Plan, die Vermögensteuer abzuschaffen.

  • Armut

    Vergessen

    Schlimm ist, was derzeit in Ostdeutschland passiert. Millionen von Arbeitnehmern verlieren ihren Job, viele trifft eine neue Armut.

  • Bank und Börse

    Mieter haben mehr vom Geld

    Was ist günstiger – zur Miete wohnen oder eine Wohnung kaufen? Und wenn ein Kauf in Frage kommt, sollte man dann sofort zugreifen oder warten, bis die Zinsen etwas niedriger sind? Wohnungsmakler verweisen auf angeblich.

  • Genossenschaften

    Ein gefräßiger Zwitter

    Der alte Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 bis 1888) hat sich wohl nicht träumen lassen, was aus seiner Idee einmal werden könnte.

  • Werften

    Land unter

    Norbert Blüm spielte Feuerwehrmann. „Ich war vor Ort, wo es brennt“, sagte der Bonner Arbeitsminister. Er meinte damit die Rostocker Neptun-Werft, die er unlängst besuchte.

    Von Tasso Enzweiler

  • Atomindustrie

    Teuflische Alternative

    Um 1.24 Uhr trat der Ernstfall ein, den vorher alle aus ihrer Phantasie verdrängt hatten: Als in der Nacht vom 25. zum 26. April 1986 der Reaktorblock vier des sowjetischen Kernkraftwerkes Tschernobyl für ein Experiment abgeschaltet wurde, brannten alle Sicherungen durch.

  • Gunhild Lütge:

    Verraten und noch nicht verkauft

    Ginge es nicht um die Umverteilung von Milliarden, den Geldbeutel von dreißig Millionen Telephonbesitzern und die Glaubwürdigkeit von Postminister Christian Schwarz-Schilling, könnte das Bonner Geschehen als Provinzposse abgehakt werden.

  • Zum achtzigsten Geburtstag

    Ob Karl Schiller SPD wählt?

    In der Verteidigung der Marktwirtschaft ist der Nestor der deutschen Wirtschaftspolitik strenger als die CDU

    Von Gerd Bucerius

  • Nur kurz geschockt

    Das Ergebnis der Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und die damit verbundene Änderung der Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat beschäftigte die Börsianer nur einen Tag.

  • Ostdeutschland

    Zu früh gefreut

    Der Bau von Kernkraftwerken dürfte am fehlenden politischen Konsens scheitern

    Von Heinz-Günter Kemmer

  • Der ratlose Riese

    Vier Jahre ist es her, daß ein europäischer Historiker in Amerika zum vielzitierten Propheten des Niedergangs wurde. 1987 weissagte der Brite Paul Kennedy in seinem 800 Seiten starken Werk „Aufstieg und Fall der großen Mächte“, daß die Großmacht USA an „imperialer Überdehnung“ zugrunde gehen werde.

    Von Christian Tenbrock

  • Waffenlieferungen

    Was wußte die Regierung?

    Für die Abgeordneten Vera Wollenberger und Gerd Poppe vom Bündnis 90/Grüne ist klar: Nur ein Untersuchungsausschuß des Bundestages kann Art, Umfang und Hintergründe deutscher Rüstungsexporte in den Irak voll aufklären.

    Von Wolfeana? Hoffmann

  • Ostdeutschland

    Fluch der schnellen Tat

    Sie steht zwischen Polit-Postern und Kunst-Plakaten: die Abwickelmaschine. Eine eiserne Druckpresse verschlingt gezeichnete Männchen, eines nach dem anderen, ohne Ausnahme.

  • Wissen
  • Test für Schlankmacher

    Daß Abmagerungsdiäten häufig mehr versprechen, als sie halten, haben schon viele am eigenen Leib erfahren müssen. Manche Schlankheitskuren machen krank und schlank.

  • Abgeblitzt

    orbimanie ist die Sache der Japaner nicht. In der vorigen Woche zeigten sie dem Kreml-Herrn schnöde die kalte Schulter. Die Schnödigkeit erklärte sich zum einen aus dem Streit um die vier Inseln vor Hokkaido, deren sich die Sowjets 1945 bemächtigten und an denen sie verbissen festhalten.

  • Im Dickicht der Dschungel-Bücher

    Während der tropische Regenwald mit beängstigender Geschwindigkeit schrumpft, wächst der Dschungel der Publikationen, die sich mit diesem prominenten Öko Patienten befassen.

    Von Michael Schwelien

  • Spitzen-Votum für Berlin

    Mit einem Mal muß es ganz schnell gehen. In knapp zwei Monaten schon, am 20. und 21. Juni, wollen Bundestag und Bundesrat beschließen, wo sie – und damit auch die Bundesregierung – künftig ihren Sitz haben: weiterhin im rheinischen Bonn oder „wieder“, wie es Helmut Kohl, an ältere Kontinuität anknüpfend, formulierte, in Berlin.

  • Jugend im heutigen Berlin

    Alles offen - nichts klar

    Da wird mir gleich auf der ersten Seite ein Ohrwurm eingepflanzt, der mich durchs ganze Buch begleitet. Julia heißt nämlich mit Nachnamen Augenstern, also nennen sie alle Puppchen.

  • Erforscht und erfunden

    Thermische Quellen am Grund des Baikalsees hat eine aus amerikanischen und sowjetischen Wissenschaftlern zusammengesetzte Expedition entdeckt.

  • Zäher Niedergang

    Kanzlerdämmerung? Der Anfang vom Ende? So derb die Niederlage für Helmut Kohl in seinem Stammland ausfiel: Bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz setzte sich nur eine Bewegung fort, die lange vor dem Jahr der deutschen Einheit angefangen hatte – der politische Auszehrungsprozeß der Unionsparteien und damit auch der konservativ-liberalen Koalition.

    Von Hochburg Rheinland-Pfalz

  • Raumfahrt

    Späher für die Umwelt

    Die Europäer wollen mit einem Allwetter-Satelliten unseren Planeten besser beobachten

    Von Hans Schuh

  • Friedenstiftende Gene?

    Nicht nur Aggressivität, auch die Bereitschaft zur Versöhnung ist der Menschheit in die Wiege gelegt

  • Oktober in Leipzig

    Laufenlernen

    Leipzig, im Herbst 1989.

  • Noch gilt uns das Menetekel

    Fünf Jahre nach Tschernobyl: Haben wir wirklich etwas aus der Katastrophe gelernt?

    Von Norbert Kostede

  • Medizin / Arzneimittel

    Tips für Selbstheiler

    Eine richtige Krankheit zu kurieren, das weiß jeder, dauert mit ärztlicher Hilfe acht Tage und ohne sie eine Woche. Wozu also in übervollen Wartezimmern auf Rezepte harren? „Hilf Dir selbst, dann brauchst Du keinen Arzt“ – Selbstmedikation ist en vogue, es wird geschluckt, was die Hausapotheke vorrätig, die Nachbarin empfohlen oder der Schwiegermutter schon mal geholfen hat.

    Von Burkhard Lüpke

  • Mitgefühl

    Während bei politischen Seminaren in New York und Berlin Mitglieder der westlichen Allianz sich noch immer in düsteren Betrachtungen über deutsche Unzuverlässigkeit und Drückebergerei beim Golfkrieg ergehen, werden in Bonn immer neue Hilfsaktionen für die Opfer dieses Krieges beschlossen: Die Hilfe für die kurdischen Flüchtlinge wurde auf 415 Millionen Mark aufgestockt.

  • Im vertrauten Ton: Neue Bücher für kleine Leser (Ost)

    Disneyland und Deutsche Reichsbahn

    Wer jetzt in den neuen Bundesländern mit Bilderbüchern, Fibeln und ersten Geschichten lesen lernt, w

  • DIE ZEIT
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  • Choraljazz - ein Kirchenkonzert anderer Art

    Beim ersten Hören: zögerndes Befremden. Beim nächstenmal weiß man, daß sich, wenn scheinbar wenig geschieht, viel ereignet: Die Ruhe fängt an mitzuklingen.

    Von Manfred Sack

  • Metro Goldwyn Mayer

    Hoffnung auf ein Happy-End

    Europa, gib acht! Bald werde ich dort brüllen“, verkündete Giancarlo Parretti am 25. Oktober 1990, einen Abend bevor er den Hollywood-Giganten Metro Goldwyn Mayer (MGM)-United Artists übernahm.

  • Eine Nacht in Monte Carlo

    Einmal da sein, wo die Schönen und Reichen sich tummeln, einmal in großer Robe in die Spielbank rauschen und in Begleitung eines Gentleman im Abendanzug ein paar Jetons auf Rot oder auf die Siebzehn setzen; einmal in der Oper neben der Fürstenloge sitzen und Prinzessin Caroline von ganz nah sehen, zumindest durchs Opernglas – Ferienträume.

    Von Kornelia Dietrich

  • Für Anfänger

    Hätten Sie gewußt, daß es in Barcelona nicht empfehlenswert ist, zum Stierkampf zu gehen, weil der dort etwa so typisch ist wie Jodeln und Fingerhakeln in Niedersachsen? Oder daß ein Besuch im Moskauer Bolschoj-Ballett nur lohnt, wenn man in einer der ersten zwanzig Reihen sitzt, weil sonst Sicht und Akustik schlecht sind? Die neuen Marco-Polo-Reiseführer geben unter der Überschrift „Bloß nicht!“ Tips, wie Reisende in der Fremde bösen Überraschungen, Fauxpas und Touristenfallen entgehen können.

  • In loser Folge portraitiert unser Reporter Wirtschaftsblätter von internationaler Bedeutung

    Sechs Einspalter als Visitenkarte

    Seriös, unterhaltsam und auflagenstark: Das „Wall Street Journal“ ist die größte amerikanische Tageszeitung

  • Ferienwohnungen

    Landlord auf Zeit

    Ein Tisch, ein paar Stühle, ein Bett, ein Kleiderschrank – und ein Panoramablick auf den Kuhstall. Oft hat sich die im Katalog als bequem und komfortabel angepriesene, meist auch noch völlig überteuerte Ferienwohnung schlicht als Windei entpuppt.

    Von Brigitte Wolter

  • Mut zur Einmischung

    Zuerst, nach dem Debakel des bürokratischen Systems in Osteuropa, sahen sich viele der Intellektuellen in der Defensive, als wäre doch mindestens ein Bezugssystem weggebrochen. Dann, nach dem 9.

  • zu enden wo nie zuvor

    „Immer noch nicht mehr“: ein letzter Text von und eine umfassende Biographie über Samuel Beckett

  • Design-Fossilien

    Auch wenn der westliche Betrachter eines Trabis es kaum für möglich halten wird, es gab sie auch in der DDR: die Designer. Im ehemals anderen Deutschland „Gestalter" genannt, fristeten sie jedoch ein karges Dasein.

  • Radikale Trendwende

    Wenn sich am Wochenende in Washington die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben großen Industrieländer zusammensetzen, werden sie vor allem über ihr jüngstes Sorgenkind sprechen müssen: die Mark.

  • Herz auf der Mauer

    Visuelle Poesie aus der DDR Als die Worte noch Bilder waren, gab es beim Lesen viel zu sehen.

  • Ausstellung in Berlin

    Gesehen und vergessen

    „Metropolis“ – ein Paradefall des leeren, immerfort betriebsbereiten Kunstmanagements

  • Vereinszweck: Sauberkeit

    Ander Außenwand des SchwurgerichtssaalsL 111 im Landgericht Düsseldorfhängt ein gewaltiges Triptychon. ReligiöseMotive führen auf drastische Weise vor, was dem Menschen widerfahren wird – je nachdem, ob er gut war oder böse.

  • Schöne Pausen

    Viele Jazzlexika kennen sie nicht anzutreffen in jener Atmosphäre, die Trurhan Capote so trefflich beschrieben hat: „Der Raum schwimmt im Zigarettenrauch und Samstagnachtparfum.

    Von Michael Naura

  • Krenitschij, 25 Kilometer von Tschernobyl entfernt

    Der liebe Gott vergißt uns nicht

    Wie 28 alte Menschen in einem Dorf leben, das von allen Landkarten gestrichen wurde

  • Warten auf die Deutschen

    Im Souk der zentraltunesischen Stadt Sousse herrscht lebhaftes Treiben: In den engen, schattigen Gassen feilschen Frauen im Schleier, dem weißen safsari, lautstark um den Preis von Oliven und Nüssen.

  • "Es war eine schöne Zeit"

    Lohnt es sich überhaupt noch, ein Buch über die versunkene DDR zu lesen, wenn doch alle Hände voll z

  • Ökotourismus in Ecuador

    Bananensuppe und Bier mit Spucke gebraut

    Über Nacht hat der Regen den Bach zu einem ansehnlichen Fluß anschwellen lassen, und die knöcheltiefe Furt, durch die wir einige Tage zuvor auf dem Hinweg nach Capirona gewatet waren, hat sich nun in eine kleine Stromschnelle verwandelt.

    Von Christian Bühring-Uhle

  • Brief aus Kiew an die ZEIT

    Ich bin Ukrainer. Ich heiße Leonid Andrijowitsch, Einwohner von Kyiw. Ich wurde im Alter von 16 Jahre ins Deutschland deportiert (Westfalien).

  • Nichts geht mehr

    Der innere Zerfall der Sowjetunion blockiert den unentbehrlichen Handel mit dem Westen

  • Neue Musik - was sonst!

    Wenn ein Komponist Streichquartette komponiert, dann kann man ihn mit einem Schachspieler vergleichen, der ein Endspiel zu bewältigen hat: Von den ursprünglich 32 Figuren sind nur noch ganz wenige auf dem Brett.

    Von Eckhard Roelcke

  • Was’n kleinkariertes Volk

    Woran der Ossi den Wessi erkennt – und umgekehrt. Mit der Schriftstellerin Helga Schütz sprach Dieter E. Zimmer

  • Gesellschaft
  • Schön ruhig und ein wenig traurig

    An die Ankunft in Tunesien erinnere ich mich genau – es war der Tee in Sidi Bou Said. Eine schmale Straße führte bergauf, rechts und links an den Häuserwänden standen Händler mit ihren Ständen.

    Von Jutta Duhm-Heitzmann

  • Fernseh-Vorschau (I)

    Bilder zum Hören

    Die Pianistin des alten Europa wurde sie genannt, als ihre große Karriere nach dem Zweiten Weltkrieg begann. Clara Haskil war über fünfzig, als man ihren besonderen Ton entdeckte, als man in ihren Konzerten wiederentdeckte, was verloren war.

    Von Martin Ahrends

  • Schwierige Aufholjagd

    Die deutsche Einheit, politisch längst vollzogen, läßt statistisch noch auf sich warten. Erstmals haben die Experten des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden nun für die neuen Bundesländer das Bruttosozialprodukt für das zweite Halbjahr 1990 errechnet.

  • Manager und Märkte

    Heinz Dürr, seit Beginn des Jahres Chef der Deutschen Bundesbahn, drückt gewaltig aufs Tempo. Ein Sanierungskonzept für den chronisch in roten Zahlen arbeitenden Staatsbetrieb, der allein 1990 fünf Milliarden Mark Verlust machte, will er bereits „bis Ende dieses Jahres“ aufgestellt und „gesetzgeberisch in Gang gesetzt“ haben.

    Von Judith Reicherzer

  • Spargeltage

    Spargel gehört zweifelsohne zu den kulinarischen Hochgenüssen des Frühjahres. Wer direkt in den Anbaugebieten mehr über diese Spezialität erfahren möchte, dem bieten einige Verkehrsämter entsprechendePauschalarrangements.

  • Chronik einer langen Affäre

    Der Prozeß gegen Walther Leisler Kiep und seinen Generalbevollmächtigten Uwe Lüthje setzt das letzte Schlaglicht auf eine Affäre, deren Geschichte beinahe so alt ist wie die der alten Bundesrepublik.

  • König oder Kuh

    Warum tun wir es nur immer wieder? Wir verlassen unsere gemütliche Wohnung, fahren quer durch die Stadt, suchen verzweifelt einen Parkplatz und quetschen uns dann an einen winzigen Tisch.

    Von Monika Putschögl

  • Leben die Bücher bald?

    Ist die Vereinigung der beiden Deutschländer gescheitert? Sitzen die alten, roten Bonzen, mit westlicher Hilfe schwarz gewendet, wieder an den Hebeln der Macht? „Horrorlandschaft mit ideologischem Unrat“: Der Titel des mit kalter Wut geschriebenen Aufsatzes könnte über vielen Zustandsbeschreibungen aus den fünf neuen, in Wahrheit kolonialisierten Ländern stehen.

    Von Rolf Michaelis

  • Die Bretagne öffnet ihre Herrensitze und Schlösser

    Die Franzosen fördern immer mehr eine thematisch orientierte Entdeckung ihrer Regionen und Städte. So steht die Bretagne ganz im Zeichen des Schlösserjahres, und in Aix-en-Provence wandelt der Tourist auf den Spuren von Cézanne.

  • Opern-Uraufführung in Bielefeld: „Katharina Blum“ von Tilo Medek

    Mief und Moral

    Schon bei Heinrich Böll ist die Moral recht einfach: Katharina Blum ist gut, und die Welt, besonders die Männerwelt, ist schlecht.

    Von Eckhard Roelcke

  • DAS LETZTE

    Als wir dieser Tage in der FAZ lasen, der Alfred-Kerr-Preis, den, wie jedermann weiß, alljährlich das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels an Literaturredaktionen verleiht, der Kerr-Preis also, benannt nach dem großen Theaterkritiker Alfred Kerr, der auch ab und an eine Literaturkritik geschrieben hat, dieser Preis nun sei der neuen ZEIT zugesprochen worden, da schlug uns das Herz im Halse.

    Von Karsten Witte

  • Die Freiheit und die Sonne ist alles, was ich begehre

    Die romantisch-nostalgische Klage im Tagebuch eines Mannes, der vor genau hundert Jahren starb, klingt überraschend aktuell: „Die Verzerrung Roms ist greuelvoll, der wunderbare Zauber der Geschichte ist der modernen Bauspekulation zum Opfer gefallen.

  • Kino: „Ein Engel an meiner Tafel“

    Die Streiche der Verzweiflung

    Wie entfacht man einen Sturm? Shakespeare beispielsweise verfügte über die Eingebung, dem Willen eines Herrschers den Wunsch eines Dieners beizugesellen.

  • Mit dem Rad durch Deutschlands Osten

    Für Radfahrer gibt es in diesem Jahr direkt vor der Haustüre ein neues, für viele noch unbekanntes Gebiet zu entdecken: die ehemalige DDR.

  • Zeitung für den guten Zweck

    Für die Beteuerungen von Walther Leisler Kiep und Uwe Lüthje, die Staatsbürgerliche Vereinigung habe immer wieder in eigener Machtvollkommenheit gehandelt, findet sich in den Geschäftspapieren des Jahres 1960 ein besonders hübsches Beispiel.

  • Die vertraute Katastrophe

    Die Kinder von Tschernobyl haben ihren Alltag gemalt. Die Bilder (zur Zeit ausgestellt im Berliner Rathaus Schöneberg) sind altklug, unbeholfen, spontan und grandios wie Kinderbilder überall auf der Welt.

    Von Ulrich Beck

  • Fernseh-Vorschau (II)

    Die Unrast

    ivian Naefe führt uns ihre Generation vor: Als vierzigjähriger Teenager bei einem späten Klassentreffen. Wie Kirschners Film die Langsamkeit forciert, forciert dieser die Unrast; panisch locker sind sie alle, und alle machen sie einen exzellenten Eindruck.

  • Musik von Kassel bis Bad Kissingen

    Dem Komponisten Gustav Mahler widmet die Stadt Kassel vom 7. bis zum 14. Juli ein Festival. Zu hören sind die 2., 5., 6. und 7.

  • Fernseh-Kritik

    Sein Werk

    Das, wovor ich mich am meisten gefürchtet hatte bei dieser Sendung, das Interview mit dem Dichter, war das beste dran. Die Burgtheaterei konnte man vergessen, die Fachsimpelei des Dramatikers aber hatte was.

    Von Barbara Sichtermann

  • Kinder- und Jugendbücher
  • Ein türkischer Junge als blinder Passagier

    Wie die Störche

    Türkische Musik ist Katzenmusik. Radio Monaco klingt einfach besser „Mütterchen, schönstes! Wetten, daß sie schnarcht?" Nico, der niederländische Fernfahrer grinst zur schlafenden Frau in dem übervollen Auto der türkischen Familie hinunter.

  • Schatten der Gegenwart

    Lb Frühjahr 1991 erscheint im Frankfurter Alibaba Verlag ein Programm israelischer Jugendliteratur. Ein ungewöhnliches Vorhaben.

  • Kultur
  • Auge in Auge

    Budapest im Sommer 89. Vor der bundesdeutschen Botschaft steht ein kleiner Wohnwagen der DDR-Botschaft: für Rückkehrwillige.

  • Hauptsache: anstehen

    Die Schlange sei viel interessanter als das, wofür angestanden wird. „Eine genügend lange Schlange löst den Anlaß der Schlange auf.

    Von halbleer

  • Zeitmosaik

    Die Amerikaner wissen nichts über irgendeine Kultur. Sie kennen nicht die deutsche Kultur, nicht die französische Kultur. Sie verstehen kaum etwas von Kanada oder Mexiko – das ist der Geisteszustand in diesem Land.

  • Dicker Mann, was nun?

    Über „Emblematische Strukturen in kurzer Prosa“ hat er vor zwei Jahren promoviert. Also begann ich, pardon, seine eigene kurze Prosa nach Emblemen, Allegorien, Symbolen (was ist noch mal der Unterschied?) abzuklopfen.

    Von Hajo Steinen

  • Die Frau des Moribunden

    Krankheit an und schickt ihn auf kleine Fluchten vor sich selbst und einem fehlgelaufenen Leben. Unvermittelt bricht das Erzählen ab und läßt den Leser allenfalls mit dem Basisstoff für einen Roman zurück; im nachhinein liest sich das Ganze wie ein Musterexemplar eines aufgegebenen Werkes, in dem einzig die erzählerische Idee, die Grenzen zwischen Realitätserfahrung und Fiktionalität zu verwischen, konturiert wird – auch die mangelnde sprachliche Präzision läßt eher an einen Entwurf denken.

  • Mitten dazwischen

    So beginnt dieser Roman: „Ich heiße Karim Amir und bin ein waschechter Engländer – jedenfalls beinahe. Man hält mich oft für eine komische Sorte Engländer, als gehörte ich zu einer Art neuen Rasse, die aus zwei alten Kulturen hervorgegangen ist.

    Von Michi Strausfeld

  • Die traurige Muse

    Ein gutes wissenschaftliches Buch hat eine Frage, eine These, die sich oft recht einfach ausnimmt.

    Von Martin Warnke

  • Ein riesenhafter Recke

    Denkmäler des Kanzlers der zweiten deutschen Einigung werden uns hoffentlich erspart bleiben. Vom Kanzler der ersten deutschen Einigung, Otto von Bismarck, gibt es sie zuhauf.

  • Ein hellsichtiger Nonkonformist

    Seine „in weniger als sechzig Jahren von sieben großen Revolutionen" durchpflügte Epoche empfand Ale

    Von Sven Papcke

  • Auch Philosophen lesen Freud

    Von der Gottnatur bis zur Romantiknatur spannt sich ein Bogen kultivierender Gesten, mit deren Hilfe Menschen versuchten, die Natur vor dem zerstörerischen Zugriff des Menschen zu bewahren.

    Von Bernd Nitzschke

  • Auf der Erde in der Hölle

    Auf der Erde und in der Hölle“: Von diesem Titel eines Gedichtbandes, den ich 1957 in einer Tübinger Buchhandlung sah, ging sofort so etwas wie ein Sog aus; er bezeichnete fast übertrieben genau das Lebensgefühl des Zwanzigjährigen, der ich damals war.

  • Leipzig total

    Die Statur mittel, die Augen dunkelgrau, der Mund vollippig, das Gesicht blaß, und als besonderes Ke

  • Liebe aus nichts

    Ein kleiner Junge bereitet einen großen Theaterabend vor: Er lädt Verwandte und Freunde ein, schneidert Kostüme, dekoriert den Salon, fertigt ein Programmheft.

  • Piraten und Seifenblasen

    Wir Binnenlandbewohner lieben die Piraten, weil es sie nicht mehr gibt, weil sie im Zuge der Industrialisierung der christlichen Seefahrt zu Märchenfiguren und Metaphern heruntergekommen sind.

  • Wie ein Boxer

    In einer ihrer Geschichten schreibt Peggy Parnass über ihren Vater, von dem sie sagt, sie könne sich kaum noch an ihn erinnert!.

  • Alkohol und Orgien

    Als Kubaner in New York: Miguel Barnet und Oscar Hijuelos variieren und verschenken ein Thema

    Von Martin Hielscher

  • Bei Uwe Johnson in Güstrow

    Schwer fällt der Schatten des roten Gotteshauses in die Stuben des Pfarrhauses am Domplatz 6 in Güstrow. Der Landessuperintendent, Axel Walter, hat in seinen von alten Bibeln, Registern und Karteikästen ummauerten Räumen, unter dem Kruzifix an der Wand, wohl selten eine so rundum vergnügte Gesellschaft versammelt: lauter Leser, Freunde, Kommilitonen von Uwe Johnson, der an der John Brinckman-Schule nebenan 1953 sein Abitur gemacht hat.

    Von R. M.

  • Küche der Lüste

    Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern auch von der spanischen Fliege. Das scheint die Devise Piero Camporesis zu sein, der uns erst kürzlich in „Das.

    Von Volker Reinhardt

  • Säbel wider Dolch

    Über keinen Menschen habe ich in meinem Leben mehr nachgedacht als über, Carl Schmitt.

    Von Hans-Martin Lohmann

  • Einfach schön

    Dieser neue Hirmer Band über die Skulptur des Quattrocento (der erste einer auf zwei Bände angelegte

    Von Gottfried Sello

  • Antifaschismus – ein deutscher Mythos

    Im Januar 1990 fand im Ostberliner Lustgarten eine große Demonstration der neugegründeten PDS statt. Die Partei wollte die Einheit der „Antifaschisten“ gegen die imperialistische Bundesrepublik beschwören.

    Von Antonia Granenberg

  • Vom Tod im Frühling

    Universitas. Zeitschrift für interdisziplinäre Wissenschaft entwickelt sich mehr und mehr zu einem Forum allgemeiner Lebensfragen.

    Von Harry Pross

  • Zerstörte Idylle

    Noch ein Kriegstagebuch? Und dazu aus einer Landschaft, die - zumindest aus touristischer Erfahrung

  • Alte Kampfgemeinschaft

    Im Andenken an frühe Jahre verehrend teilnehmend", so lautete das von Martin Heidegger am 2. März aufgegebene Beileidstelegramm an Jaspers Frau Gertrud. Der Dank der Witwe schloß gleichermaßen das Gedenken der frühen Jahre ein.

    Von Jutta Georg-Lauer

  • Geschichte vom Traum-Mann

    Natürlich ist es herrlich für Frauen wie uns, in einer Geschichte zu lesen, daß ein Photomodell darunter leidet, von Tag zu Tag unattraktiver zu werden.

    Von Hajo Steinen

  • Über allen Ratten ist Wien

    Es ist Frühling, keine schlechte Jahreszeit für ein Buch über Wien. Im Prater blüh’n wieder die Bäume. „... ich liebe Wien“, schreibt Wolfgang Koeppen in einem Text über Karl Kraus, „die Lipizzaner am Mittag im Stall, wenn sie sich ausruhen von der Vorstellung und dem Beifall, liebe den Moder der Kapuzinergruft, weil die alten Oger nun tot sind, den Tafelspitz beim Sacher, der nicht immer gut ist, die Torte beim Dehmel, die man als Kind gegessen haben muß, um die Enttäuschung zu schlecken, die unheimlichen Witwen im Prater, die miteinander tanzen, unter Schleiern verschlungen, Bacchantinnen und Klageweiber, die süße, faule Nacht am Naschmarkt, wo jedermann versteckt ist, die Lust, die Pest, die Türken .

    Von Helmut Schödel

  • Ekstase! Wo ist das Postamt?

    Der erste Band der Tagebücher Virginia Woolfs und eine Neuübersetzung ihres „Orlando“

    Von Jutta Duhm-Heitzmann

  • Chronisten der bröckelnden Mauer

    Die Mauer ist kein Heiligtum, sondern ein schrecklicher Irrtum!", „Knock it down", „Tear down die wa

  • Von Vampiren und Magiern

    Nicht nur auf der Schwäbischen Alb haben Wünschelrutengänger Hochkonjunktur, und während Altötting j

    Von Rebekka Habermas

  • Pflicht ohne Passion

    Das letzte, was wir von ihm sehen und hören, stammt aus dem Nazifilm vom Prozeß gegen die Verschwörer des 20.

    Von Karl-Heinz Janßen

  • Rache mit Champagner

    Sie liegt vor mir, gewissermaßen, mit Goldreifen an ein Bett gefesselt. Sie kann nichts sagen, denn ihr Mund ist durch ein breites Klebeband verschlossen: die Position der Autorin vor ihrem Kritiker, dem dabei freilich noch weniger wohl ist als ihr.

    Von Rudolf Walter Leonhardt

  • Erzähl mir vom Krieg!

    Eine Vatergestalt, ja mehr noch: ein „Übervater: mächtig, prunkvoll, herrscherlich, aber gar nicht bedrohend, und vollkommen geistig“.

  • Vita, Virginia und Angelica

    Was verbindet diese Namen? Die Liebe. Vita liebt Virginia, diese liebt beide, auf ihre schüchterne, ironische und kindliche Weise – nur die Jüngste, Angelica, scheint nicht geliebt zu haben, sie scheint das Opfer freundlicher Täuschungen zu sein und kämpft, mit einer Verspätung von Jahrzehnten, beim Schreiben ihrer Erinnerungen um ihre Identität.

    Von Katharina Rutschky

  • Nicht Hühnerauge, sondern Buckel

    Grenzgänger beflügeln das Geistesleben. Der Publizist Günter Gaus faßt seine Gemütsbewegungen angesichts der DDR Revolution in eine Erzählung.

    Von Jost Nolte

  • Futuristische Marschmusik

    Der Künstler als Revolutionär – das hatten wir schon. Aber der Revolutionär als Künstler – läßt sich dergleichen hier behaupten? Ein besonderer Fall, auf jeden Fall: Gustav Klucis, dessen Werk jetzt in Kassel zu sehen ist, zum ersten Mal im Westen überhaupt.

    Von Benedikt Erenz

  • Zauber-Traum

    Ulla Berkéwicz ist eine Zauberträumerin. Jeder Satz in ihrer Prosa verlangt Ekstase, fordert absolute Leidenschaft. Sie verläßt die Wirklichkeit und macht sich auf ins Reich der Poesie.

  • Ist die Utopie am Ende?

    Der politische und wirtschaftliche Zusammenbruch der Länder des sogenannten „real existierenden Sozialismus" in Mittelund Osteuropa hat manche Frage neu aufgeworfen.

    Von Herfried Münkler

  • Wir tranken schön Tee

  • Der Mann des Buchstabens

    William Shakespeare hatte keinen besonderen Anspruch auf den Buchstaben S, doch für unsere Zeit und vielleicht auch für künftige Jahrhunderte gehört K zu Franz Kafka.

    Von George Steiner

  • Der Schweiß der Steine

    Fünfundzwanzig Jahre Arbeit – und nicht mehr als ein schlanker Band Gedichte: Das ist das Maß, mit dem der Lyriker sein Leben mißt.

    Von Michael Zeller

  • Photokopiertes Blut

    Ein Schriftsteller, den man lieben muß; ohne ihn etwa persönlich gekannt zu haben. Und wer mit ihm befreundet war, schwärmt wie Gregor von Rezzori noch 1989: „Er kam über Jugoslawien aus Griechenland, hatte einen Monat lang bei den Mönchen auf Athos gelebt, in Dalmatien prähistorische Grabsteine studiert und auf dem Surfbrett die Adriaküste abgesegelt, sprach sprudelnd von seiner Absicht, zu den Antillen zu fahren, von den Liebhaberpreisen, die Exemplare der vergriffenen Erstausgaben seiner Bücher erzielten, von seiner Lossage von jeglichem Besitz mit Ausnahme weniger, seltener kultischer Gegenstände aus Ägypten, Mexiko, von den Fidschiinseln und Eskimoland, erzählte von New Yorker Cocktailpartys und von der Mühsal, 10 000 Bände einer Buchclub-Ausgabe der ‚Songlines‘ zu signieren.

    Von Fritz J.raddatz

  • Länderspiegel
  • Berlin-Ost

    Schloß aus dem Westen

    Meine Freunde warnen mich und erzählen Geschichten. Zum Beispiel: Die dreiundachtzigjährige Mutter des Schriftstellers Ulrich Plenzdorf hat die Tür geöffnet, ohne zu fragen, ist überfallen und gewürgt worden.

  • Kot vom Hund

    „Ein Beispiel: Auf der Straße Alt-Moabit hat ein großer Hund eine Riesentretmine abgelegt. Die Hundehalterin sah seelenruhig eisschleckend zu.

  • Fleisch vom Pferd

    Im Chemnitzer Stadtzentrum gibt es eine Gaststätte, bei der seit Mitte der 50er Jahre ausschließlich Gerichte aus Pferdefleisch auf der Speisekarte stehen: die Roßschlächterei Franklin Hofmann.

  • Nordrhein-Westfalen

    Spekulanten machen sich breit

    Warum im Ruhrgebiet so viele Siedlungen verscherbelt werden, und wie Mieter sich wehren

    Von Roland Kirbach

  • Berlin-Ost

    „Weg mit dieser Frau“

    Ich zähle meine Pleiten. Mit diesem Satz beginnt das Buch. Es hat mich 34 Mark gekostet, aber dafür bin ich vom Informationslevel der 36.

  • Pfadfinder und Heilsbringer

    „Neulich war ein Unternehmensberater hier, der entwarf ganz lässig seine Strategie von einem Ärztehaus: ‚Alles, was über 50 ist, schmeißen wir raus‘, sagte er.

    Von Leiterin der Poliklinik Berlin-Friedrichshain

  • Berlin-Ost

    Ein Wessi lernt dazu

    Erich Böhme, ehemals Chefredakteur des Spiegel, heute Herausgeber der Berliner Zeitung, hat zu den 125 eingeborenen Kollegen dreißig aus dem Westen hinzugekauft.

  • Du Bock Du

    Ein Hamburger Richter ist ins Blickfeld geraten: Jürgen Schenck, der 62jährige Vorsitzende der Großen Strafkammer am Landgericht Hamburg, sprach im Namen des Volkes das Urteil über Kreml-Flieger Mathias Rust.

    Von Viola Roggenkamp

  • Brandenburg

    Hilfe für Kallinchen

    Vor der sogenannten Wende glaubten Kolleginnen und Freunde immer, ich hätte den Namen erfunden: „Kallinchen“ – nie gehört. Dabei gibt es das Dorf am Motzener See, Kreis Zossen, Bezirk Potsdam, immerhin seit nunmehr 561 Jahren.

  • Niedersachsen

    Kunst auf der Kippe

    Kunst überall“ heißt ein bundesweit wohl einmaliges Skulpturenprojekt der Stadt Salzgitter im Südosten Niedersachsens. Künstler aus dem In- und Ausland sind dabei eingeladen, auf Kosten der Stadt eine Freiplastik zu schaffen.

    Von Eberhard Löblich

  • Lebensart
  • Ben Witter: Geschichten ohne Menschen

    Haus im Loch

    Ein nach oben geschlossenes Loch, fast so spitz wie ein Trichter, die Spinnen hatten ihre Fäden kreisförmig ziehen müssen. Eine Schicht überdeckte die andere.

    Von Peter Kipphoff

  • Syrisch-orthodoxe Christen und das Asylrecht

    Abschieben?

    Die Bonner Koalitionsparteien hatten es versprochen: Das neue Ausländergesetz werde mehr Rechtssicherheit gerade für diejenigen Ausländer bedeuten, die sich schon seit längerer Zeit in Deutschland aufhielten.

  • Janusz Tycner: Brief aus Warschau

    Unser Russe

    Es sind meine Töchter gewesen, die diese Neuigkeit von unserem ziemlich groß angelegten, unübersichtlichen Innenhof mit in die Wohnung brachten.

  • Pet Shop Boys

    Süßes Zeug

    Ihre Musik gefällt dem Kirmesbesucher wie dem Stammgast der edlen New Yorker Schwülen-Diskothek; vierzehnjährige Mädchen und intellektuelle Hitparaden-Hasser schwärmen von den Songs; der arbeitslose Rostocker Schiffsbau-Azubi und der hochbezahlte Art Director aus dem Hamburger Eppendorf teilen eine große Begeisterung: die für das Londoner Synthesizer-Popduo Pet Shop Boys.

    Von Rene Martens

  • Vor hundert Jahren gab England dem Fußball, was des Fußballs ist

    Lob des Elfmeters

    1891 war’s – Herr Lilienthal glitt gerade von den Hängen, Herr Zeller komponierte den „Vogelhändler“, das Schlierseer Bauerntheater wurde gegründet, aber man kann nicht an alles denken – 1891 war’s, da brachten im Spiel Notts County gegen Stoke City die einen die anderen an den Rand der Verzweiflung, indem sie, ihren Sieg zu retten, nach einem Handspiel im Torraum kurz vor Toresschluß beim damals üblichen Freistoß ihr Tor einfach zusperrten – unverschämterweise alle Mann hoch zwischen den Pfosten.

    Von Aloys Behler

  • Fernöstliche Medizin

    Nadeln, Massagen und Beifuß

    In einer Klinik im Bayerischen Wald bieten chinesische Ärzte ihre Heilkunst an

    Von Hans Harald Bräutigam

  • Die Gartenlaube

    Eine seltsame Last hatte der Riesenkrahn am Krahnhöft zu Hamburg kürzlich in die Höhe zu winden: es war ein gewaltiges Exemplar von einem Finnwal, welcher, von der tödlichen Harpune an der norwegischen Küste ereilt, vom Dampfer „Neptun“ bis in die Fluthen der Elbe geschleift worden war, um dort den Hamburgern als Sehenswürdigkeit gezeigt zu werden.

  • Lehrer in Aufruhr

    Am Wahlabend des 2. Dezember vergangenen Jahres hat Marianne Birthler vom Forum 90 es mit nur einem Satz fertiggebracht, sich auch im Westen einen Namen zu machen.

    Von Sabine Etzold

  • Dominique Lapierre

    Die größte Tugend ist das Mitleid

    In solchem Gehäuse erwarten wir eher den Privatgelehrten denn den Weltreisenden. Die Decken hoch, das Licht dämmrig, der Schreibtisch in der Alkovennische wuchtig.

    Von Joachim Fritz-Vannahme

  • Zeitlese

    Vergeblich kämpfen die Mülheimer in Mülheim an der Ruhr seit Jahren gegen das „zweite h“, das auswärtige Ignoranten dem Namen ihrer Stadt unablässig unterjubeln.

  • Ein Neuer für die „alte Lady“

    Manager von Gottes Gnaden

    Das geistliche Oberhaupt der anglikanischen Kirche will vor allem die Jugend bekehren

    Von Jürgen Krönig

  • Tribüne
  • Lieber handeln als verhandeln

    Was wir jetzt brauchen, ist eine neue Konzeption von Atomwaffenkontrolle. Sie müßte vor allem in Betracht ziehen, daß bei andauernden bürgerkriegsähnlichen Zuständen in der Sowjetunion viele der mehr als 25 000 Atomsprengköpfe geraubt oder gestohlen werden könnten.

    Von Stansfield Turner

  • Freunde kann man nicht kaufen

    STEINAU. – Der Wähler kann sich des Eindruckes nicht erwehren, daß in Bonn die Politik hauptsächlich darin besteht, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Geld auszugeben.

    Von Agnes Lerose

  • Ein Land sucht Sicherheit

    WARSCHAU. – Mit dem Abzug einer Raketeneinheit aus Pommern beginnt in diesen Wochen das Ende der bewaffneten sowjetischen Präsenz in Polen.

    Von Janusz Tycner

  • Zeitläufe
  • Der wirtschaftliche Aufschwung in den angeschlossenen Ländern ließ lange auf sich warten. Die neuen Herren machten sich durch Profitgier und Hochnäsigkeit verhaßt.

    Wiedervereinigung auf amerikanisch

    Die mißlungene „Reconstruction“ nach dem Bürgerkrieg (1865-1877): Der Süden blieb weit hinter dem Norden zurück

    Von Stie Förster

  • BUCH IM GESPRÄCH

    Das Menetekel von Tschernobyl

    Wir sind gut konditioniert: Der Schrecken vermag uns nur für kurze Zeit zu erschrecken. Katastrophen nehmen wir zur Kenntnis, nur um sie rasch wieder zu vergessen.

    Von Hans Harald Bräutiga