Eines Tages hatte der Großvater, der zur letzten Generation gehörte, in welcher die Großväter noch aussahen wie Großväter, nämlich auf eine gewisse würdevolle Weise alt und respekterheischend – hatte also der Großvater eine Pumpe in seinen Garten bohren und besonders gern seinen Enkel den Schwengel führen sowie die Gießkannen füllen und schleppen lassen, dreimal die Woche, wenn die Sonne wütete. Es geschah, was Karel Čapek im „Jahr des Gärtners“ vom Gärtner berichtet: Ich zählte wie er die Kannen, „so wie der Automobilist die Kilometer“ – und ahnte aber wohl auch, „was das für eine Wohltat ist, wenn das kühle schäumende Wasser auf den ausgetrockneten Boden rieselt; wenn es gegen Abend auf den Blüten und Blättern, die von der eifrigen Dusche ganz schwer sind, funkelt; wenn dann der ganze Garten feucht und erleichtert aufatmet, so wie ein durstiger Wanderer aufatmet.“ Denn, so liest man wiederum im Büchlein „Rosen, Rasen und Radieschen“, auch richtig wässern wolle gelernt sein, nämlich „gründlich oder gar nicht! Gründlich meint, bis in die Tiefe durchnäßt.“

Nun beginnt hier kein Kursus für Freizeitgärtner, sondern eine Eloge auf den Gartenschlauch, der die Gießfron in einen Spritzspaß verwandelt. Mit einem Wasserhahn und einem Schlauch bespritzt man, wie natürlich nicht nur Čapek wußte, „nicht nur die Beete, sondern auch den Rasen, die Familie des Nachbarn, die gerade vespert, die Fußgänger auf der Straße, das Innere des Hauses, alle Familienmitglieder und am ausgiebigsten sich selbst“.

Unterdessen aber, seit dem Jahre 1976, nachdem sich zwei phantasievolle Unternehmer mit ein paar gescheiten Absolventen der Hochschule für Gestaltung in Ulm verbündet hatten, gibt es nicht mehr bloß einen Wasserhahn und einen Gartenschlauch, sondern allerlei Sachen, die an seinen Enden Furore machen und zusammen das bilden, was man ein System nennt und das so komplex ist, wie seine Bezeichnung klingt: Wasserschlauch- – Stecksystem. Das enervierende Hantieren am sperrigen Gewinde des Wasserhahns im Keller mit dem wackligen Messinggewinde des Gartenschlauches: vorbei. Seither funktioniert alles ganz einfach, weil es auf so schlaue Weise einfach konstruiert worden ist und so präzise gemacht wird. Es regt sich auch nicht der leiseste Zweifel, wenn man liest, Jahr um Jahr“ hätten die tüftelnden Gärtnerfreunde gleichsam, ein Teil nach dem anderen und ein Teil ans andere entworfen: den Wasserhahnanschluß, etliche Verbindungsteile, auch eines, das zwei Schläuche (an einer kaputten Stelle) miteinander verbindet, und Wasserstopper, Schlauchwasserhähne, regulierbare Zerstäuber, Brausen, Beregnungsapparate, natürlich auch einen Wurzelbewässerer. Und wahrhaftig: Es paßt alles aneinander.

Bescheiden (gewiß) der Anfang, genial die Idee, logisch ihre Entwicklung, plausibel jedes Teil, praktisch ihre Handhabung – und alles ausdrücklich lange haltbar, ansehnlich, sachlich –, dennoch wird auch den Sinnen Genüge getan. Man hantiert mit klug erdachten Gebrauchs-, nicht mit Verbrauchsgegenständen – und hat sogar ein Vergnügen daran.

Wie durch und durch gedacht auch das Design, wie unerhört vernünftig und perfekt das Ganze, wie fürsorglich der „kindersichere Schlauchanschluß“ (damit sie keine Dummheiten machen) – so ganz sind damit Karel Capeks Erfahrungen nicht aus der Welt: „Außerordentlich erfrischend ist es, mit dem Schlauch gegen den Wind zu spritzen; das ist geradezu eine Wasserkur...“

Den Produzenten dieser Alltags-Wohltaten für den Garten braucht man nicht zu nennen, nur die Farben: Grau für die festen, Orange für die beweglichen Teile, Sogar sie sind kein Zufall.