Millionen von Sparern machen sich in der Bundesrepublik Jahr für Jahr strafbar, weil sie die Erträge aus ihrem Geldbesitz dem Finanzamt nicht angeben. Dem Staat gehen dadurch jährlich 25 Milliarden Mark verloren. In seinem jüngsten Zinsurteil hat das Bundesverfassungsgericht den Gesetzgeber deshalb aufgefordert, bis 1993 dem heimlichen Zinskassieren einen Riegel vorzuschieben.

Indes: Mit etwas Sachverstand kann man auch ganz legal einen beachtlichen Vermögenszuwachs erreichen – ohne deshalb gleich auf riskante Wertpapiere, etwa Aktien, ausweichen zu müssen. Nicht alle Sparerträge werden nämlich gleich hoch besteuert.

Grundsätzlich sind Einnahmen aus Kapitalvermögen – vermindert um die Werbungskosten (Spesen, Depotgebühren und so weiter, mindestens 100 Mark, bei Verheirateten 200 Mark) – einkommensteuerpflichtig und müssen deshalb in der Anlage KSO der Steuererklärungen aufgeführt werden. Steuerfrei bleiben bisher lediglich Kapitalerträge unterhalb des Freibetrags von 600 Mark (bei Verheirateten das Doppelte). Nicht den Kapitalerträgen zuzurechnen sind jedoch realisierte Kursgewinne. Ob diese steuerliche Begünstigung von Kursgewinnen berechtigt ist, sei dahingestellt. Entscheidend ist, daß alle Formen der Geldanlage, die lediglich Zinsen abwerfen, jedoch keine Kursgewinne ermöglichen, für steuerbewußte Anleger weniger interessant sind. Dazu zählen vor allem Sparkonten und Festgelder, aber auch Wertpapiere, die nicht an der Börse gehandelt werden, etwa Finanzzierungsschätze des Bundes. Von ihnen sind die gesamten Erträge einkommensteuerpflichtig. Sie werden zum gleichen Satz versteuert wie das restliche Einkommen ihres Besitzers.

Anders sieht es mit börsennotierten Rentenwerten aus. Für sie wird täglich ein neuer Kurs festgestellt, zu dem sie ge- oder verkauft werden können. Fest steht nur, daß die Papiere am Tage ihrer Fälligkeit zum Kurs von 100 zurückgezahlt werden. Wer also eine Anleihe mit einem Kurs unter 100 kauft und bis zur Fälligkeit wartet, kassiert neben den Zinsen noch einen Kursgewinn. Und der ist steuerfrei.

Ein Beispiel: Eine Bundesobligation von Mitte 1987 wurde in den vergangenen Tagen mit einem Kurs von 96,66 notiert. Wer sie zu diesem Preis gekauft hat, kann bis zur Fälligkeit am 20. August 1992 einen steuerpflichtigen Jahreszins von 5,5 Prozent plus einem steuerfreien Kursgewinn von 3,34 Prozentpunkten am Ende der Laufzeit einnehmen. Ein Spar- oder ein Festgeldkonto müßte Zinsen in Höhe von 12,52 Prozent abwerfen, um nach Steuern den gleichen Ertrag zu bringen.

In der Tabelle sind noch eine Reihe weiterer steuergünstiger Zinspapiere mit unterschiedlichen Laufzeiten aufgeführt, welche die Rentenabteilung der Commerzbank aus der großen Zahl an der Börse gehandelter D-Mark-Anleihen ausgewählt hat. Darunter auch zwei Schuldscheine von Entwicklungsländern. Sie sind unter steuerlichen Aspekten besonders interessant, da Bonn für sie einen Bonus gewährt, quasi als eine Art Entwicklungshilfe: Auf einen Teil der Zinszahlungen kann eine fiktive Quellensteuer angerechnet werden, die in Wirklichkeit jedoch gar nicht zu bezahlen ist.

Mehr noch als festverzinsliche Anleihen profitierten Aktien von dem Grundprinzip, daß Kursgewinne von der Steuer befreit sind. Voraussetzung für die Steuerfreiheit ist jedoch, daß zwischen Kauf und Verkauf der Papiere mindestens sechs Monate liegen. So soll eine steuerliche Begünstigung riskanter Spekulationen vermieden werden. (Spekulationsgewinne innerhalb der Halbjahresfrist bleiben steuerfrei, sofern sie weniger als tausend Mark pro Aktionär ausmachen.)