Dortmund

Rauhhaardackel Lupo, ein Jahr alt, meint: „Meines Erachtens ist das eine ganz gezielte Kampagne. Heute geht’s gegen die Kampfhunde, morgen geht’s gegen die Boxer und die Huskies, und übermorgen geht’s gegen uns alle.“ Eher kritisch äußert sich auch Chow-Chow Idefix, sechs Jahre alt: „Ein Verbot würde auch gemäßigte Hunde scharenweise den Radikalen in die Pfoten treiben.“ Solche und ähnliche Antworten erhielt die Satire-Zeitschrift Titanic unlängst bei ihrer Hunde-Umfrage zum Thema: „Sollen Kampfhunde verboten werden?“

Gar nicht lustig findet Bernhard Meyer derlei Schabernack; dazu ist ihm das Thema zu ernst. Meyer ist Hauptgeschäftsführer des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH), der in einer alten Villa an der B 1 in Dortmund residiert. Vor einiger Zeit hat der Verband einen Ausschnitt-Dienst damit beauftragt, alle Hundeberichte in deutschen Zeitungen zu sammeln. Nur Horrorgeschichten, klagt Meyer, nur Negativberichte zu den stets wiederkehrenden Themen: Hundekot, Leinenzwang, Qualzüchtungen und, vor allem, „Kampfhunde“ (der VDH benutzt das Wort nur in Anführungszeichen und/oder in Verbindung mit dem Adjektiv „sogenannte“).

„Das Image des Hundes“, sagt Meyer mit sorgenvoller Miene, „ist dabei, vom Positiven ins Negative umzukippen.“ Was ist passiert? Eigentlich nichts, meint der Hundefunktionär. Weder hätten sich die Hunde hierzulande vermehrt (abgesehen von der deutsch-deutschen Hundevereinigung, bei der eine Million Ost-Hunde zu den 3,5 Millionen West-Hunden stießen), noch habe sich die Zahl der „Unfälle“ erhöht, wie Meyer es nennt, wenn Menschen von Hunden angefallen werden. Aber seit eineinhalb Jahren sei „das Thema ‚Kampfhunde‘ permanent da“ und habe im Gefolge die anderen Themen wiederbelebt.

So sind Berichte zum Thema Hundekot wieder en vogue. In einer Lokalzeitung im Ruhrgebiet war kürzlich zu lesen, der Leiter des Tiefbauamts in Haltern habe erklärt: „Wir werden auf die Dauer nicht daran vorbeikommen, den Mitarbeitern, die den Rasen schneiden, Schmutzzulagen oder zumindest Masken zu geben.“ Ja, erläutert Tiefbauamtsleiter Hermann Eikelschulte, es müsse nun gehandelt werden. Jeden Tag würden städtische Bedienstete von Hundekot beschmutzt, wenn sie öffentliche Rasen mähen: „Auf jedem Rasen liegen mehrere Haufen. Wenn die drei bis vier Meter breiten Walzenmäher da unglücklich drüberfahren, dann spritzt die Scheiße hoch.“

Der Verband Kommunaler Städtereinigungsbetriebe hat in einer „Kleinen Hundefibel“ das Problem unlängst in vollem Umfang aufgegriffen: Die 3,5 Millionen Hunde der alten Bundesrepublik hinterlassen danach 1050 Tonnen Kot täglich (bei einer statistischen Durchschnittsmenge von 300 Gramm je Hund und Tag). „Diese Mengen Hundekot sind für jeden einzelnen Bürger ein großes Ärgernis und besonders für die Stadtreinigungs- und Gartenbauämter eine starke Belastung!“ heißt es in der Fibel. An alle Hundehalter wird darin appelliert, ihre Hunde „nicht nur Stuben-, sondern auch bürgersteigrein“ zu erziehen, vor allem aus hygienischen Gründen: „Schon vier Wochen alte Welpen können täglich einige Millionen Hundespulwürmer (Toxocara canis) mit dem Kot ausscheiden. Die Eier dieser Würmer entwickeln sich in wenigen Monaten zur Ansteckungsreife. Sie bleiben auch nach der Verwitterung des Kots in der Erde mehrere Jahre lebensfähig.“

Auch das Thema Leinenzwang erhielt neue Aktualität. Ausgerechnet die Stadt Dortmund, die Hauptstadt des deutschen Hundes, verfügte vor einiger Zeit, daß Hunde im Stadtgebiet nur noch angeleint ausgeführt werden dürfen. Ein Dortmunder klagte dagegen; vor wenigen Monaten verlor er den Rechtsstreit in höchster Instanz vor dem Bundesgerichtshof. Das bedeute zwar nicht, erläutert Geschäftsführer Meyer, daß nun automatisch in allen Städten Leinenzwang gelte. Aber da dies ein Grundsatzurteil sei, könnten sich alle Kommunen darauf berufen, wenn sie ebenfalls den Leinenzwang einführen wollen. Und seiner Beobachtung zufolge machen immer mehr Städte und Gemeinden davon Gebrauch.