Als wichtigstes Ergebnis meldeten die Presseagenturen: „Der Wahltag verlief, im Gegensatz zu früheren Abstimmungen, ohne größere Zwischenfälle. Die offiziellen Endergebnisse der Wahlen in Mexiko werden erst im Laufe der Woche erwartet. Bestimmt wurden am vergangenen Sonntag 500 Abgeordnete, 32 (von 64) Senatoren, die Gouverneure von sechs der 31 Bundesstaaten, ferner regionale Parlamente, Gemeinderäte und das Abgeordnetenhaus von Mexiko-Stadt.

Der Wahlgewinner steht fest: Die seit 62 Jahren regierende „Partei der institutionalisierten Revolution“ (nach der spanischen Bezeichnung PRI abgekürzt) hat im Repräsentantenhaus mehr als 45 Prozent der Sitze erzielt. Und damit ist auch der Wahlsieger bekannt: Präsident Carlos Salinas de Gortari, der bei den Halbzeitwahlen einen Test auf seine Reformpolitik bestehen mußte. Daß er vor drei Jahren nur mit einer groben Wahlfälschung, die große Unruhen auslöste, an die Macht kam, gilt heute als ausgemacht. Aber sein rabiater Schwenk zu einer neoliberalen Wirtschaftspolitik hat sich ausgezahlt: Die Inflationsrate ist gesunken, das Bruttosozialprodukt wächst, der Haushalt weist einen Überschuß auf.

Für die Mehrheit der Mexikaner bedeutet diese Art der Sanierung Opfer, die auch durch ein paralleles Sozialprogramm – Trinkwasserversorgung, Elektrifizierung, Bau von Schulen – nur unzureichend gemildert werden.

Aber die Bereitschaft, nach Jahren der Stagnation und einer so korrupten wie ineffizienten Staatswirtschaft ein neues Rezept zu probieren, läßt sich an einem anderen Ergebnis ablesen: Die „Partei der demokratischen Revolution“, vor drei Jahren an der Spitze, ist auf den dritten Platz zurückgefallen. An die zweite Stelle schob sich die rechts von der Mitte angesiedelte „Partei der Nationalen Aktion“. H. B.