Die Kunde von der Diskriminierung der Männer auf pazifischen Eilanden kann uns nicht kaltlassen

Auf den ersten Blick vermissen wir die Datumszeile Loch Ness über der Meldung in der Süddeutschen Zeitung, die von einem Südpazifik-Forum berichtet. Aber weder ist die Meldung jener Jahreszeit zuzuordnen, in der Gurken sauer eingelegt werden, noch verdient sie die Unterbringung im Teil „Vermischtes“. Denn sie betrifft eine existentielle Frage.

Was Ratu Sir Kamisese Mara, den Premierminister der Fidschi-Inseln, besorgt macht, geht zwar in erster Linie die sogenannten letzten Paradiese der Erde im fernen Pazifik an, die gar nicht mehr so paradiesisch zu sein scheinen. Doch die Sorgen des Regierungschefs weisen auch in unsere eigene, wer weiß: vielleicht schon nahe, Zukunft.

Ratu Sir Kamisese Mara, der in Suva auf Viti Levu regiert, beklagt, daß auf pazifischen Eilanden die Männer diskriminiert werden. Daß diese Klage nicht aus hohlem Macho-Bauch kommt, beweist die Tatsache, daß schon im März Geoffrey Henry, der Regierungschef der Cook-Inseln, auf einem Seminar in Rataronga ins gleiche Horn geblasen hat. Damals verließ die Fidschi-Delegation den Ort unter Protest, als westliche Berater ihre Wertvorstellungen für die Frauen in der Gesellschaft der pazifischen Staaten empfahlen.

Wir können diesen Protest ebenso wie die Sorgen des fidschianischen Staatsmannes verstehen. Zum einen ist es schlechthin fatal, daß die Seuche des internationalen Seminar-Tourismus jetzt auch die pazifischen Inseln erfaßt hat. Zum anderen sind dabei vorneweg natürlich jene Schlaumeier aus dem Westen, die alles besser wissen und das, was sie zu Hause widerstrebend erlernt haben, nun den Leuten im Pazifik überstülpen wollen.

Dabei bedürfen vermutlich weder die Melanesier noch die Mikronesier einer Leitstelle für die Gleichberechtigung der Frau, sondern es wird sozusagen umgekehrt ein Schuh daraus: „Es gilt festzustellen, daß in einigen Inselstaaten die Frauen die Männer diskriminieren, indem sie in einigen Bereichen die Entscheidungen ganz allein treffen“, hat Ratu Sir Kamisese Mara erklärt. Müssen also im Pazifik um den Äquator herum eher Gleichstellungsleitstellen für Männer her?

Sollte es mit dem Seminar-Tourismus so weit kommen, daß unsere Schlaumeier nicht nur Seminare auf pazifischen Inseln besuchen, sondern deren Seminaristen auch uns, wäre denkbar, daß künftig von ihnen gute Ratschläge an Wochenenden auf Sylt oder Rügen zu vernehmen sein werden, wie Männer bei uns in Hinkunft stärker in die Entscheidungsfindung einzubinden sind.