Daß das Leben zum Zeitpunkt der Befruchtung beginnt, darf man glauben – zu beweisen ist es nicht

Von Kuno Kirschfeld

Das Problem des Paragraphen 218 ergibt sich aus der Frage, von wann an ein befruchtetes sich entwickelndes menschliches Ei ein „Mensch“ ist; von wann an ihm also der Schutz des Artikels 2 Absatz 2 Satz 1 des Grundgesetzes: „Jeder hat das Recht auf Leben ...“ zukommt.

Vom Zeitpunkt der Befruchtung an, sagen die christlichen Kirchen Deutschlands in ihrer gemeinsamen Erklärung „Gott ist ein Freund des Lebens“. Sie führen wissenschaftliche und theologische Argumente an. Das Kapitel „Die Würde des vorgeburtlichen Lebens“ beginnt mit Biologie: „Die embryologische Forschung hat zu dem eindeutigen Ergebnis geführt, daß

(1) von der Verschmelzung von Eizelle und Samenzelle an ein Lebewesen vorliegt, das, wenn es sich entwickelt, gar nichts anderes werden kann als ein Mensch,

(2) dieses menschliche Wesen von Anfang an individuelles Leben ist und der Fall der nachträglichen Zellteilung, die zum Entstehen eineiiger Zwillinge führt, diesen grundlegenden Sachverhalt nicht aufhebt,

(3) der weitere Entwicklungsprozeß einen kontinuierlichen Vorgang darstellt und keine einsichtig zu machenden Einschnitte aufweist, an denen etwas Neues hinzukommt.