Der Vortrag, den die Führungsmannschaft des Hamburger Springer Verlags am Montag dieser Woche zu hören bekam, weckte durchaus zwiespältige Gefühle. Bis Mitte kommenden Jahres, so mußten sie von dem Münchner Unternehmensberater Roland Berger vernehmen, soll der Zeitungs- und Zeitschriftengigant so gestrafft, umorganisiert und auf Trab gebracht werden, daß das Unternehmen „seine wirtschaftliche und kreative Kraft“ wiedergewinnt. Gewiß ein erfreuliches Signal für den als verschlafen geltenden Verlagskonzern. Das Kostensenkungspotential gab der Unternehmensberater mit deutlich über zehn Prozent an. Damit war den Führungsleuten klar, daß wohl auch beim Personal abgespeckt werden muß.

Das Hamburger Verlagshaus, so hatte im Frühjar ein fünfköpfiges Berger-Beraterteam in rund sechzig Gesprächen mit dessen Topleuten herausgefunden, hat sich „ein bißchen von Markt und Umfeld isoliert“. Der langjährige Vorstandschef Peter Tamm, der Mitte Juli vorzeitig seinen Sessel für den ehemaligen Zigaretten-Manager Günter Wille räumen mußte, hatte das konservative Zeitungshaus allzu „autokratisch“ geführt. Tamm hatte sich stets dem verstorbenen Verleger Axel Springer verpflichtet gefühlt. Doch zuletzt war der Verlag nur noch verwaltet worden. „Das gründerorientierte Verleger-Leitbild“, so mußte die Springer-Crew von Berger vernehmen, könne für die Zukunft nicht mehr prägend sein. Vonnöten sei vielmehr eine „arbeitsteilige, professionelle Konzernführung“.

Daß Günter Wille, der die Berger-Studie in Auftrag gegeben hatte, der Analyse schnell Taten folgen läßt, nahmen die Verlagsmanager schon Ende vergangener Woche zur Kenntnis. Nach einer Aufsichtsratssitzung nämlich trennte sich das Unternehmen von vier seiner bisher zehn Vorstandsmitglieder.

Um die Führung des 3,5 Milliarden Mark umsatzstarken Konzerns künftig vom Alltagsgeschäft freizuhalten und mit strategischen Aufgaben zu betrauen, wurde die bisherige Vorstandsstruktur verändert. So betrachteten die Berger-Rechercheure die Vorstandsressorts Stabsabteilungen und Entwicklung als obsolet – hier entdeckten sie unnütze Doppelarbeit, eine „Wertschöpfung“ im Ressort Entwicklung sei „nicht erkennbar“ gewesen –, das Aus für die Vorstände Wolfgang Müller (Stabsabteilungen) und Christian Herfurth (Entwicklungen).

Da auch ein Ressort Marketing allein überflüssig erschien, bekam Amtsinhaber Horst Keiser den Bereich Zeitschriften zugeschlagen. Mit dem bisherigen Zeitschriftenmann, dem bedächtigen Hans-Peter Scherrer, hatte der dynamische Wille wohl ohnehin seine Schwierigkeiten. Den überaus wichtigen Zeitungsbereich unterstellte der neue Springer-Chef sich selber. Erhard van Straaten, der die Blätter bisher betreute, hatte in Willes Augen ohnehin allzulange auf die Karte Tamm gesetzt.

Die Straffung des Vorstands auf sieben Ressorts – für den Bereich Elektronische Medien und Ausland wird der bisherige Bertelsmann-Chefsyndikus Manfred Niewiarra zu Springer wechseln – ist freilich nur der erste Schritt zu einer neu formierten, schlagkräftigen Unternehmensstruktur, die am Ende gar in eine neue Unternehmenskultur münden soll.