Eine 240 Millionen Jahre alte Matrjoschka hat der Hamburger Paläontologe Wolfgang Weitschat auf Spitzbergen entdeckt. Wie bei der russischen Puppe-in-der-Puppe sind in dem uralten Fossil mehrere Objekte ineinander verschachtelt. Schon länger bekannt waren Ostracoden, kleine Muschelkrebschen, die sich im Inneren der Wohnkammern von Ammoniten häuslich niedergelassen hatten. Jetzt hat der Forscher erstmals nachgewiesen, daß in den winzigen Schalen der Muschelkrebschen noch kleinere, gehäusebildende Einzeller, sogenannte Wimpertierchen, gelebt haben. Vertreter dieser Gruppe von Einzellern, zu denen auch die heute lebenden Glockentierchen gehören, waren fossil bisher überhaupt nicht bekannt.

Wo heute im rauhen Klima Spitzbergens die Sandsteine unter der Schneelast des polaren Nordens lagern, da wogte vor rund 240 Millionen Jahren der warme Ozean des Triasmeeres. In dieser Buntsandstein genannten Zeit entstanden auch die roten Felsen von Helgoland. Bei früheren Expeditionen nach Spitzbergen war der Fossilreichtum dieser Ablagerung erkannt worden.

Weitschat und seine Mitarbeiter vermuten, daß die kaum einen Millimeter kleinen Ostracoden am Meeresboden liegende verendete Ammoniten aufgesucht haben, um deren Weichteile zu verzehren. Viele ihrer heute noch lebenden Verwandten sind ebenfalls Aasfresser. Sowohl Ammonit als auch Ostracode sind hervorragend erhalten, weil schon bald nach dem Ende beider Tiere eine Umwandlung ihrer Hartteile in das widerstandsfähige Apatit stattgefunden hat.

Auf den Atemorganen der Muschelkrebschen haben sich noch zu deren Lebzeiten die einzelligen Wimpertierchen festgesetzt, um dort ihre Nahrung aus dem Frischwasser zu strudeln. Nach dem Tode der Ostracoden wurden ihre aus Pseudochitin bestehenden winzigen Gehäuse ebenfalls in Apatit umgewandelt und blieben deshalb fossil so gut erhalten. Heute sind etwa 5500 marine und limnische Arten bekannt. Fossil wurde bislang nur eine einzige Unterordnung von der Wende Jura/Kreice entdeckt. Viele Arten dienen als Leitorganismen für die biologische Beurteilung von Wassergüteklassen.

Hinrich Bäsemann