Von George Black

PEKING. – Kaum hatte der Nachrichtensender CNN gemeldet, der amerikanische Senat werde China die Meistbegünstigungsklausel nur unter bestimmten Bedingungen gewähren, da wurde der Bildschirm in meinem Zimmer im „Peking Hotel“ schlagartig dunkel. Die flimmernden Schlangenlinien auf der Mattscheibe waren der offizielle Ausdruck chinesischer Empörung darüber, daß Ausländer es wagten, sich in die inneren Angelegenheiten des Landes einzumischen.

Hinter der obligatorischen Entrüstung verbarg sich allerdings die stille Genugtuung darüber, daß das knappe Abstimmungsergebnis von 55 zu 44 Stimmen nicht ausreichte, um ein Veto des US-Präsidenten zu blockieren. Die Ansammlung von Greisen an Chinas Spitze sieht in George Bush einen Verbündeten – auch wenn Deng Xiaoping, dessen Blackouts allmählich an Ronald Reagan erinnern, Berichten zufolge Bush gelegentlich mit Jimmy Carter verwechselt.

Wie Bushs Chinapolitik, so basiert im Grunde die gesamte amerikanische Außenpolitik des 20. Jahrhunderts auf einer einzigen Grundannahme: daß die Einführung der Marktwirtschaft in einem Land unweigerlich den Einzug politischer Freiheit nach sich zieht. China ist das beste Beispiel dafür, wie naiv diese Einschätzung ist.

Die Gesellschaft, die Deng zu schaffen versucht, ist ein eigenartiges Gebilde. Es ist eine Gesellschaft, die es fertigbringt, all die schlimmsten Exzesse des westlichen Kapitalismus mit den Unterdrückungsmechanismen eines totalitären Systems der übelsten Sorte zu kombinieren.

Vielen Chinesen geht es wirtschaftlich sehr gut, seit Deng das Land dem kapitalistischen Westen gegenüber geöffnet hat. Dies trifft vor allem für den Süden des Landes zu, wo die Einwohner der Provinz Kanton auf eine lange Handelstradition zurückblicken können.

Auf der 36-Stunden-Zugreise nach Peking plärrte einst die alte Mao-Hymne „Der Osten ist rot“ blechern aus den Lautsprechern. Heutzutage wird der Reisende in seinem harten Schlafwagenbett vom unaufhörlichen elektronischen Gepiepse unzähliger Videospiele im Hosentaschenformat, made in China, wachgehalten.