Von Karl-Heinz Janßen

Potsdam, im August

Bei Fontane steht, daß der Alte Fritz am Ende seiner Tage „durchaus bei seinen Hunden begraben sein wollte, weil er die Menschen, diese ‚mechante Rasse‘, so gründlich verachtete, das ist mir mindestens ebensoviel wert wie ein Hohenfriedberg oder Leuthen“. Am vergangenen Sonntag um Mitternacht, genau 205 Jahre nach seinem Tod, ist des Großen Königs Letzter Wille endlich erfüllt worden: Jetzt liegt er dort, wo elf seiner geliebten Windspiele bestattet wurden – rechter Hand der obersten Terrasse des Lustschlosses Sanssouci, in einer Gruft, die er sich bereits mit 32 Jahren herrichten ließ, noch ehe das Schloß stand. Nur dort unten, so seine Worte, werde er wirklich „ohne Sorge“ sein.

Aber auch diesmal, wie 1786, wurden seine testamentarischen Verfügungen zur Beerdigung – er wollte „keine Umstände“ – mißachtet: von der eigenen Familie, vom Staat, vom Volk. „Stille nach Sanssouci bringen“? Mit einem Sonderzug quer durch Deutschland, zuletzt gezogen von einer alten Borsig-Dampflok der Reichsbahn (mit roten Rädern!), dann auf einer Lafette vierspännig durch die von Tausenden umsäumten Straßen wurde sein Sarg transportiert. „Der eitlen Neugier des Volkes nicht zur Schau gestellt“? Zehntausende defilierten am Sarkophag vorbei, der, in die Farben Preußens gehüllt, unter einem schwarzen Baldachin aufgebahrt stand. Und fast jeder der Schaulustigen zückte seinen Photoapparat.

„Ohne die geringste Zeremonie“? Blaskapellen empfingen und verabschiedeten ihn, eher bieder wirkende Obristen und Kapitäne hielten Totenwache. „Beim Schein einer Laterne, und ohne daß mir jemand folgt“? Fernsehscheinwerfer erleuchteten das Schloß; zehn Mann rollten die acht Zentner schwere Last, drei ineinander geschachtelte Särge, ums Schloß; viere hielten Windlichter; und es folgte ein Trupp Prinzen jeglichen Alters, nebst Freund aus der Pfalz.

Manche malten sich aus, wie schön es gewesen wäre, hätte man die Gebeine des Königs wirklich im Schein einer Stallaterne beigesetzt. Doch alle beugten sich dem angeblich „unabweisbaren Informationsbedürfnis von Medien und Öffentlichkeit“. Gewiß, die Bauarbeiten an der Gruft hätten sich nicht verheimlichen lassen. Aber wo ein ehedem in preußischen Landen mächtiger Mann bei Nacht und Nebel nach Moskau gebracht werden kann, ließe sich wohl auch ein Sarg klammheimlich unter die Erde bringen (mit Vollzugsmeldung an dpa am folgenden Tage).

Nein, sie wollten es gar nicht, alle miteinander. Da ist Prinz Louis Ferdinand, der sich den Ehrengästen im Neuen Palais als „Chef des Hauses Hohenzollern-Brandenburg-Preußen“ vorstellte. Wie sein Urahn Friedrich Wilhelm II. setzte er sich über das Testament hinweg, wollte er doch ein Gelübde einlösen, das er 1952 abgelegt hatte, als er die beiden aus Potsdam evakuierten Königssärge nach langer Irrfahrt auf der Stammburg seines Geschlechts im schwäbischen Hechingen ins Notquartier holte. Erst nach einer Wiedervereinigung Deutschlands in Freiheit sollten sie in ihre märkische Heimat zurück.