Von Klaus-Peter Schmid

Die Konzentrationsbewegung unter den Großen der europäischen Wirtschaft setzt sich fort. Spektakuläre Elefantenhochzeiten wie die von Daimler-Benz und MBB blieben nicht die Ausnahme. Preussag und Salzgitter legten Soll und Haben zusammen, der schwedische Verpackungshersteller Tetra Pak kassierte den Konkurrenten Alfa-Laval.

War ein Partner nicht willig, dann wurde eine Übernahmeschlacht inszeniert, notfalls ohne Rücksicht auf Verluste. Noch heute denken die Belgier mit Schrecken an die Gelüste des Italieners Carlo De Benedetti, der unbedingt die vor Kraft strotzende Finanzholding Société Generale de Belgique besitzen wollte, allerdings scheiterte und hinterher seine Wunden lecken mußte.

In ihrem jüngsten Bericht über die Wettbewerbspolitik stellt die EG-Kommission fest: „Eine Aufschlüsselung der Zusammenschlüsse nach Gesamtumsätzen der beteiligten Unternehmen zeigt, daß sich die Tendenz zu einer Zunahme der Operationen großen Maßstabs bestätigt hat.“

Die Zahlen sind eindeutig. Von Juni 1986 bis Mai 1987 wurden in der Gemeinschaft 303 neue Mehrheitsbeteiligungen und Fusionen zwischen Industrieunternehmen registriert; von Juni 1989 bis Mai 1990 waren es schon 622. Offensichtlich haben die Unternehmer die Zeichen der Zeit erkannt, denn die rein nationalen Konzentrationsbewegungen haben an Bedeutung verloren: Im Zeitraum 1986/87 machten sie siebzig Prozent der Mehrheitsbeteiligungen aus, 1989/90 aber nur noch knapp vierzig Prozent.

Mit den grenzüberschreitenden Finanzoperationen werden Größenordnungen erreicht, die auch im internationalen Vergleich alles andere als zweitklassig sind. So brauchen sich die Europäer für ihre Plazierungen in der alljährlich vom amerikanischen Magazin Fortune veröffentlichten Liste der weltweit größten Unternehmen nicht zu schämen. Danach waren 1990 von den 100 größten Industrieunternehmen der Welt 45 europäisch (darunter 12 deutsch), 33 amerikanisch und lediglich 16 japanisch. Einige der Riesen haben einen regelrechten Höhenflug hinter sich. Daimler-Benz etwa lag 1984 noch auf Rang 35, heute nimmt der Multikonzern nach zahlreichen Übernahmen weltweit Platz 11 ein. Fiat tauschte Platz 46 (1984) mit Platz 13, Nestlé kletterte von Platz 49 auf Platz 25.

Auch im Vergleich zum Vorjahr konnten sich die meisten Europäer auf der Weltrangliste weiter nach vorne schieben. Das gilt namentlich für die Mineralölgesellschaften Shell (von Rang 4 auf Rang 2), BP (von Rang 10 auf Rang 8), ENI (von Rang 28 auf Rang 18), Elf-Aquitaine (von Rang 37 auf Rang 26). Sie sind die Nutznießer der Golfkrise, da ihnen die gestiegenen Ölpreise aufgeblähte Umsätze und bessere Gewinne bescherten. Aber auch andere Unternehmen wie Daimler-Benz, Fiat, Volkswagen, Asea Brown Boveri, Thyssen, British Aerospace oder Mannesmann konnten sich weiter oben plazieren. Auffallend ist zugleich, daß fast alle führenden japanischen Industriekonzerne 1990 zurückfielen. Das gilt für so illustre Namen wie Hitachi, Nissan, Toshiba, NEC, Honda oder Mitsubishi.