Von Heinz-Günter Kemmer

Fritz Hauff, bis zum 5. Juni Vorstandssprecher der Harpener AG in Dortmund, lobte seine Nachfolger im Vorstand überschwenglich: „Mit den Herren Christian L. Juergens und Bernd Kottmann haben zwei aus meiner Sicht sehr befähigte Vorstände die Führung der Gesellschaft übernommen. Beide sind einwandfrei qualifiziert und verdienen es, unterstützt zu werden.“

Diese Erkenntis ist Hauff aber wohl erst nach Ende seiner Dienstfahrt gekommen. Zuvor hatte er nämlich Warnungen von Juergens in den Wind geschlagen und damit einen folgenschweren Fehler begangen, der ihn schließlich seinen Job kostete.

Als sich der vorwiegend im Grundstücksgeschäft aktive Mischkonzern Harpen im November vergangenen Jahres anschickte, aus dem Besitz seines Großaktionärs Werner K. Rey 49 Prozent des Kapitals der britischen Touristik-Gruppe Hudson Place/ILG International Leisure Group zu kaufen, verlangten Juergens und der Leiter der Rechtsabteilung, Knut Haimhof, damals Prokuristen des Hauses, daß „die Angemessenheit des Kaufpreises durch ein Gutachten bestimmt werden sollte“. Das schreibt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen im Anschluß an eine Sonderprüfung bei Harpen. Und weiter heißt es da: „Diesem wichtigen Vorschlag ist der Vorstand nicht gefolgt.“

Dieser erfüllte vielmehr beflissen die Wünsche des Großaktionärs Rey, der einst für IOS arbeitete und auf sich aufmerksam machte, als er 1977 den schweizerischen Schuhkonzern Bally übernahm und mit Gewinn an Oerlikon Bührle verkaufte. Rey hat unter dem Dach seiner Omni-Holding in Zürich ein weitverzweigtes und wohl nur von ihm selber und wenigen Eingeweihten überschaubares Imperium aufgebaut. Die Börsen-Zeitung schrieb über die schillernde Figur Rey: Je nachdem galt er als Rechenkünstler, Wunderknabe, Zahlenjongleur, Finanzakrobat oder schlechthin als ein Spekulant, der mit Firmen handelt.“

Als Rey im zweiten Halbjahr 1990 die Finanzdecke zu knapp wurde, drehte er Harpen deshalb für gut 130 Millionen Mark die Beteiligung an einem Unternehmen an, das kurz darauf in die Pleite schlitterte. Der Harpen-Vorstand, der damals aus den Schweizer Staatsbürgern Markus D. Herzig und Fritz Hauff sowie dem Deutschen Jürgen Schippkühler bestand, hat deshalb nach Meinung des Sonderprüfers „nicht die ihm obliegende Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters walten lassen“.

Pflichtverletzungen wirft der Sonderprüfer auch dem früheren Aufsichtsratsvorsitzenden Rey und dem am 27. März aus dem Harpen-Aufsichtsrat ausgeschiedenen René Giulianelli – dem Generaldirektor von Reys Omni-Holding – vor. Das Aktiengesetz verpflichtet die Beschuldigten zwar zum Schadenersatz, aber bis auf Schippkühler sitzen die Herren sicher in der Schweiz. Und Heinz Sippel, bis Ende 1985 Vorstandsvorsitzender der Hessischen Landesbank und zum 1. Juli vom Altenteil auf den Stuhl des Vorstandsvorsitzenden bei Harpen gewechselt, zitiert ahnungsvoll seinen berühmten Bankierskollegen Hermann Josef Abs: „Es ist leichter, eine Sau am geseiften Schwanz festzuhalten als von einem Aufsichtsrat nach gewonnenem Prozeß Geld zu kriegen.“