Licht einschalten bedeutet nicht nur: selber besser sehen, sondern vor allem auch: besser gesehen werden. Skandinavier schalten deswegen das Licht schon am hellen Tag an. Das ist übertrieben. Gefährlich aber fahren jene, die, durch Kalender oder Zeitung genau informiert, nicht eine Sekunde vor amtlichem Sonnenuntergang Licht machen wollen.

Viele Grenzfälle sind möglich: verdunkelter Himmel, leichter Regen, leichter Nebel. Faustregel: Wenn mehr als die Hälfte der Entgegenkommenden mit Licht fährt, fahre ich auch mit Licht. Es gibt nichts Tückischeres als ein Auto, das ohne Licht zwischen lauter Scheinwerfern so gut wie unsichtbar wird. Erst recht gilt das für Fahrzeuge, die im Dunkeln auf der Fahrbahn abgestellt sind oder in die Fahrbahn hineinragen. Schon tagsüber sind solche Autos eine Gefahr. Nachts sind sie kriminell.

Zwischen Standlicht, abgeblendetem Fernlicht und aufgeblendetem Fernlicht unterscheidet die Straßenverkehrsordnung nicht deutlich genug. Standlicht sagt doch eigentlich: Das Auto steht. Wenn es fährt, sollte es auch in ausreichend beleuchteten Straßen mit abgeblendetem Fernlicht gefahren werden, weil es ja doch wichtig ist, einem Auto von weitem anzusehen, ob es steht oder fährt. Fernlicht andererseits sollte in geschlossenen Ortschaften gänzlich verpönt sein – irgend jemanden blendet es immer.

Die Einführung knallender Halogen-Scheinwerfer hat keinen Niederschlag in den Fahrregeln gefunden. Vielleicht muß einer oft durch schmale Waldstraßen gefahren sein, um zu wissen: Aufgeblendete Halogen-Scheinwerfer sind furchterregend, und unzureichend abgeblendete (zum Beispiel, wenn der Entgegenkommende bergauf fährt) auch. Also: Standlicht nur für stehende Fahrzeuge; abgeblendetes Fernlicht (Fahrlicht) für alle fahrenden; Fernlicht nachts auf Landstraßen wie Autobahnen nur, solange Gegenverkehr selten stattfindet. Sobald einem jemand (auch zu Fuß!) entgegenkommt – abblenden!

Bleibt das Problem Lichthupe (kurzes Aufblenden des Fernlichts). Der deutsche Gesetzgeber ist diesem möglicherweise nützlichen Verständigungsinstrument nicht freundlich gesonnen. Richtig ist das, wo mit der Lichthupe Vorausfahrende bedrängt werden. Begreiflich ist es, wo entgegenkommenden Autofahrern signalisiert werden soll: Achtung, Radarfalle! Aber irgendwie haben diese Signale doch etwas sympathisch Solidaritätsstiftendes – oder?

Ein einziger Trottel genügt, die Verkehrsgerichtsentscheidung herbeizuführen, Lichthupe sei unzulässig, wenn es darum geht, jemandem, der aus einer Seitenstraße, einer Einfahrt heraus will, klarzumachen: Fahr los! Aber wie denn sonst? „Durch deutlich verlangsamtes Tempo“ heißt es vom grünen Tisch. Als ob man in einer deutschen Großstadt zwischen 16.30 und 18.30 Uhr das Tempo noch „deutlich verlangsamen“ könnte.

Nicht vorgeschrieben, nicht einmal gern gesehen wird die Lichthupe dort, wo sie nun wirklich nur nützlich ist: vor scharfen Kurven oder bei Kreuzungen auf nachts verhältnismäßig wenig befahrenen Straßen. Aber dort fahren die Forschen ohnehin mit Fernlicht, und das wird ihnen nicht verwehrt.

Warum eigentlich wird die Lichthupe nicht anerkannt als ein erfreulich zurückhaltendes Mittel, aufmerksam zu machen? Wollen wir denn Hupkonzerte wie in Italien? Es ist doch besser, wenn ein solches Hupkonzert Neuvermählten und ihrem Anhang oder auch Demonstrationen (sei es der Begeisterung, sei es des Protests) vorbehalten bleibt. Auch für die Anwohner verkehrsreicher Straßen ist die Lichthupe natürlich viel angenehmer als Tatütata. Sie sollte nicht in Verruf geraten, sie sollte eher aufgewertet werden. Leo