Koffein ist die weltweit am meisten genutzte psychoaktive Substanz. Ihre positive, die Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit erhöhende Wirkung und ihre negativen Effekte wie Schlaflosigkeit, Nervosität, Kopfschmerzen und Herzklopfen, vor allem bei höheren Dosen, sind bekannt. Wenige wissen jedoch, wie dieses Pflanzenalkaloid wirkt und warum es (häufig unbemerkt) leichte Entzugserscheinungen hervorrufen kann.

Laut New York Times ähnelt Koffein dem Adenosin, das auf das Nervensystem bremsend wirkt. Adenosin besetzt gewisse Empfangsstationen (Rezeptoren) auf Gehirnzellen und dämpft dadurch die Hirnaktivität. Diese Rezeptoren nehmen aber auch das chemisch verwandte Koffein auf. Bereits zwei bis drei Tassen Kaffee (oder schwarzer Tee) genügen, um rund die Hälfte der Adenosin-Ankerplätze zu blockieren. Die Nervenbremse wird dadurch ausgespielt. Doch der Körper gewöhnt sich rasch an die Koffein Wirkung: Schon nach vier bis fünf Tagen entfalten die Nervenzellen deutlich mehr Adenosinrezeptoren auf ihrer Oberfläche. Die Zahl der koffeinblockierten Empfangsstationen wird dadurch weitgehend kompensiert, und Adenosin kann wieder dämpfend wirken. So wird verständlich, warum manche Kaffeefreaks vor dem Einschlafen einen doppelten Cappuccino schlürfen können und dennoch einschlafen.

Wer jedoch regelmäßig viele Rezeptoren „füttert“, der muß mit Entzugserscheinungen wie Kopfweh, Lethargie und grippeähnlichen Gliederschmerzen rechnen, wenn der Koffeinnachschub ausbleibt. Aus noch unverstandenen Gründen treten diese Symptome jedoch nicht immer auf. Entzug kann sich bereits einstellen, wenn auf den eher bescheidenen Konsum von zwei Tassen täglich verzichtet wird. Häufig nehmen wir auch Koffein auf, ohne es zu wissen, etwa über schmerzstillende Mittel, mit Arzneien zur Behandlung von Schnupfen, Allergien oder Übergewicht. Die Softdrink-Industrie fügt oft ihren Wässerchen Koffein zu – angeblich aus geschmacklichen Gründen. So kommen manche Kinder bereits auf eine Koffeinration vergleichbar mit jener eines Erwachsenen. HST