Bislang bestimmte in der Regel der Marktführer Boeing, was im Weltflugzeuggeschäft geschieht. Doch jetzt ist die Situation einmal umgekehrt: Jean Pierson, der Chef der europäischen Airbus Industrie (AI), hat es geschafft, den großen amerikanischen Rivalen herauszufordern. Der Marktriese geriet durch die Ankündigung der Europäer in Zugzwang, ein neues Riesenflugzeug mit mehr als 600 Sitzen zu entwickeln. Bisher hat Boeing bei Langstrecken-Großraumflugzeugen mit seinem Jumbo-Jet vom Typ 747 eine unangefochtene Monopolstellung, die äußerst lukrative Preise erlaubt. Nun planen auch die Amerikaner einen solchen Superjumbo mit 600 bis 800 Sitzen.

Doch für beide Flugzeughersteller ist es im Moment sehr schwer, Geld aufzutreiben, um diese Riesenflieger zu konzipieren. Allein die Entwicklungskosten werden auf mindestens fünf Milliarden Dollar geschätzt. Boeing hat gerade erst einen kleinen Jumbo vom Typ 777 aus der Taufe gehoben, und die Airbus-Industrie denkt über einen neuen 120sitzigen Flieger nach. Daher haben sich die Flugzeugbauer schon nach Partnern umgesehen. Beide landeten bei Industriekonzernen in Japan.

Zwei ungleiche Partner haben zueinander gefunden: Der Krupp-Konzern und der sozialdemokratisch regierte Stadtstaat Bremen. Damit setzt Krupp seinen Rückzug aus der Rüstung fort, eine auf verschlungenen Pfaden dem Bremer Staat verbundene Gesellschaft hingegen steigt voll ein.

Die Bremer Vulkan Schiffbau und Maschinenfabrik nämlich kauft der Fried. Krupp GmbH 74,9 Prozent der Anteile an Krupp Atlas Elektronik ab. Das ist ein Bremer Unternehmen, das im vergangenen Jahr mit 4337 Mitarbeitern 704 Millionen Mark umgesetzt hat – die Hälfte davon im Bereich Wehrtechnik.

Aber der Bremer Vulkan hat kein Geld, die von Krupp geforderten 350 Millionen Mark bar auf den Tisch zu legen, deshalb erhöht er sein Kapital um 2,8 Millionen Aktien im Nennwert von 125 Mark je Stück. Daß der Marktwert deutlich niedriger ist – vor dem jüngsten Crash wurden noch nicht einmal hundert Mark für die Aktie bezahlt –, braucht Krupp nicht zu stören.

Ein den Bremern stets dienstbares Unternehmen, die Hanseatische Industrie-Beteiligungen GmbH (HIBEG), macht es möglich. Denn dieses Kind von Staat und Stadt gründet mit Krupp gemeinsam eine Gesellschaft und bringt 350 Millionen Mark in bar ein – die sie sich natürlich leihen muß. Krupp kriegt damit vorerst das Geld als unverzinsliches Darlehen, die HIBEG darf die Aktien verkaufen.

Gelingt das nicht innerhalb von zwei Jahren, springt ein Bankenkonsortium ein, das aber nur 80 statt 125 Mark je Aktie zahlen muß. Für die mögliche Differenz von 126 Millionen Mark und für maximal 70 Millionen Mark Zinsen, die die HIBEG für Darlehen zahlen muß, steht das Land mit einer Bürgschaft gerade. Wenn es um die „Sicherung von 4300 bremischen Arbeitsplätzen“ geht, ist Bremens Bürgermeister Klaus Wedemeier nichts zu teuer – kurz vor Landtagswahlen schon mal gar nicht.