Zu den wichtigsten Unfallursachen gehören Geschwindigkeit und Alkohol. Wenn sie uns zusammen nur eine kleine Glosse wert sind, dann gibt es dafür zwei Gründe:

1. Neun Zehntel aller Literatur über Unfälle im Straßenverkehr ebenso wie neun Zehntel aller Gerichtsverfahren beschäftigen sich mit ebendiesen beiden Ursachen – womit ihnen ein bißchen viel der Unehre zuteil wird.

2. Nirgendwo, allenfalls noch beim Rauchen, teilt sich die deutsche Welt so drastisch in Gläubige und Ungläubige, von denen keiner bereit ist, seine Meinung noch einmal zu überdenken.

Dabei ist es ja nicht so schwer zu überlegen, was wohl der Geschwindigkeit und dem Alkohol ihre prominente Stellung verschafft. Anders als Fahrbahnwechsel, Reindrängeln, zu dicht Auffahren – die bei weitem überwiegenden Unfallursachen, wie jeder nach ein paar Jahren auf deutschen Straßen weiß – sind Alkoholpromille und überhöhte Geschwindigkeit mit Apparaten, und damit scheinbar objektiv, meßbar.

Mein Freund Peter sieht ein Zeichen von Wohlfahrtsdekadenz darin, daß Erwachsene, die ernst genommen werden wollen, sich um nichts so sehr streiten wie um die Geschwindigkeit, die andere auf Autobahnen fahren sollen. „Freie Fahrt für freie Bürger“ ist zu einem Schimpfsatz geworden. Aber wo denn, zwischen Salzburg und Hamburg, läßt sich ein Durchschnitt von hundert Stundenkilometern noch erreichen? Es gibt nichts Lustigeres, als sich in einem Stau Rundfunkdiskussionen über Geschwindigkeitsbeschränkungen anzuhören.

Ein bißchen nachdenklicher könnte es ja auch machen, daß es in den „neuen“ Ländern fast doppelt so viele Verkehrsunfälle gibt wie in den „alten“ – und das bei hundert Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit und 0,0 Promille Alkohol! Das habe doch andere Ursachen? Gewiß! Aber gerade darum geht es ja, daß „andere Ursachen“ das Unfallgeschehen stärker beeinflussen, als die Fixierung auf Geschwindigkeit und Alkohol wahrhaben will.

Der engagierte Europäer muß dafür sein, daß eine Höchstgeschwindigkeit von 130, meinetwegen auch von 120, in ganz Europa gilt, wenn der Beschluß des Europäischen Parlaments den komplizierten Instanzenweg erfolgreich durchlaufen sollte. Wir wollen dann aber bitte die Kontrollen auch in Deutschland so vernünftig handhaben wie in den Nachbarländern – will sagen: Schluß mit den Radarfallen! Eine „Radarfalle“ ist ein Photoblitzgerät, das gerade dort fest installiert wird, wo die Geschwindigkeit ohne Gefahr auch einmal überschritten werden kann, und das vor allem den Zweck hat, die Gemeindekassen zu füllen. Es ist pädagogisch widersinnig, und nur Ortsfremde fallen darauf rein.